U AI: Erster Startup-Kongress für Künstliche Intelligenz in FrankfurtRheinMain

Veranstaltungen

  • 18.05.2022

„Die Region hat das Zeug zum KI-Hotspot“

Es wurde auch Zeit. „Artificial Intelligence" (AI) gilt als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien, doch in FrankfurtRheinMain gab es bislang keine größere Dialogplattform für das Standortthema. Mit „U AI" hat sich das jetzt geändert. Der allererste Startup-Kongress für Künstliche Intelligenz (KI) in FrankfurtRheinMain mobilisierte aus dem Stand rund 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – neben jungen Gründern auch etablierte Corporates, Investoren, Politikvertreter, Studierende und sogar einige Schüler. Das Ziel: Know-how und Use Cases austauschen und die Region auf der KI-Landkarte sichtbarer machen. U AI bildet dabei den Auftakt für eine neue Startup-Event-Serie, die die Wirtschaftsinitiative als Netzwerkpartner unterstützt. Die stilechte Begrüßung durch die Veranstalter: „AI Gude".

Das Museum für Kommunikation am Frankfurter Schaumainkai war natürlich bewusst als Veranstaltungsort gewählt – schließlich gehe es beim Thema KI nicht nur um eine Technologie, sondern auch darum, der Öffentlichkeit ihre Zukunftschancen zu vermitteln und mögliche Ängste zu nehmen, so die Organisatoren. Marcel Isbert vom Frankfurter KI-Unternehmen Statworx und Fabian Annich von der regionalen Startup-Plattform STATION FrankfurtRheinMain begrüßten die Gäste im Lichthof des Museums – mitten unter Exponaten aus der Geschichte der (Tele-)Kommunikation. „Wir wollen mit U AI zeigen, dass wir in unserer Region Innovationsthemen vorantreiben können." Das Programm teilte sich in zwei Stränge – Keynotes und Panels auf der Hauptbühne, Use Case-Präsentationen und Masterclasses in kleineren Workshops.

Standortfaktor KI

„FrankfurtRheinMain steht für Vieles, aber in Sachen IT werden wir nach wie vor unterschätzt, das gilt auch für die KI", sagte Eric Menges, Geschäftsführer der FRM GmbH, die sich um das internationale Standortmarketing und die Ansiedlung von Unternehmen aus dem Ausland kümmert. Dabei sei Frankfurt Deutschlands Rechenzentrumshauptstadt und Darmstadt habe einen starken Cybersecurity-Schwerpunkt. Es gebe zudem zahlreiche Tech-Startups, innovative Konzerne wie Merck und BioNTech, eine breit aufgestellte Branchenstruktur und Unternehmen, die viele Daten produzierten – allen voran die Finanzinstitute. Renommierte Universitäten und der direkte Zugang zu Talenten nicht zu vergessen. Tenor der Kongress-Speaker durch die Bank: „FrankfurtRheinMain hat das Zeug zum KI-Hotspot."

Doch woran hängt's? Warum sind andere Regionen – national wie international – hier weiter? Alle Akteure aus der Region müssten zusammenarbeiten und das Ökosystem pflegen, auch wenn die Benefits nicht sofort sichtbar würden. Es gelte, KI-Überzeugungsarbeit zu leisten, gerade im Mittelstand, und Brücken zu bauen. Und: Es brauche echte Use Cases, so die Stimmen auf dem Kongress. „Künstliche Intelligenz ist eine Querschnittstechnologie, es geht um digitale Prozesse. KI kann man nutzen, um diese Prozesse zu optimieren. Ich sehe in Wirtschaft und Gesellschaft Unmengen von möglichen Anwendungsfällen. Wichtig ist, dass Unternehmen sich des Themas jetzt annehmen, eigene Kompetenzen aufbauen und dauerhaft daran arbeiten", betonte Dr. Bernd Bienzeisler, Leiter des Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.

Wo und wie KI Mehrwert stiftet

Spannende Use Cases wurden denn auch zahlreich vorgestellt: Ein Lufthansa-Manager erzählte, wie sich Künstliche Intelligenz für die Auswertung von Kunden-Feedback nutzen lässt. Ein Vertreter der Deutschen Börse beschrieb, wie die Technik bei der Bekämpfung von Geldwäsche hilft. Ein Google Clouds-Programmierer erläuterte, mit welchen Algorithmen der Internetkonzern seinen Ausstoß an Treibhausgasen senkt. Von der Deutschen Bahn kam Input zur Rolle der KI bei der Mobilitätswende und wie sie dem Schienenverkehr nutzen kann. Ein Gründer des Weiterstädter Drohnen-Startups Wingcopter, das gerade international mächtig abhebt, beschwor die Power der KI in der Avionik.

Dr. Jochen Papenbrock vom IT-Unternehmen NVIDIA gab einen ausführlicheren Einblick in „AI Computing for sustainable finance" – gerade für den Bankenstandort Frankfurt besonders interessant. „Die Finanzindustrie spielt bei der KI eine Schlüsselrolle. Banken werden Kredite künftig an Unternehmen mit gutem ESG-Score, also Nachhaltigkeitsrating, geben. KI-Modelle liefern diese Informationen." So könnten zum Beispiel alle zugänglichen Textdokumente eines Unternehmens ausgewertet und auf Greenwashing untersucht werden und Geo- und Satellitendaten lieferten „Climate Intelligence".

Braucht FrankfurtRheinMain ein eigenes KI-Zentrum, damit diese Zukunftstechnologie ihr Potenzial als Wirtschaftsmotor für die Region entfalten kann ? „Ja", lautete die Antwort der Kongress-Macher und Teilnehmer. Als Vorbild dient etwa die KI-Garage aus Baden-Württemberg, aber auch das TechQuartier oder das House of Logistics & Mobility (HOLM) weisen den Weg, wie sich Standortfaktoren clustern und stärken lassen. Interdisziplinär, heterogen und divers soll es dort zugehen. Das wünscht sich auch Stefan Jäger, Vorstand des 80 Mitglieder umfassenden Netzwerkvereins AI Frankfurt Rhein-Main und hauptamtlich Referent im Büro des Oberbürgermeisters.

„U": Neue Startup-Event-Serie für FrankfurtRheinMain

Auf U AI sollen viele weitere Events folgen. Die Startup-Plattform STATION, seit mehreren Jahren ein wichtiges Förderprojekt der Wirtschaftsinitiative, schickt hier eine neue Format-Serie ins Rennen. Das titelgebende „U" steht unter anderem für die „Uniqueness" – sprich Einzigartigkeit – des Startup-Ökosystems FrankfurtRheinMain. Mitglieder der Wirtschaftsinitiative konnten an der U AI-Veranstaltung kostenfrei teilnehmen.

Mehr unter:
www.pretix.eu/STATION/UAI/page/info/
www.pretix.eu/STATION/UAI/page/agenda/

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