Neumitglied Wolf Liegenschaften: Welcome-Interview mit Geschäftsführer Karl Wolf

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  • 23.06.2020

„Die Region wird sich deutlich verändern“

Entwickeln, bauen, vermieten, verwalten: Karl Wolf bietet mit seinem Hanauer Unternehmen seit vielen Jahren das volle Paket für Gewerbe- und Wohnimmobilien. Den Standort FrankfurtRheinMain kennt er wie seine Westentasche, den Immobilienmarkt der Region sieht er an einem kritischen Punkt. Wie der Inhaber und Geschäftsführer von Wolf Liegenschaften sich für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum einsetzt und was seine COVID-19-Erkrankung, von der er zum Glück wieder genesen ist, damit zu tun hat, schildert er eindrücklich im aktuellen Interview. Ein besonders herzliches Willkommen in der Wirtschaftsinitiative!

Herr Wolf, was sollte man über Ihr Unternehmen wissen?

Wolf Liegenschaften ist ein Immobilienbestandshalter und privater Vermögensverwalter mit Sitz in Hanau. Wir entwickeln und bauen Gewerbe- und Wohnimmobilien für den Eigenbestand, vermieten die Objekte und bieten über Dienstleister zum Beispiel auch Hausmeisterservices oder Mietverwaltung an. Das machen wir seit nunmehr 38 Jahren mit aktuell zehn Mitarbeitern. Unsere regionalen Schwerpunkte liegen im Rhein-Main-Gebiet sowie in Berlin.

Unsere Mieter schätzen uns als zuverlässigen Vermieter, der seit eh und je eine solide Betreuung gewährleistet. Dadurch haben wir viele langfristige Mietverhältnisse und ein entsprechendes Vertrauensverhältnis zu unseren Mietern.

Stichwort Corona-Krise: Wie macht sie sich in Ihrem Geschäft bemerkbar?

Aktuell spüren wir kaum Auswirkungen. Durch einen guten Mietermix in unserem Objektbestand sind weder Mietkürzungen noch Mietausfälle zu verzeichnen. Auch in den nächsten Monaten rechnen wir nicht mit Problemen. Bei Handwerkeraufträgen müssen wir allerdings derzeit längere Wartezeiten bis zur Angebotsabgabe und Ausführung der Leistungen in Kauf nehmen.

Wie blicken Sie auf den Immobilienstandort und Immobilienmarkt FrankfurtRheinMain?

Der Immobilienstandort FrankfurtRheinMain ist natürlich ausgesprochen attraktiv. Aber: Die Preisentwicklung der letzten Jahre hat inzwischen einen kritischen Punkt erreicht. Ich sehe das wie viele Experten: Hier hat sich inzwischen eine Blase entwickelt – und das kann für den Immobilienmarkt zu einem Problem werden. Die Corona-Krise wird nachhaltige Auswirkungen auf den Immobilienstandort haben. Sie könnte zu einer Verlangsamung, eventuell sogar zu einen Stopp des Preisanstiegs führen und dem Markt – insbesondere den privaten Immobilienkäufern – die Chance eröffnen, doch noch einigermaßen bezahlbaren Wohnraum zu erwerben. Eine Erholung vom Druck würde der Region guttun.

Wie profitiert Ihr Unternehmen von einer starken Metropolregion?

Ich bin sehr froh, in FrankfurtRheinMain zu leben und hier ein Unternehmen zu führen. Natürlich ist eine schlagkräftige Metropolregion gerade für uns als Bestandshalter und Vermögenverwaltung von großer Bedeutung. Durch die Stärke der Region wurden und werden leistungsstarke Unternehmen angezogen, die Gewerbeimmobilien mieten. In der Folge zieht das wiederum Menschen in die Region, die in diesen Unternehmen arbeiten und Wohnraum suchen. Beides zu schaffen, das ist unser Geschäft. Wir sind überzeugt: Frankfurt gehört wie Berlin zu den Zukunftsstandorten in Deutschland. Es ist also kein Zufall, dass wir genau hier aktiv sind.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Chancen und Herausforderungen für unsere Region?

Die Region darf sich in der Tat nicht überhitzen lassen, das ist eine der größten Herausforderungen. Wohnraum muss bezahlbar bleiben, es an manchen Orten wieder werden. Wir alle – das beinhaltet Unternehmen sowie Städte und Gemeinden – haben die große Chance, hier durch eine intensive Zusammenarbeit die Zukunft positiv zu gestalten und die Region noch attraktiver zu machen, als sie heute schon ist. Als Top-Standort hat FrankfurtRheinMain das Potenzial, noch besser zu werden. Bei Wolf Liegenschaften haben wir uns auf die Fahne geschrieben, den Bau bezahlbarer Wohnungen in der Region voranzubringen.

Was tun Sie hier konkret?

Wir haben gemeinsam mit Architekten ein Konzept entwickelt, um für 2.000 Euro pro Quadratmeter schlüsselfertig bauen zu können. Ein Baukastensystem macht es möglich. Jetzt müssen die Städte mitspielen und bereit sein, Grundstücke in Erbpacht günstig abzugeben. Ich bin stolz darauf, dass wir das umsetzen können.

Eine zweite Aktivität hat direkt mit Corona zu tun. Ich spreche hier ja leider aus eigener Erfahrung. Im März bin ich schwer an COVID-19 erkrankt und wurde im Ketteler Krankenhaus in Offenbach behandelt. Doch auch im Krankenbett hat mich meine Immobilienleidenschaft nicht losgelassen. Ich habe über die schwierige Parksituation am Ketteler Krankenhaus nachgedacht und zudem erfahren, dass es zu wenige bezahlbare Wohnungen für Pflegekräfte gibt. Daher habe ich beschlossen, nach meiner Genesung den Bau eines Parkhauses samt „Schwesternwohnungen" umzusetzen. Das verfolge ich jetzt mit Nachdruck, auch wenn es da durchaus einige Hürden zu nehmen gibt.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für die Metropolregion FrankfurtRheinMain und in der Wirtschaftsinitiative zu engagieren?

Ich versuche, einen Teil meiner langjährigen Erfahrungen im Immobilienbereich an Jüngere weiterzugeben. Das ist mir wichtig. Und ich wünsche mir, im Netzwerk der Wirtschaftsinitiative weitere gute und langfristige Kontakte knüpfen zu können.

Wenn Sie nach vorne schauen: Wo wird die Metropolregion FrankfurtRheinMain in – sagen wir – 20 Jahren stehen?

Die Region wird sich sicher deutlich verändern. Das zeigt schon die Entwicklung der letzten Jahre. Frankfurt wird weiter versuchen zu wachsen, um all die Menschen unterzubringen, die dort gerne wohnen wollen. Gleiches gilt für den Speckgürtel um Frankfurt herum, der nach wie vor von Frankfurts Entwicklung profitiert. Durch die Corona-Krise könnte das Thema Homeoffice stärker in den Vordergrund rücken und damit für eine Entlastung der Infrastruktur im ÖPNV und Straßenverkehr sorgen – sie war vor Corona schon lange am Limit. Vielleicht können ländliche Bereiche, die zuletzt deutliche Abwanderungen zu verzeichnen hatten, durch die Homeoffice-Thematik profitieren und wieder einen Zuzug erleben. Abschließend sage es ich es noch einmal: Wir müssen mittel- und langfristig günstigen Wohnraum schaffen und zwar so, dass gutes urbanes Leben stattfinden kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wolf. Wir sind sehr froh, dass Sie wieder genesen sind und freuen uns darauf, Sie im Kreise der Wirtschaftsinitiative-Mitglieder zu begrüßen. Hoffentlich auch bald persönlich!

Mehr unter:
www.wolf-liegenschaften.de

Foto © Wolf Liegenschaften

Zur Person:
Karl Wolf ist seit 38 Jahren Mitinhaber verschiedener Unternehmen der Wolf-Gruppe mit Schwerpunkt im Raum Frankfurt-Berlin. Die Gruppe besitzt auch eine gemeinnützige Stiftung, die verschiedene Bereiche abdeckt. Außerdem ist Karl Wolf einer von drei geschäftsführenden Gesellschaftern von GET ENERGY, einem der größten Strommakler Deutschlands. Ebenso ist er Gründungsmitglied und seit dieser Zeit im Vorstand der Einhard-Stiftung zu Seligenstadt.

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