Mitglied FOX DEPARTMENT: Fünf Fragen an Geschäftsführer Felix Rademacher-Aab

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  • 20.01.2021

Wo steht der Arbeitsmarkt in FrankfurtRheinMain?

Shutdown, Lockdown, Home-Office: Die Corona-Pandemie trifft viele Teile der Wirtschaft – überall in Deutschland. Was dieser Einschnitt für den Arbeitsmarkt und Fachkräftebedarf in FrankfurtRheinMain bedeutet, wie Recruiting im Moment funktioniert und welchen politischen Nachholbedarf er sieht, beschreibt Felix Rademacher-Aab, Geschäftsführer unseres Mitglieds FOX DEPARTMENT, aus der Perspektive des Personaldienstleisters. Sein Ausblick: Neue Arbeitsmodelle bieten neue Chancen.

Herr Rademacher-Aab, wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung des Arbeitsmarktes in FrankfurtRheinMain?

Die Krise hat das Rhein-Main-Gebiet und vor allem auch den Frankfurter Raum hart getroffen. Bis zu 50 Prozent mehr Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr. Die Region ist weitgehend von Dienstleistungsunternehmen geprägt. Besonders betroffene Branchen wie Logistik, Hotelgewerbe, Messebau und Gastronomie sind hier vermehrt ansässig. Kurzarbeitergeld und die verschiedenen Förderprogramme des Landes haben tiefgreifende strukturelle Veränderungen erst einmal verzögert und helfen im Kampf um die Existenz. Letztendlich heißt es, genau wie im Gesundheitswesen, Zeit zu gewinnen. Wir erwarten aber, dass nach massiven Umsatzeinbrüchen in diesen Bereichen leider auch vermehrt Personalabbau und Insolvenzen bevorstehen.

Stichwort Fachkräftemangel – vor Corona ein großes Thema für die Wirtschaft unserer Region. Wie wirkt sich die Pandemie hier aus?

Durch die Corona-Krise ist der Fachkräftebedarf temporär gesunken. Wir beobachten, dass Unternehmen die Besetzung von Stellen erst einmal aufschieben. Die Industrie- und Handelskammern gehen derzeit davon aus, dass sich diese Entwicklung nach Erholung der Wirtschaft schnell wieder umkehrt. Das bedeutet, dass die Krise langfristig gesehen keinen Effekt auf den Fachkräftemangel haben wird. Die Situation wird sich eher aufgrund anderer Faktoren zuspitzen: Zum Beispiel aufgrund der Demografie unserer Bevölkerung. Es werden in den kommenden Jahren immer mehr Arbeitskräfte in den Ruhestand gehen. Die Digitalisierung in nahezu allen Bereichen, aber auch ein möglicher wirtschaftlicher Aufschwung werden die Lage zusätzlich verschärfen.

In jeder Krise liegen auch Chancen, heißt es ja oft. Sehen Sie in diesem Fall welche?

Sicherlich bergen die Pandemie und der damit verbundene Schock auch Chancen. Ich denke hier daran, dass, wie in vielen Bereichen, die Defizite und der damit verbundene Handlungsbedarf eklatant sichtbar werden. Wir benötigen hochqualifizierte Fachkräfte, um als Wirtschaftsstandort wieder wettbewerbsfähig zu werden. Da ist natürlich in erster Linie die Politik gefordert. Es sind insbesondere bildungs- und einwanderungspolitische Maßnahmen gefragt. Wir müssen dafür sorgen, dass Barrieren für die Einstellung von Nicht-EU-Bürgern abgebaut werden. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass die hochqualifizierten Fachkräfte abwandern. Stichwort Scheinselbstständigkeit. Da wir sehr viel mit Selbständigen arbeiten, wissen wir: Die rechtlichen Hindernisse in der Beauftragung hochqualifizierter Soloselbstständiger führen dazu, dass Know-how ins Ausland abwandert. Viele unserer IT-Experten sind mittlerweile nicht mehr in Deutschland, sondern über unsere Geschäftsstellen in Luxemburg, Tschechien oder England im Projektgeschäft tätig. Sie schätzen unser internationales Netzwerk. Andersherum würden unsere Kunden in Deutschland gerne mehr davon profitieren, dass wir den Zugang zu hochqualifizierten Ressourcen anderer Standorte ermöglichen können. Die Beauftragung dieser Fachkräfte scheitert jedoch oftmals aufgrund rechtlicher Hindernisse. Das muss sich ändern.

FOX DEPARTMENT ist ein Personaldienstleister mit dem Anspruch, „die Besten für die Besten zu finden". Wie gelingt Ihnen das in Zeiten der Corona-Krise?

Personalberatung im Allgemeinen, aber insbesondere unsere Arbeitsweise ist stark ausgerichtet an persönlichen Kontakten. Interviews, Assessments oder Kick-off-Meetings bei Kunden führen wir in der Regel face-to-face durch, um alle Informationen und Eindrücke bestmöglich „auffangen" zu können. Hier mussten wir natürlich stark auf virtuelle Kanäle umschalten und bieten Kandidaten und Kunden Kommunikation unter Zuhilfenahme digitaler Tools an.

Hinzu kommt, dass durch die Krise die Unsicherheit zugenommen und die Wechselwilligkeit potenzieller Kandidaten enorm abgenommen hat. Wer sich in sicherer Anstellung wähnt, wechselt zurzeit nicht in ein befristetes Arbeitsverhältnis mit Probezeit. Aktive Bewerbungen gehen zurück. Wir haben im Recruiting insgesamt einen höheren kommunikativen Aufwand. Es ist mehr Überzeugungsarbeit zu leisten und es wird immer wichtiger, das Unternehmen unseres Auftraggebers attraktiv zu bewerben. Hier sehen wir gleichzeitig eine Chance für Unternehmen: Unsere Mitarbeiter sind geschult darin, Kandidaten in systematischen Gesprächen mit Empathie und Scharfsinn für sich zu gewinnen. Es ist im Moment absolut notwendig, der Skepsis potenzieller Kandidaten mit den richtigen Argumenten, Informationen und Strategien zu begegnen. Das ist eine unserer Kernkompetenzen. Auf diese Expertise sind Unternehmen gerade in Krisenzeiten zunehmend angewiesen, um überhaupt Zugang zu interessanten Kandidaten zu bekommen.

2020 war ein hartes Jahr. Wie 2021 wird, hängt auch stark davon ab, wann ein Impfstoff in der Breite seine Wirkung entfalten kann. Wie sieht Ihr Nachkrisenszenario für unsere Region aus?

Wir gehen davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt sukzessive erholt. Die Frage ist nun, wie schnell das vonstattengeht. Ich glaube, dass wir Ende dieses Jahres bessere Zahlen haben werden, aber das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht sein wird. Pauschal lässt sich das ohnehin nicht sagen. In einigen Bereichen wird weiterhin ein erhöhter Bedarf sein. Stichwort Digitalisierung. Durch die Verlegung von Personal ins Home-Office wurden Probleme in der IT vieler Unternehmen deutlich. Das gehen Unternehmen jetzt an. In anderen Bereichen wie Marketing oder HR wird sich die Nachfrage nach Personal wieder erholen. Ein positiver Effekt wird sicher sein, dass die Flexibilität der Arbeit zunimmt – gerade was den Standort des Arbeitenden angeht. Der Wohnort wird zunehmend irrelevant. Somit fällt eine entscheidende Barriere und Personal wird für Unternehmen zugänglicher. Das macht auch unsere Arbeit interessanter, da es plötzlich keine Rolle mehr spielt, ob der potenzielle Kandidat von Hamburg oder Mallorca aus für das Unternehmen in München arbeitet. Eine Erkenntnis der Krise ist also, dass neue Arbeitsmodelle in Betracht zu ziehen sind. Diese erhöhen die Chance, Stellen schneller erfolgreich zu besetzten. Darüber hinaus hoffen wir, dass die besagten rechtlichen Barrieren abgebaut werden, die den Einsatz hochqualifizierter Fachkräfte und Freiberufler generell vereinfachen. Hier wünschen wir uns schnelles, aber bedachtes Handeln der Politik.

Vielen Dank!

Zur Person
Felix Rademacher-Aab stammt aus dem Vordertaunus. Er absolvierte ein geisteswissenschaftliches Studium in Nordrhein-Westfalen und den Master-Studiengang Human Resource Management in Frankfurt. Seit 2011 als Personalberater in den verschiedenen Gesellschaften der FOX-Gruppe tätig. Seit 2017 in der Geschäftsführung von FOX DEPARTMENT. Begleitung der internationalen Ausrichtung und der Erweiterung des Dienstleistungsportfolios im Bereich IT- und Business Outsourcing.

Zum Unternehmen
FOX DEPARTMENT ist seit 1997 in allen Belangen der Personalberatung und -vermittlung tätig. Recruiting von hochqualifizierten Fachkräften ist das Kerngeschäft. Zusätzlich ist FOX DEPARTMENT als Outsourcing-Partner (IT und Business) und als Berater für den Einsatz externer Ressourcen tätig. Mit Hauptstandort in Frankfurt betreibt FOX DEPARTMENT Geschäftsstellen in London, Luxemburg und Prag.

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