Neumitglied Seibert Media: Welcome-Interview mit Paul Herwarth von Bittenfeld

Mitglieder im Fokus

  • 28.06.2022

„Die Wirtschaft kann gemeinschaftlich dazu beitragen, dass die Metropolregion als Ganzes gedacht wird“

Wie lässt sich eine Arbeitswelt gestalten, in der echte Zusammenarbeit stattfindet? Diese Frage steht für Seibert Media im Mittelpunkt. Antworten liefert das Wirtschaftsinitiative-Neumitglied durch passende kollaborative Softwarelösungen – über 75 Prozent der DAX-Konzerne vertrauen auf das Know-how aus Wiesbaden. Paul Herwarth von Bittenfeld ist Partner bei Seibert Media und ein langjähriger Kenner und Treiber der regionalen Startup- und Innovationsszene. Im Interview beschreibt er den Weg, den das Softwarehaus in den letzten 26 Jahren zurückgelegt hat, nimmt das Thema Agilität und Selbstorganisation in den Fokus und wirft einen sehr klaren Blick auf die Stärken und Nachholbedarfe der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Welcome!

Was sollte man über Seibert Media wissen?

1996 als Agentur gestartet, hat sich unser Unternehmen über die Jahre stark transformiert. Mittlerweile sind wir am besten als mittelständisches Softwarehaus mit über 250 Mitarbeitenden zu verstehen, das sich auf die Entwicklung, den Vertrieb und die Einführung von Softwaresystemen für die verbesserte Zusammenarbeit in Teams und Unternehmen fokussiert. Dabei setzen wir insbesondere auf die Technologiepartner Atlassian und Google.

Die Refokussierung auf die Zusammenarbeit in Organisationen erfolgte nach unserer eigenen agilen Transformation vor über zehn Jahren. Bei der erneuten Beantwortung unseres „Why?" stach heraus, dass uns eine zielorientierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe besonders wichtig ist. Dabei möchten wir Unternehmen softwaregestützt helfen.

Als Unternehmen zeichnet uns insbesondere der Grad an Selbstorganisation aus. Wir dezentralisieren seit mehr als zehn Jahren Entscheidungsfindungen sehr stark in die Teams, die selbst nah am Markt sind. Über unsere „AgileOrg" – kurz für agile Organisation – können alle Mitarbeitenden sich einbringen, das Unternehmen nachhaltig zu verändern. Hieraus sind in den letzten Jahren wesentliche Initiativen entstanden, die uns innovativer, nachhaltiger und fairer machen.

Welche Zukunftsthemen bewegen Ihr Geschäftsfeld aktuell am meisten?

In der IT-Industrie findet eine massive Verschiebung in Richtung der Cloud statt. Für uns bedeutet das ganz konkret, dass wir sehr viele Kunden dabei unterstützen, zum Beispiel von einem durch das Unternehmen betriebenen Microsoft-Exchange-Server auf Google Workspace oder von lokal betriebenen Atlassian Jira- und Confluence-Instanzen auf das Software-as-a-Service-Angebot (SaaS) von Atlassian zu migrieren. Mit der veränderten Bezugsform dieser Softwareprodukte ändert sich auch unser eigenes Serviceangebot. Diese Transition wird noch ein paar Jahre andauern und wir müssen duale Strukturen vorhalten.

Ein weiterer für uns sehr relevanter Trend: Agilität ist in den Mainstream übergegangen und auch sehr große Organisationen steigen auf agile Vorgehensweisen und Frameworks – wie das Scaled Agile Framework – um. Hierbei helfen wir ganzheitlich sowohl mit Methodik als auch den begleitenden Softwaresystemen.

Darüber hinaus sind für uns Innovation und Nachhaltigkeit sehr wichtig, so dass wir gerade im letzten Jahr zu beiden Themenfeldern eigene Teams aufgesetzt haben, die uns sowohl inhouse als auch im Dialog mit unseren Kunden unterstützen.

Welche Rolle spielt die Metropolregion FrankfurtRheinMain für Ihr Unternehmen – und für Sie persönlich?

Sowohl für mich als auch alle weiteren Gesellschafter ist FrankfurtRheinMain Heimat. Wir betreiben ein sehr internationales Geschäft, haben aber unsere schulische sowie universitäre Ausbildung größtenteils hier in der Region verbracht. Die breite Bildungslandschaft vor Ort bietet natürlich auch eine gute Basis, Talente für unser Unternehmen zu gewinnen.

Selbst in Zeiten von Remote Work, wo wir zunehmend Mitarbeitende auch ortsunabhängig einstellen, bleibt unser gemeinsames Headquarter für uns ein wichtiger Ankerpunkt. Hier haben wir gerade erst zusätzliche 1.800 Quadratmeter Bürofläche angemietet.

Welche Stärken sehen Sie in unserer Region, wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Die zentrale Lage im Herzen Europas gepaart mit guter Infrastruktur hilft uns sehr, nah an unseren Kunden und Partnern zu sein. Veranstaltungen, Messen und Kongresse tragen zusätzlich dazu bei, ohne großen Aufwand mit relevanten Partnern ins Gespräch zu kommen.

Genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Hochschulen. Sie sind für uns ein ganz wesentlicher Standortfaktor. Wir kooperieren hier sehr eng mit den Hochschulen in Wiesbaden und Mainz – für uns im Recruiting der zentrale Zugang zum lokalen Talent Pool.

Kritisch anzumerken bleibt die Verkehrsinfrastruktur. In den letzten Jahren ist gerade Wiesbaden durch die Bauarbeiten an der Schiersteiner Brücke sowie der Salzbachtalbrücke stark betroffen gewesen. Auch ein weiterer Ausbau von Radschnellwegen würde unseren Mitarbeitenden aus dem Umland von Wiesbaden sehr entgegen kommen.

Weiterhin ist die Bereitstellung von Kreativflächen für Startups und Innovatoren sehr verbesserungswürdig. In einigen Städten der Region gibt es erste Ansätze, aber immer wieder ist zu beobachten, dass diese Flächen sehr schnell ausgebucht sind und wir noch in zu kleinen Dimensionen denken. Hier wäre es wünschenswert, dass wir uns an den großen Innovations-Hubs in Europa messen und ausrichten, um international konkurrenzfähig zu sein.

Was erwarten Sie als neues Mitglied von einem regionalen Unternehmernetzwerk wie der Wirtschaftsinitiative?

Ich freue mich auf das Kennenlernen der anderen Mitglieder. Dazu erwarte ich mir einen inhaltlichen Austausch zu den Themen „am Puls der Zeit" und darüber hinaus, so dass gemeinsame Zukunftsperspektiven und Kooperationen entstehen können.

FrankfurtRheinMain besteht aus vielen Städten, Kommunen, Kreisen und erstreckt sich über mehrere Bundesländer. Die Wirtschaft kann gemeinschaftlich dazu beitragen, dass die Metropolregion als Ganzes gedacht wird und vorankommt.

Zur Person:
Paul Herwarth von Bittenfeld ist bereits seit 2003 Teil von Seibert Media. Zunächst betreute er den Aufbau mehrerer Tochtergesellschaften und übernahm nach Abschluss seines Studiums der Volkswirtschaftslehre deren Geschäftsführung. Nach seinen Erfahrungen als Product Owner im Scrum-Pilotprojekt von Seibert Media begleitete er die Einführung agiler Vorgehensweisen im Unternehmen über vier Jahren als Scrum Master und Agile Coach. Anschließend widmete er sich dem Aufbau der Social Intranet-Lösung LINCHPIN und der Implementierung in zahlreichen großen Organisationen in Deutschland und weltweit. Seit dem Jahr 2018 baut er das Google-Geschäft von Seibert Media auf.

Seine Leidenschaft gilt innovativen Technologien, Geschäftsmodellen und Arbeitsweisen. Er ist Initiator der Konferenz Tools4AgileTeams (mit bis zu 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern), Co-Founder des Startup Ecosystem Builders STATION und Lehrbeauftragter für die Themenfelder Geschäftsmodellentwicklung und Innovationsmanagement an der Hochschule RheinMain, der Hochschule Fresenius und der Hochschule Mainz.

Mehr unter:
www.seibert-media.net

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