Mitglied von Rundstedt: Fünf Fragen an Thomas Bentler

Mitglieder im Fokus

  • 15.12.2021

„Den Muskel der Flexibilität kann und muss man trainieren“

Seit 2019 gehört von Rundstedt bereits zum „Team Wirtschaftsinitiative“. Als Managing Consultant der Frankfurter Niederlassung ist Thomas Bentler nun das neue Gesicht der Experten für Outplacement, Karriereberatung und Workforce Transformation in unserem Netzwerk. Im aktuellen Mitglieder-Interview stellt er sich vor und erklärt nicht nur, wie virtuelles Outplacement geht, sondern auch, was er mit FrankfurtRheinMain verbindet und in der Wirtschaftsinitiative vorhat.

Herr Bentler, herzlich willkommen in der Wirtschaftsinitiative! FrankfurtRheinMain – was bedeutet das für Sie ganz persönlich?

Für mich steht die Region wie keine andere in Deutschland für Dynamik, Unternehmertum und Unternehmergeist, verbunden mit einem sehr vielfältigen Angebot an Arbeitsplätzen. Als ich in den 2000er Jahren aus dem Ausland zurückgekehrt bin, habe ich mich bewusst dafür entschieden, FrankfurtRheinMain zu meiner Heimat zu machen. Die hohe Lebensqualität, die Internationalität, die aufgeschlossene Art der Menschen waren gute Gründe dafür. Es ist einfach sehr attraktiv, hier zu leben – inzwischen wohne ich übrigens in Wiesbaden. Frankfurt gehört aus meiner Sicht zu den unterschätztesten Städten und ist auch auf den zweiten und dritten Blick noch interessant.

Besonders fasziniert mich immer wieder, welche großartigen Unternehmen hier auf engem Raum prosperieren und welche tollen Möglichkeiten sich dadurch für die berufliche Entfaltung bieten. Was dazu ganz sicher beiträgt: Die Region ist ein zentraler Verkehrsknoten der realen wie digitalen Welt, nationale und internationale Player und Institutionen in der Finanzwelt sind hier verankert, ebenso gibt es starke Branchenführer in Pharma, Chemie, Messewesen, Logistik und Transport, Maschinenbau und Automotive. Weiterhin verfügt Frankfurt über einen sehr starken und ausdifferenzierten Dienstleistungssektor.

Sie sind nicht nur neu im Kreis der Wirtschaftsinitiative, sondern auch erst zu Beginn des Jahres bei von Rundstedt gestartet. Was macht das Unternehmen besonders und welche Rolle spielt der Standort FrankfurtRheinMain für von Rundstedt?

Seit über 15 Jahren bin ich nun in leitender Funktion in der Personalbranche aktiv. Ich habe vor vielen Jahren selbst wegen einer Restrukturierung meinen Arbeitsplatz verloren und einen Outplacement-Berater zur Seite gestellt bekommen, was mir sehr geholfen hat, meine nächsten beruflichen Schritte zu gehen. In einer späteren Konstellation war ich selbst Teil eines Teams, das die Zielorganisation plante, die in einem darauffolgenden Rightsizing dann umgesetzt wurde.

An von Rundstedt fasziniert mich, neben dem Aufgabengebiet an sich, insbesondere die Vision des Unternehmens: „Alle Menschen erleben berufliche Veränderung als Chance." Und natürlich die auf Business-Agilität und New Work aufbauende moderne Arbeitsweise, kombiniert mit dem Anspruch, stets Innovations- und Qualitätsführer in einer Branche zu sein, die man vor 35 Jahren in Deutschland mitbegründet hat. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren.

Unsere Zentrale befindet sich ja in Düsseldorf. Der Standort Frankfurt mit 45 internen wie externen Mitarbeitern ist einer der innovativsten und umsatzstärksten in Deutschland. Hier fragen unsere Kunden stets das volle Spektrum unseres Portfolios nach. Das können diverse Outplacement-Programme für die unterschiedlichsten Zielgruppen und Einzelfälle sein, aber auch insbesondere unsere Beratung im Vorfeld und die Umsetzung von groß angelegten Personalumbau- wie Personalabbauprojekten im Rahmen von Freiwilligenprogrammen und Transfermaßnahmen.

Welche Auswirkungen hat die anhaltende Pandemie auf die Arbeit und das Angebot von von Rundstedt? Was wollen und brauchen Ihre Kunden im Moment am meisten?

Wir haben in den letzten Monaten insbesondere eine starke Nachfrage nach Outplacement bei Restrukturierungen verzeichnet. Diese höhere Nachfrage – auch im Rahmen von Transferagenturen und Transfergesellschaften – bezieht sich nicht nur auf Branchen, die von der Pandemie stark betroffen waren und sind. In noch größerem Maße kommen Unternehmen aus Branchen mit generellem Restrukturierungsbedarf auf uns zu – etwa Automotive, aber auch Banken und Versicherungen sowie der Maschinen- und Anlagebau.

Unsere Outplacement-Klienten benötigen in diesen Zeiten mehr denn je Orientierung und einen Sparringspartner für die Selbstreflexion. Als Co-Pilot unserer Klienten auf ihrem Weg zum neuen Job, zu einer erfüllenden Selbständigkeit oder dem nächsten logischen Schritt in ihrer Karriere sind wir diejenigen, die den Weg aus Erfahrung kennen und Hilfestellung und Unterstützung geben können, gerade wenn der Prozess nicht so geradlinig verläuft, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat .

Bei unseren Unternehmenskunden und Partnern auf Betriebsratsseite entwickelt sich die Nachfrage jetzt schon vermehrt hin zu unseren Beratungsleistungen für die post-pandemische Zeit. Wir unterstützen sie dabei, den zukünftigen Personalumbau effektiv zu planen und zu gestalten. Dazu setzen wir unter anderem Daten-Analysetools des Workforce Plannings ein. Sie helfen, skill-basiert den Transformationsbedarf zu berechnen, der sich zwischen der aktuellen Workforce und der zukünftigen ergibt. Hier fließen unternehmenseigene wie externe Daten und Heuristiken ein, die demografische Entwicklungen oder auch die heutige und prognostizierte Balance aus Angebot und Nachfrage nach bestimmten Skills und Skill-Familien beinhalten. Dadurch können Ableitungen über interne Qualifizierungsbedarfe und -möglichkeiten getroffen werden. Wenn diese im Rahmen eines Re-Deployments gut umgesetzt und mit den richtigen Maßnahmen flankiert werden, führt das regelmäßig zu einem niedrigeren Abfluss von gut ausgebildeten Fachkräften, die man bei jedem Personalabbau klassischerweise sonst verlieren würde.

Spätestens seit Corona ist klar: Veränderungen werden stärker und mehr werden. Da wird Flexibilität auf Arbeitnehmerseite zur Schlüsselqualifikation. Diesen Muskel der Flexibilität kann und muss man trainieren.

Von Rundstedt hat auch ein „virtuelles Outplacement" im Angebot. Wie muss man sich das vorstellen? Und wie verändern sich aktuell die Anforderungen und Jobprofile?

Das Thema virtuelle Beratung bietet viele Ausgestaltungsmöglichkeiten – und das unabhängig von der aktuellen Pandemie. Wir haben bereits vor der Corona-Krise an virtuellen Formaten und Angeboten gearbeitet und sammeln seit mehreren Jahren Erfahrungen in diesem Bereich. Das hat uns im ersten Lockdown im vergangenen Jahr ermöglicht, schon nach wenigen Tagen eine vollständig virtuelle Beratung anzubieten. Diese basiert auf vier Säulen: individuelle virtuelle Beratung, virtuelle Workshops, die App „myTURN" sowie unser Online-Karriereportal.

Grundlegend neue Formen der Beratung sind dies nicht, ihre Bedeutung hat sich aber in der Pandemie erweitert. Digitale Technologien haben eine große Bedeutung für modernes Outplacement. Zum einen machen sie die Beratung flexibler, zum anderen eröffnen Instrumente wie ein digitales Matching von Stellenangeboten und Klientenprofilen eine ganz neue Beratungsqualität.

Die Transformation in den Unternehmen führt seit einigen Jahren dazu, dass sich in allen Branchen Anforderungen und Jobprofile verändern. Für unsere Studie zur Workforce Transformation haben wir im vergangenen Jahr einen Blick in über 540 Unternehmen geworfen und deren Personalverantwortliche nach den aktuellen und zukünftigen Entwicklungen befragt. Bereits in den vergangenen drei Jahren haben sich in jedem dritten Unternehmen 25 Prozent aller Anforderungsprofile verändert. Bei 15 Prozent der Unternehmen waren sogar 40 Prozent der Profile von den Veränderungen betroffen. Mit Blick in die Zukunft erwarten mehr als die Hälfte aller Unternehmen, dass sich die Profile in den kommenden drei Jahren erneut in einem vergleichbaren Umfang ändern. Die noch gravierendere Einsicht lautet: Die bisherigen Anstrengungen, Strategien und Maßnahmen zur Bewältigung dieses Wandels reichen nicht aus.

In diesem Zusammenhang konnten wir in der Studie unter anderem vier Hebel identifizieren, mit denen Unternehmen dem dringenden Handlungsbedarf begegnen können: ein neues Mindset etablieren und die Chancen in den Mittelpunkt rücken, ein strategisches Kompetenzmanagement mit Software-Tools aufsetzen, innovativen Qualifizierungskonzepte suchen und neue Perspektiven schaffen, damit Transformationen keine Verlierer produzieren.

Was möchten Sie in der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain erreichen?

Wie kann man die vielfach durch Mega-Trends – Beispiel Digitalisierung – getriebenen Veränderungen und Auswirkungen auf die zukünftig benötigen Skills der Workforce noch planerischer gestalten? Und wie mit noch größerer Voraussicht das Thema Reorganisation und Personalumbau angehen? In der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain möchte ich mich dafür engagieren, dass gerade in einer Zeit voller äußerer Umbrüche ein noch intensiverer Austausch zwischen den regionalen Unternehmen und Institutionen zu diesen Fragen stattfinden kann. Am Ende müssen Unternehmen wie Arbeitnehmer ihren Platz in der Region finden. Wir teilen hier gerne unseren Weitwinkelblick und weisen auf Möglichkeiten hin, die den Unternehmen meist kaum bekannt sind. Im Rahmen dieses Netzwerks bieten sich sehr gute Gelegenheiten, hier in den Dialog zu gehen.

Zur Person:
Thomas Bentler, Managing Consultant, von Rundstedt und Partner GmbH. Dipl. Kaufmann (FH), Karriereberater und Experte für Workforce Transformation, 54 Jahre, Wohnort Wiesbaden, verheiratet. Seit März 2021 Leitung Vertrieb & Operations bei von Rundstedt am Standort Frankfurt. Insgesamt 15 Jahre Erfahrung in der Platzierung von Fach- und Führungskräften aller Branchen. Technologieaffin und stets interessiert, Menschen kennen zu lernen, die ihre persönliche und berufliche Entwicklung vorantreiben möchten. Unter anderem Ausbildungen zum Personal Coach und in agiler Organisationsentwicklung. Seit 2004 Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung von Rightsizing-Maßnahmen. Seit 2008 Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung von Out- und Newplacement-Programmen internationaler Konzerne.

Mehr unter:
www.rundstedt.de

Fotos © von Rundstedt

Das könnte Sie auch interessieren: