BMW und die Wirtschaftsinitiative fragen: Wie sieht die Zukunft der Mobilität in FrankfurtRheinMain aus?

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  • 25.11.2021

Expertenrunde diskutiert im Frankfurt Mobilé

Vollelektrische Autos in der Innenstadt, E-Bikes auf Radschnellwegen, Umsteige-Hubs für Pendler aus dem Umland, Shared Mobility-Modelle und vielleicht sogar eine urbane Seilbahn? Wie die Menschen angesichts des Klimawandels künftig ihre Fortbewegung organisieren werden, ist eine der spannendsten und zugleich drängendsten Fragen, die es zu beantworten gilt. Was das für die Metropolregion FrankfurtRheinMain bedeutet und welche Chancen und Hürden es gibt, diskutierte eine fünfköpfige Expertenrunde auf Einladung des Mitglieds BMW Niederlassung Frankfurt und der Wirtschaftsinitiative. Klar ist schon jetzt: Es wird nicht „die eine" Lösung geben, sondern multimodal und flexibel zugehen müssen. Eine gewaltige Herausforderung.

„Wie lange haben Sie heute hierher gebraucht?" So lautete die Eingangsfrage von Moderator Daniel Fischer. Und schon war die Podiumsrunde mitten im Mobilitätsthema. Axel Juhre, Leiter der BMW Niederlassung Frankfurt sowie des BMW Verbunds Mitte, begrüßte die Mitdiskutanten und Gäste im Frankfurt Mobilé. Wer den Weg in die innovative Event-Location an der Hanauer Landstraße nicht auf sich nehmen konnte, schaltete sich per Livestream zu. Als Teil der BMW und MINI Nachhaltigkeitswochen hatte sich auch diese Veranstaltung das Ziel gesetzt, Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung im Diskurs zusammenzubringen.

Fünf wichtige Perspektiven auf die Verkehrswende

Thomas Horn, Verbandsdirektor im Regionalverband FrankfurtRheinMain und somit verantwortlich für die Flächennutzungs- und Landschaftsplanung, zu der auch eine regionale Mobilitätsstrategie gehört, brachte es direkt auf den Punkt: „Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn wir einen radikalen Schnitt machen. Wir können es uns nicht leisten, weiterhin 30 Jahre für den Bau von Schieneninfrastruktur zu brauchen. Das muss in 10 bis 15 Jahren klappen. Wir benötigen dafür Beschleunigungsgesetze", so seine Forderung in Richtung Politik. Darüber hinaus plädierte er dafür, Mut zu neuen Lösungen zu beweisen und sich nicht auf einseitige Benachteiligungen für bestimmte Gruppen zu verlegen – etwa den automobilen Individualverkehr. „Wir dürfen die Pendler nicht vergessen."

Dies konterte Prof. Dr.-Ing. Petra Schäfer bewusst provokativ: „Man muss Leute auch ein bisschen ärgern, damit sie umsteigen." Die Professorin für Verkehrsplanung an der Frankfurt University of Applied Sciences gab einen Überblick über den Stand der Wissenschaft – von E-Autos über fehlende Park-and-Ride-Kapazitäten bis zu Radschnellwegen und dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). „Der ÖPNV ist durch Corona signifikant zurückgegangen. Die Frage ist: Wie und wann kommt er zurück? Wir werden dann neue Tarifmodelle brauchen, zum Beispiel Flatrates. Wenn Menschen ihre Arbeitszeit individuell zwischen Homeoffice und Büro aufteilen, brauchen sie keine klassische Monatskarte mehr", beschrieb sie ein Feld, dem sich die Mobilitätsforschung widmet.

Axel Juhre bekannte indes, er sei kein Freund des Ärgerns, sondern von guter Planung, die zugegebenermaßen in FrankfurtRheinMain durch die zahlreichen Akteure Herausforderungen mit sich bringe. „Wir stehen für die Freude am Fahren, nicht für die Freude am Im-Stau-Stehen. BMW ist ein Mobilitätsanbieter." Daher könnten auch verkehrsfreie Innenstädte durchaus sinnvoll sein, wenn es gelinge, im Umland eine gute Hub-Struktur zum Umsteigen aufzubauen. Mit Blick auf die E-Mobilität, die derzeit im Zentrum aller Diskussionen zur Verkehrswende steht, hatte er interessante Fakten zu vermelden: „Bereits ein Drittel unserer verkauften Neufahrzeuge hat einen Stecker, davon sind die Hälfte Plug-in-Hybride, die andere Hälfte fährt vollelektrisch. Die Transformation ist gigantisch. Wir haben bereits die Produkte, jetzt braucht es noch die passende Ladeinfrastruktur, damit das Laden so schnell und unkompliziert wie Tanken funktioniert." So ließe sich ein E-Auto zum Beispiel während eines Einkaufs im Supermarkt auf 80 Prozent laden. Er warb zudem dafür, offen für andere Technologien zu sein und zu bleiben, etwa synthetische Kraftstoffe oder den Wasserstoff-Antrieb. „Emissionsfreies Fahren heißt nicht zwangsläufig E-Auto. Es darf keine ideologischen Barrieren geben."

Zum Thema Strom und Ladeinfrastruktur konnte Tobias Männel, Head of Sales Data-Driven and Urban Business bei Mainova, Auskunft geben. Der Stromversorger hat bisher 800 Ladepunkte in der Region errichtet – dies erfolgt auf Nachfrage, die Planungshoheit liegt bei den Kommunen. Nicht besonders viel, aber das soll sich in den kommenden Jahren ändern, wenn es nach Mainova geht. „Wir wachsen mit dem Markt und die Technik ändert sich schnell." Die Segel in Richtung E-Mobilität seien gesetzt. „Es gibt kein Zurück mehr, das Ende des Verbrenners ist besiegelt", ist er sich sicher. Bis 2027 will Mainova zudem eine Stromkapazität zubauen, die von der Größenordnung her Hannover mitversorgen könnte. Frankfurt benötigt als Internet-Hauptstadt mit ihren zahlreichen Rechenzentren ohnehin viel Strom. Ist der künftige Strombedarf ohne Atomkraft überhaupt abbildbar, wollte die Runde von Männel wissen? „Es ist möglich, wenn Lösungen für die Energiespeicherung gefunden werden – eines der großen offenen Themen", so seine Einschätzung. Verbandsdirektor Horn sah das dagegen eher skeptisch und vermutete, es müsse an einem gewissen Punkt Strom importiert werden. Zumal es nach wie vor große Probleme bereite, die Windkraft zu implementieren und Windvorranggebiete auszuwiesen.

Natürlich war auch das House of Logistics & Mobility (HOLM) mit von der Partie. Schließlich ist es die ureigenste Aufgabe des Branchenkompetenzzentrums, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in der Region zusammenzuführen. Juliane Gutgesell, im HOLM für Business Development, Innovation & Network Management zuständig, brach denn auch eine Lanze für vernetztes Denken bei allen Fragen rund um die Zukunft der Mobilität. „Wir sollten nicht mit Verboten arbeiten, sondern den Dialog suchen." Ein vielversprechendes und vieldiskutiertes Konzept sei die Einführung eines Mobilitätsbudgets, das individuell mit verschiedensten Transportmitteln genutzt werden könne. Das Schlusswort hatte Prof. Schäfer: „Es wird immer Autoverkehr geben und wir werden auch immer Autos brauchen. In 15 Jahren werden wir jedoch multimodal unterwegs sein . Es wird nicht mehr nur ein Fahrzeug für alles geben, sondern wir werden flexibler sein (müssen)."

Fotos © BMW Niederlassung Frankfurt

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