DIALOGISTIKER: Interview mit Geschäftsführer Christopher C. Mickelthwate

Mitglieder im Fokus

  • 26.05.2020

„Die Zukunft von FrankfurtRheinMain sehe ich trotz der aktuellen Unsicherheiten positiv“

Werbeservice, Lettershop, Druckveredelung, crossmediales Kampagnenmanagement: Unser Mitglied DIALOGISTIKER hat seit der Gründung in den 1960er Jahren einen stetigen Wandel durchlaufen, immer entlang der medialen Entwicklungssprünge im Dialogmarketing. Geschäftsführer Christopher C. Mickelthwate erläutert, wie es gelungen ist, hier Schritt zu halten, was er unter „Dialog-as-a-Service" versteht – und warum er Hamburg beneidet.

Wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen aktuell? Wie spüren Sie die Auswirkungen der Corona-Krise?

Natürlich ist die aktuelle Situation auch für uns nicht einfach, das muss man ganz klar sagen. Einige unserer Kunden haben ihre Aufträge von heute auf morgen stark heruntergefahren. Andere Kunden geben in der Krise Vollgas und wollen Marktanteile gewinnen. Warum? Weil Entscheider in den letzten Wochen deutlich besser erreichbar gewesen sind und mit klassischen Printprodukten eine enorm hohe Response-Rate erzielt werden konnte.

Die Produktion haben wir bis auf ein Minimum heruntergefahren, aber ein Grundrauschen wollen und müssen wir weiter bedienen. Alle Mitarbeiter sind mit Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel ausgestattet, Meetings finden in großen Räumen mit dem notwendigen Abstand statt, ein Teil der Leute arbeitet natürlich im Homeoffice. Die Krise trifft uns, keine Frage, aber wir sind zum Glück von unserer Kunden- und Angebotsstruktur her breit aufgestellt, haben Rücklagen und kommen gut durch.

Was muss man über Ihr Unternehmen wissen? Wofür stehen „Die DIALOGISTIKER"?

Wir sind ein echtes Familienunternehmen, das 1964 von meinem Vater gegründet, dann von meiner Mutter und meiner Schwester weitergeführt wurde. Nach dem Tod meiner Schwester bin ich 2004 eingesprungen. Eine echte Herausforderung, denn ich war von Haus aus kein Drucker, kein Logistiker, kein Marketingexperte. Auch das unternehmerische Gen musste ich erst aktivieren. Aber ich habe die Aufgabe angenommen und mit dem Team von Beginn an viel Innovationskraft gelebt – das hilft uns bis heute, immer wieder flexibel zu reagieren, unser Portfolio weiterzuentwickeln und auf Augenhöhe zu sein.

Früher haben wir in Kanälen und Silos gedacht und etwa klassische Mailing-Umsetzung gemacht – wie ein Lettershop. Heute denken wir viel breiter – und in Lösungen für unsere Kunden. „DaaS" oder „Dialog-as-a-Service" heißt das Konzept, das wir verfolgen. Dienstleistungen und Services für den Kundendialog der Zukunft müssen über Plattformen abrufbar sein – sei es im E-Mail-Marketing oder im Veranstaltungsmanagement. Wir stellen die Plattform zur Verfügung und sind da, wenn der Kunde uns braucht. Die Plattform im Hintergrund basiert dabei immer auf der gleichen Software und Datenstruktur, was enorme Vorteile für den Kunden hat. Interessant ist auch die Entwicklung, die sich gerade mit Blick auf virtuelle Hauptversammlungen, Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen etc. zeigt. Die Politik hat hier Corona-bedingt die Schleusen geöffnet und ich denke, diese Option wird auch künftig erhalten bleiben. Dafür braucht es sichere Plattformen, die ein personalisiertes Voting, den Austausch über Chat-Funktionen und vieles mehr möglich machen. Auch hier können wir mit unseren Lösungen und Features weiterhelfen.

Sind die DIALOGISTIKER schon digital genug? Wo liegt weiteres Entwicklungspotenzial?

Die Digitalisierung ist schon lange das wichtigste Thema für uns. Aber Corona hat hier jetzt endgültig den Turbo gezündet. Wir wollen die aktuelle Krise als Chance nutzen und mithilfe der Digitalisierung zu den Gewinner-Unternehmen gehören. Dabei fokussieren wir uns in unserem Businessmodell auf drei Kernelemente, die die Basis unseres Dialog-as-a-Service-Konzeptes sind: Prozess, Daten, Umsetzung.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden uns über einen langen Zeitraum beschäftigen. Wie die bevorstehenden epochalen Veränderungen genau aussehen werden, können wir alle noch nicht greifen. Ich bin auf jeden Fall extrem gespannt, wie sich der Markt entwickeln wird.

Hand aufs Herz: Lebt „Print" noch?

Vielleicht wird Print insgesamt noch mehr an Bedeutung verlieren, vielleicht werden wir auch ein Revival erleben. Sicher ist, dass Print nach wie vor durch Haptik und Wertigkeit besticht und in bestimmten Dialogmarketing-Prozessen eine signifikante Rolle spielen wird – vor allem, wenn eine Ansprache der Kunden per E-Mail aus Datenschutzgründen nicht möglich ist oder wenn es sich um VIP-Kunden handelt. Eine enorme Nachfrage ist immer noch da, der Markt ist ertragreich. Deshalb haben wir vor ein paar Jahren in die Druckveredelung investiert.

Dazu noch eine kleine Anekdote: Ich war letztes Jahr auf der DMEXCO, der führenden Digitalmesse in Deutschland. Selten habe ich so viele Printprodukte auf einer Messe gesehen. Ich bin mit mehreren großen Tüten zurückgekommen!

Warum ist FrankfurtRheinMain der beste Standort für Ihr Unternehmen?

Wir haben viele Kunden in ganz Deutschland, weit über die Grenzen der Region hinaus. Daran erkennt man übrigens, dass wir ganz sicher keine Druckerei sind, auch wenn wir drucken können, denn Druckereien haben in der Regel eine sehr lokale Kundenstruktur. Der wichtigste Standortvorteil von FrankfurtRheinMain ist die Lage, in wenigen Stunden erreiche ich jede große Metropole in Deutschland. Und: Hier gibt es tolle Unternehmen.

Die Bewältigung der Corona-Krise wird bis auf Weiteres das bestimmende Thema sein. Wie blicken Sie darüber hinaus auf die Metropolregion?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich beneide Hamburg um die Elbphilharmonie. Ja, sie hat annähernd eine Milliarde Euro gekostet. Aber der Wert, den ein solches Landmark-Projekt generiert, ist unbezahlbar. In Frankfurt haben wir es nach meiner Wahrnehmung dagegen hauptsächlich mit Uniformität zu tun, Stichwort Europaviertel. Auch unserer Region würde ein großer und selbstbewusster Wurf, ein architektonischer Monolith guttun. Vielleicht haben wir uns zu sehr auf die Schaffung von Wohnraum konzentriert, ohne diesen wirklich zu gestalten.

Was ist Ihre Motivation, sich aktiv und sichtbar für FrankfurtRheinMain einzubringen?

Ich bin Frankfurter, ich mag Frankfurt einfach und schätze es sehr, wenn mein Unternehmen etwas für die Region tut. Wir haben ja einige echte Institutionen als Kunden – zum Beispiel Eintracht Frankfurt, auch wenn ich zugegebenermaßen kein großer Fußball-Fan bin. Für zahlreiche Museen wie Städel, Schirn, Jüdisches Museum setzen wir Projekte um, in Teilen auch pro bono. Unsere Mitarbeiter mögen das und sind hier sehr emotional bei der Sache. Da merkt man: Regionale Identität geht ganz tief.

Sie sind nicht nur Mitglied, sondern „Haus- und Hoflieferant" der Wirtschaftsinitiative. Was erwarten Sie von einem regionalen Unternehmernetzwerk?

Das Besondere an der Wirtschaftsinitiative ist das Top-Niveau – das findet sich in der Tat selten. Hier steht das Reden über Themen, Entwicklungen, neue Technologien, Zukunft im Vordergrund. Ich würde mir noch etwas mehr Zusammenrücken und Austausch wünschen, zum Beispiel in einem Think Tank. Das könnte sehr befruchtend sein.

Auch wenn das gerade im Moment gar nicht so leicht ist: Drehen wir die Zeit einmal 20 Jahre nach vorne. Wo sehen Sie die Metropolregion – und wo die DIALOGISTIKER ?

Für so einen langen Zeitraum gibt es heute keine unternehmerischen Strategien mehr, auch hier bestimmt die Digitalisierung den Takt. Aber ich bin überzeugt: Wer werden den Wandel bei DIALOGISTIKER auch weiterhin gut managen. Die Zukunft von FrankfurtRheinMain sehe ich trotz der aktuellen Unsicherheiten positiv. Im Vergleich zu anderen Städten und Metropolregionen müssen wir allerdings weiter an unserem Profil und unserer wirtschaftlichen Identität feilen – die Banken werden es wohl nicht sein.

Vielen Dank!

Mehr unter:
www.dialogistiker.de

 

Fotos © DIALOGISTIKER GmbH

Zur Person:
Christopher C. Mickelthwate ist Inhaber und Geschäftsführer der DIALOGISTIKER GmbH. Das Frankfurter Familienunternehmen wurde 1964 von Dietrich Mickelthwate als Neubert Werbeservice KG gegründet, die später in nws dialogmarketing gmbh umfirmierte. 2004 hat Christopher C. Mickelthwate die Geschäftsführung übernommen und seither das Unternehmen kontinuierlich ausgebaut, das Profil geschärft und um wichtige Geschäftszweige erweitert. Heute gehören die DIALOGISTIKER zu den führenden Unternehmen im Bereich personalisiertes digitales, analoges und crossmediales Dialog-Marketing. Kunden sind unter anderem: Hugo Boss, Techem, Würth, Messe Frankfurt, Städel Museum, Wirtschaftsförderung Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, A+O Hotel, B+B Hotel sowie Brita Wasserfilter. Vor seiner Tätigkeit im Familienunternehmen hat Mickelthwate eine Agentur für Ideen und Innovationsmanagement betrieben.

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