Meinung 25.06.2026

#derbankbart: Jürgen Schmitts Kolumne „Für euch entdeckt“ – Ausgabe Nr. 2

Schnell, preiswert – Modulbau

Bauen ist teuer. Bauen ist langwierig. Bauen kostet Nerven. Und durchaus viel Geld. Das höre ich derzeit immer wieder. Komplexe Planungs- und Genehmigungsprozesse. Termine für die Gewerke? Schwer und mit viel Geduld zu bekommen. Geschweige denn das Material. Und auch hier geraten die Kosten schnell außer Kontrolle. Oder sprengen zumindest den zuerst angedachten Rahmen. Kein Wunder, dass Wohnungen fehlen und das nicht zu knapp – alleine in Frankfurt mehr als 5.000 pro Jahr. Aber wie sieht es aus, wenn neue Ideen ins Spiel kommen? Wenn Lösungen anders gedacht werden? Kommt mit, ich zeige es euch. Hier geht’s zu Kolumne Nr. 2.

Ein Hotel in zehn Tagen „hinstellen“? Oder eine Schule, einen Supermarkt oder gar ein neues Betriebsgebäude? Wenn von der ersten Planung über die Genehmigung bis zur Inbetriebnahme teils nur sechs Monate vergehen? Klingt das utopisch? Und wenn es denn geht, wie ist das überhaupt möglich? Ich durfte mir das Prinzip des Modulbaus anschauen. Und wie ein ganzer Kosmos darum entsteht. Ein Geschäftsmodell, das in Komplettpaketen denkt.

Mein erster Gedanke: Was, Modulbau? Kenne ich schon. Da denke ich immer an Container und zurück an meine Schulzeiten. Schnell wurde behelfsmäßig Raum gewonnen. Für kurze Zeit errichtet. Damals, weil es durch das Flachdach meiner Schule wenige Jahre nach Errichtung schon durchregnete. Unterricht, der von Tropfgeräuschen begleitet war. Ein Bau, der nach nur 15 Jahren eine Sanierung erforderte. Eine Behelfsschule, die mit damaligem Container-Modulbau auf den angrenzenden Bolzplatz gestellt wurde. Ich dachte mir: Geschichte wiederholt sich.

Will ich wirklich im Container wohnen oder als Hotel-Herberge übernachten? Weniger. Oder ist es eine Art gemauertes Tiny House? Immobil.

Doch ich wurde überrascht: geziegelter Modulbau. Elemente von jeweils 25 Quadratmetern, die es in gut 140 verschiedenen Varianten gibt und die optimal miteinander kombiniert werden können. Betonplatten, die im Werk gegossen und dann in großen Werkshallen aufgeziegelt werden. Handwerk. Nachhaltiger Bau. Robust. Langlebig. Und ein Gewerk, das komplett ab Hersteller liefern kann.

Genau hier konnte ich nur nicken: wetterunabhängig Module in Werkshallen aufbauen. Ziegelsteinbau auf der einen Seite. Innenausbau auf der anderen Seite. Wenn Treppenhäuser, Bäder, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Schulräume oder auch ganze Hotelzimmer am Fließband entstehen. Fliesen legen, tapezieren, verputzen, Böden verlegen, Elektrik einbauen. Wenn das Handwerk mit all seinen Facetten im Team alles vor Ort erledigt. Und ein Modul fix und fertig erstellt wird, sodass es nur noch Plug & Play zusammengefügt werden muss. Zeitverlust? Könnte zum Fremdwort werden. Wenn Hand in Hand ganzjährig Module gebaut werden können.

Beim Aufbau eines Hotels war ich vor Ort dabei. Eine Perlenschnur an Tiefladern, die anrollt, um die geladenen Module zu verbauen. Just in time morgens angeliefert. Ein Kran, der Element für Element an- und aufeinandersetzt. Ein Hotel, das in meinem Fall in zehn Tagen hätte gebaut werden können, aber durch die Umstände schon nach sechs Tagen stand. Ich musste grinsen. Weil es noch schneller als erwartet ging. Weil nur noch die Fertigstellung von Außenputz und Dach fehlte. Das Gebäude war dann nach zehn Tagen komplett fertig. Im Ergebnis heißt das: schnell, solide und nachhaltig gebaut, Betriebskosten im Zaum gehalten und einen Bau hingestellt, der schnell genutzt werden kann.

Auf meinen Reisen werde ich nun auch vermehrt Ausschau nach Hotels an den Autobahnen halten. Modulbau-Hotels, die teils gar keine Rezeption mehr betreiben. Alles läuft automatisiert ab. Vom Buchen bis zum Einchecken und (bei Ankunft mit Code) Anmelden. Manchmal benötigt es gar nicht mehr. Und am nächsten Tag geht es direkt weiter. Motel ohne Concierge. Mit Hotelzimmern, denen man nicht ansieht, dass sie fix und fertig angeliefert wurden. Fernseher: an der Wand. Bett: aufgestellt. Bad: installiert. Selbst die Klobürste war beim Reinheben mit dem Kran schon drin.

Mit der ExpeditionFinance bin ich viel unterwegs. Ich darf mir die neusten Trends und Themen anschauen. Und diese zur konstruktiven Diskussion präsentieren. Gibt es Herausforderungen? Meistens. Und es ist auch gut, wenn wir diese betrachten. Damit Ideen noch besser umgesetzt werden können. Auch beim Modulbau spielen viele Faktoren eine Rolle: Transport, Logistik, Grundstücke und Standortbedingungen. Planungsverfahren, Normen, Akzeptanz und wie immer auch Kosten und Finanzierung.

Schaut euch den Clip an. Erfahrt mehr dazu. Eine informative Episode „Made for Germany“‘ aus dem Mittelstand des Heimatmarkts. Unternehmen: Hausbank. Film ab.

Euer Jürgen




Über Jürgen Schmitt:
Jürgen Schmitt aka #derbankbart ist Entdecker bei der ExpeditionFinance, einem Format mit „snackable“ Video-Content aus der Finanzindustrie. Unterstützt und umgesetzt durch die Deutsche Bank, aber werbefrei. Es zählt die Wissensvermittlung. Das Ziel: Themen und Trends wertungsfrei auf Social Media anbieten, Einblicke schaffen, konstruktive Diskussionen führen. Entstanden aus einer Idee von Jürgen, der vorher über 20 Jahre im Aktienderivate-Handel der Bank aktiv war und nun seinen persönlichen Auftritt auf Social Media mit einbringt, um Finanzwissen und Finanzbildung anzutreiben. Nebenbei ist er Buchautor, unter anderem für die bekannte Sachbuchreihe WAS IST WAS (sein neues Buch „Geld“ erscheint Ende September). Und Kolumnist. Seit Mai 2026 teilt er seine Gedanken regelmäßig im Netzwerk der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain.




Foto: Sabine Streich

#ExpeditionFinance #DeutscheBank

6:18 Min.

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