Neumitglied Warth & Klein Grant Thornton: Welcome-Interview mit Vorstandsmitglied Prof. Dr. Gernot Hebestreit

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  • 29.09.2020

„FrankfurtRheinMain ist auf dem richtigen Weg“

Warth & Klein Grant Thornton gehört zu den Top 10-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland und damit zu den „Next Six", dem Verfolgerfeld der „Big Four". Seit kurzem ist das Unternehmen aus Düsseldorf, mit Niederlassungen in Frankfurt und Wiesbaden, in der Wirtschaftsinitiative engagiert. Wo steht das Prüfungs- und Beratungsgeschäft und wo geht die Reise des Berufsstandes hin? Wie lässt sich Wachstum in Zeiten von Corona realisieren und welche Bedeutung hat der Standort FrankfurtRheinMain? Vorstandsmitglied Prof. Dr. Gernot Hebestreit gibt spannende Antworten. Herzlich willkommen im Kreis unseres Unternehmernetzwerks!

Herr Prof. Hebestreit, was sollte man über Ihr Unternehmen wissen? Und: Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Wir sind eine multidisziplinäre Prüfungs- und Beratungsgesellschaft. Dahinter verbirgt sich eine ganz klare Kernaussage: Wir stehen unverändert zur Prüfung von eigentümergeführten sowie kapitalmarktorientierten Unternehmen. In der heutigen Zeit ist hinter dem Geschäftsbereich „Prüfung" ja oft ein Fragezeichen gesetzt. Natürlich beobachten wir die aktuellen Entwicklungen sehr sorgfältig. Aber unser generelles Commitment zur Prüfung ist vorhanden, was schon eine gewisse Differenzierung im Markt bedeutet.

Derzeit rangieren wir in den Top 10 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland auf Platz zehn, sind also der Sechste unter den sogenannten Next Six. Wir verfolgen eine ambitionierte Wachstumsstrategie und halten auch in Corona-Zeiten daran fest, peilen aber keinen bestimmten Rang an. Die Zahlen sprechen hier für sich. Im letzten Jahr waren wir mit rund 30 Prozent die wachstumsstärkste Gesellschaft, worauf wir sehr stolz sind. Denn das heißt, dass wir unseren strategischen Anspruch mit Taten untermauern. Im letzten Geschäftsjahr haben wir 137 Millionen Euro als Gruppenumsatz publiziert, bis zum Jahr 2025 sollen es 250 Millionen Euro werden, die sich zu gleichen Teilen aus den Segmenten Audit & Assurance, Tax und Advisory zusammensetzen. Durch organisches wie anorganisches Wachstum. Wir sind ein Düsseldorfer Unternehmen und dort verankert, wollen aber an allen unseren Standorten perspektivisch mit mindestens 250 Mitarbeitern vertreten sein. Das gilt auch für FrankfurtRheinMain.

Wie lässt sich die DNA von Warth & Klein Grant Thornton beschreiben? Da greifen wir gerne auf das zurück, was bei unseren Mandanten ankommt. In regelmäßigen Befragungen beschreiben sie uns als pragmatisch und lösungsorientiert. We are easy to work with! Als Sparringspartner und kritischer Begleiter pflegen wir einen wertschätzenden Umgang mit unseren Mandanten.

Die Corona-Krise betrifft uns alle. Wie spüren Sie in Ihrem Haus und in Ihrer Branche die Auswirkungen?

Was unser „Innenleben" betrifft: Da steht natürlich das Thema Homeoffice ganz oben. Das digitale Arbeiten von zu Hause aus hat uns am Anfang vor gewisse Herausforderungen gestellt. Wir haben eine Speed-Digitalisierung hingelegt und die Situation insgesamt sehr gut gemeistert. Eine Change-Resistenz, wie sie viele Organisationen kennen, kam unter diesen speziellen Umständen nicht zum Tragen. Unser besonderes Augenmerk liegt selbstverständlich auf der digitalen Interaktion mit unseren Mandanten. Schließlich erbringen wir qualitativ hochwertige Dienstleistungen, bei denen der persönliche Mandantenkontakt bislang ein prägendes Merkmal war. Kurz gesagt: Wir alle lernen hier nach wie vor täglich dazu.

Und wie läuft unser Geschäft in Corona-Zeiten? Da muss man in der Tat ein bisschen zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen unterscheiden. Es gibt zum einen ein sehr stabiles Grundgeschäft. Dazu zählen das Prüfungsgeschäft, die klassische Steuerdeklarationsberatung, die Begleitung von Unternehmen in der Finanz- und Lohnbuchhaltung, die Erstellung von Abschlüssen. Dagegen hat das investive Geschäft im Bereich Advisory und Legal im zweiten Quartal 2020 natürlich zwangsläufig gelitten. Ein gewisser Optimismus ist inzwischen zurückgekehrt, es wird auch wieder investiert, natürlich von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Aber der Kostendruck ist nach wie vor deutlich spürbar. Das betrifft zum Beispiel unsere Rechtsberatung. Wir glauben, es wird keinen zweiten Shutdown geben, aber sicherlich regionale Einschränkungen. Die spannende Frage bleibt: Wie erholt sich die deutsche Wirtschaft? Was bedeutet das für uns auf der Auslastungsseite und auch mit Blick auf die Realisierung unserer Forderungen?

Wachstumsimpulse kommen derzeit aus Branchen, die man erwarten würde: Online-Handel, Digitalisierung und IT, Gesundheit und Pflege. Wir sehen auch weiterhin Potenzial im Bereich Financial Services. Vor allem geht es hier in Richtung elektronischer Zahlungsverkehr und digitale Finanzwelt. Vielleicht die größte Überraschung: Es wird im Immobiliengeschäft investiert – selektiv, aber es geht weiter. Das lässt sich auch in Frankfurt beobachten.

Was wollen und brauchen Ihre Mandanten im Moment am meisten? Wie verändert die Digitalisierung Ihr Geschäft?

In der Tat: Alles rund um die Digitalisierung ist besonders relevant für unsere Mandanten. Hier haben wir drei Stränge identifiziert: Zunächst einmal müssen wir selbst digital sein, um eine digitale Glaubwürdigkeit zu haben. Der zweite Punkt ist, dass wir unsere Mandanten dabei unterstützen, ihre digitale Kompetenz in ausgewählten Bereichen zu erhöhen. Das tun wir mit Prozessdigitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Big Data. Ein Beispiel: Wir sind in der Immobilienwirtschaft mit RPA-Lösungen – das steht für Robotic Process Automation – unterwegs, um die Grundsteuer zu berechnen. Der dritte Bereich: Digitalisierung hat auch viel mit Effizienz und Effektivität zu tun. Darüber hinaus beschäftigt unsere Mandanten der „Blick nach vorn". Wie kann gerade jetzt eine belastbare Planungsrechnung funktionieren? Und natürlich wird auch unser traditionelles Geschäft weiterhin nachgefragt. Wir sehen bei unseren Mandanten einen zunehmenden Bedarf, sich auf der Compliance-Seite abzusichern.

Was sind die wichtigsten Zukunftsthemen und relevantesten Trends für Warth & Klein Grant Thornton?

Über die zentrale Rolle der Digitalisierung haben wir gesprochen. Ein weiteres großes Zukunftsthema ist für uns der „War for Talents". Neben dem demografischen Wandel spielt derzeit noch ein anderer Aspekt hinein. Was wir im Augenblick im Markt sehen, schadet der Reputation der Branche, der Berufsstand des Wirtschaftsprüfers leidet. Stichwort Wirecard & Co. Die Teams, die im kapitalmarktorientierten Bereich unterwegs sind, stehen heute unter einem immensen Druck. Wenn bei Reviews und Kontrollen Fehler festgestellt werden, können diese zu gravierenden persönlichen Konsequenzen führen. Das Risiko muss man wollen und aushalten können. So ist es kein Zufall, dass manche Kolleginnen und Kollegen sich hier zurückziehen. Wir müssen also auf jeden Fall an der Attraktivität der Abschlussprüfertätigkeit arbeiten. Zumal sich derzeit auch die Frage stellt: Wie geht es mit der Prüfung insgesamt weiter? Findet hier gerade ein Paradigmenwechsel statt? Vieles deutet darauf hin, dass ESG-Themen – also Environment, Social, Governance – auch auf Investorenseite an Bedeutung gewinnen werden. Das heißt, wir müssen das Ergebnis der Prüfung stärker an diesem Bereich ausrichten. Hier ist also eine Menge im Fluss.

Warth & Klein Grant Thornton hat zehn Standorte in Deutschland, mit Frankfurt und Wiesbaden gleich zwei davon in der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Wie kommt's?

Wir haben Frankfurt schon immer als Region gesehen, in der wir vertreten sein wollen und müssen. Aber es braucht natürlich auch einen Zugang. Wir mussten zunächst die richtigen Personen für uns finden und eine gute Mandatsbasis in Frankfurt schaffen. Ende der 90er Jahre haben wir hier ein großes Industrieunternehmen betreut und uns darüber stärker vernetzt. Daraus hat sich eine starke Beziehung unseres Hauses mit dem Standort Frankfurt ergeben, die wir schließlich mit einer physischen Präsenz ab 2001 untermauert haben. Ich erinnere mich gerne an die ersten Jahre, in denen ich aktiv in den Auf- und Ausbau involviert war. Das zweite Standbein ist anders entstanden – durch den Erwerb einer Gesellschaft mit Sitz in Wiesbaden. Die Schwerpunkte der beiden Standorte sind sehr unterschiedlich, deshalb gab und gibt es keine Pläne, sie zusammenzuführen. In Frankfurt haben wir gerade erst investiert und werden weiter ausbauen. In Wiesbaden sind wir nicht direkt im Stadtzentrum, das hat auch noch Kostenvorteile. So sind wir zu den zwei Standorten gekommen – einmal organisch, einmal akquisitorisch.

Was schätzen Sie am Standort FrankfurtRheinMain?

Frankfurt ist für Deutschland das Gateway in die Welt und in Sachen Internationalität ganz klar in der Pole-Position. Welche Städte nennen Investoren als erstes? Frankfurt, München, Berlin. Und wenn es um den Finanzplatz geht, ist natürlich nur Frankfurt in den Köpfen. Was ich durch meine eigene universitäre Tätigkeit am Lehrstuhl in Münster zudem sehe: Die Hochschulen in Frankfurt haben in den letzten 10 bis 20 Jahren Hervorragendes geleistet. Die Goethe-Universität und die Frankfurt School of Finance & Management haben einen sehr guten Klang.

Was ist Ihre Motivation, sich für FrankfurtRheinMain und in der Wirtschaftsinitiative zu engagieren? Was erwarten Sie als neues Mitglied von einem regionalen Unternehmernetzwerk?

FrankfurtRheinMain zählt zu den Wirtschaftszentren, in denen wir unsere Präsenz weiter stärken wollen. Wir wollen am Standort aber nicht nur investieren, sondern auch mehr wahrgenommen werden und unsere Verankerung in der Region vertiefen. Über die Mitgliedschaft in der Wirtschaftsinitiative erhoffen wir uns hier einen Impuls. Die Wirtschafsinitiative hat zudem eine interessante Agenda. Wir sind bereit mitzugestalten. Ich glaube, dass wir das in der Wirtschaftsinitiative sehr gut tun können. Und natürlich interessiert uns der regionale Austausch zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen, sozialen Themen. Denn das sind Themen, die auch für unsere Mandanten sehr relevant sind.

Prognosen sind derzeit zugegebenermaßen schwierig. Wollen wir es dennoch versuchen? Wo wird die Metropolregion FrankfurtRheinMain in der Zukunft stehen – und wo Warth & Klein Grant Thornton?

Ich denke, FrankfurtRheinMain hat das Zeug dazu, „die" führende Metropolregion in Deutschland zu sein. Wirtschaftlich prosperierend, klimapolitisch im State of the Art, mit einer Top-Infrastruktur, weltoffen und international, als attraktiver Lebens- und Arbeitsraum. Diese Kernstärken sind ja heute schon angelegt. FrankfurtRheinMain ist auf dem richtigen Weg.

Wo sehen wir Warth & Klein Grant Thornton in 10 bis 20 Jahren? Natürlich in den Top 10 – und nach Möglichkeit weiter vorne. Noch wichtiger ist aber, glaube ich, dass wir weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber mit einem starken Employer Brand sind. Meine Vorstellung ist, dass wir in einer sich verändernden Welt ein respektierter, verlässlicher Partner für unsere Mandanten bleiben. Ein Partner, der für höchste Qualität, Leistungsbereitschaft und Leidenschaft in der Sache steht.

Vielen Dank.

Mehr unter:
www.wkgt.com

Zur Person:
Prof. Dr. Gernot Hebestreit ist seit dem 1. Oktober 2019 Mitglied des Vorstands von Warth & Klein Grant Thornton AG und verantwortet dort das Ressort „Clients & Markets". Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Prüfung und Beratung mittelständischer und kapitalmarktorientierter Unternehmen. Begonnen hat er seine Laufbahn als Mitarbeiter bei Warth & Klein, später in leitenden Funktionen. Von 2010 bis 2017 war er Mitglied im Global Leadership Team von Grant Thornton International in London. Prof. Hebestreit ist zudem Honorarprofessor am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Schwerpunkt: Internationale Unternehmensrechnung.

Foto © Warth & Klein Grant Thornton AG

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