Frankfurt Mobilé: BMW Niederlassung und VOSS+FISCHER schaffen Dialograum für nachhaltige Mobilität

Mitglieder im Fokus

  • 29.06.2020

Interview mit Axel Juhre und Claus Fischer

Zwei Wirtschaftsinitiative-Mitglieder, ein zukunftsweisendes Projekt: Seit Ende Mai gibt es in den Räumlichkeiten der BMW Niederlassung Frankfurt an der Hanauer Landstraße ein Dialogforum für nachhaltige Mobilität. Die Gestaltung übernahm die Agentur VOSS+FISCHER. Im Doppel-Interview berichten die Geschäftsführer Axel Juhre und Claus Fischer, was es mit „Frankfurt Mobilé" auf sich hat, wie der Launch einer neuen Location in Corona-Zeiten aussieht und wie Unternehmen den besonderen Raum für eigene Veranstaltungen nutzen können.

Was verbirgt sich hinter Frankfurt Mobilé? Was ist die Zielsetzung der kürzlich neu eröffneten Location?

Juhre: Wir haben uns als Autohersteller gefragt: Wie können wir uns noch stärker in den Dialog über die großen Themen unserer Zeit einbringen? Wir wollen ja nicht nur Autos verkaufen, sondern rund um Mobilität als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen werden – und vor allem als Teil einer zukunftsfähigen Lösung. Unsere Antwort lautete: Indem wir einen Raum gestalten, der Menschen mit einem tieferen Interesse an neuen Mobilitätslösungen und Nachhaltigkeit anspricht. Denn es gibt bislang wenige Orte, an denen über diese Dinge in ihrer Breite diskutiert werden kann. Frankfurt Mobilé soll ein solcher Ort sein.

Besonders inspiriert hat uns dabei übrigens eine Veranstaltung mit dem Titel „MINI über Morgen", die wir im Herbst letzten Jahres durchgeführt haben. Gerechnet hatten wir mit 60 bis 80 Teilnehmern. Tatsächlich kamen über 200, viele der Gäste waren zum ersten Mal bei uns hier im Autohaus. Anschließend reifte die Idee, innovativen Dialogveranstaltungen künftig eine richtig gute Bühne zu bieten. Eine Fläche hatten wir dafür auch schnell im Auge. So kamen wir mit Claus Fischer ins Gespräch. Unser Auftrag an ihn und seine Agentur: Lassen Sie uns diesen Raum gemeinsam zu etwas Besonderem machen.

Fischer: Wir fanden es von Anfang an enorm spannend, einen Raum in einem Autohaus zu kreieren, in dem nicht das Auto im Mittelpunkt steht. Es ging darum, den Raum neu zu betrachten. Den Bedarf nach einer möglichst flexiblen Gestaltung haben wir mit einer Zonierung gelöst. Der Eingang ist der Bereich der Neugierde. Eine hölzerne Sitzpyramide – wir nennen sie auch gerne „Affenfelsen" – schafft eine bewusste Unterbrechung der Blickachse. Es war ziemlich schnell klar, dass wir hier keine Bühne bauen, sondern dass es eher eine Art demokratisches Dialogforum werden soll, mit variablen Sitzmöbeln. Die Aktionsfläche ist nur durch die Beleuchtung und die Rückwand akzentuiert – mit einem Vertikalgarten als urbanem Zitat. Die seitliche Rotunde haben wir komplett verbaut und mit einer Grafik belegt. Sie zeigt eine Wasseroberfläche und zitiert das Thema Ressourcenschonung. Die Lichtinstallation an der Decke besteht aus einer Mischung aus Leucht- und Holzstäben, die einen „Wald von Ideen" assoziieren. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit.

Juhre: Das kann ich nur zurückgeben. Wir haben uns schnell als Partner zusammengefunden und vom Ergebnis bin ich mehr als begeistert. Die Leuchtstäbe der Lichtinstallation erinnern sogar ein bisschen an ein Mobilé, da schließt sich also der Kreis. In erster Linie signalisiert der Name aber, dass hier etwas passiert, das mit Bewegung zu tun hat. Frankfurt Mobilé ist bislang ein einmaliges regionales Projekt. Es ist aber durchaus denkbar, dass das Konzept Nachahmer an anderen BMW-Standorten findet.

Warum ist FrankfurtRheinMain der beste Ort, um Mobilität neu und nachhaltig zu denken und zu diskutieren?

Juhre: Die Paulskirche gilt nicht umsonst als die Wiege der Demokratie in Deutschland. FrankfurtRheinMain ist keine zentralisierte Region, wir haben hier eigenständige Städte und Landkreise, unterschiedliche Regierungsbezirke, mehrere Bundesländer. Es gibt einen unheimlich hohen Anspruch, Interessen auszugleichen. Und damit schlagen wir die Brücke zur demokratischen Idee von Frankfurt Mobilé – Claus Fischer hat sie benannt. Wenn es um Mobilität und Verkehr geht, müssen viele Interessen unter einen Hut gebracht werden, da muss man miteinander reden. Dinge, die am internationalen Knotenpunkt FrankfurtRheinMain funktionieren, können daher mustergültig für ganz andere Teile Deutschlands oder Europas sein, weil es hier so viele gegensätzliche Themen gibt und man am Ende doch miteinander harmonieren muss. Deshalb ist unsere Region so besonders – und Frankfurt Mobilé passt genau hierher.

Die Eröffnung eines Dialogforums während einer Pandemie: Das hätten Sie sich sicher anders gewünscht. Wie gehen Sie konkret damit um?

Juhre: Ja, natürlich. Wir hatten bereits einige schöne Events auf dem Plan, die wegen Corona leider nicht stattfinden konnten. Darunter war eine internationale Veranstaltung zu Außenhandelsbeziehungen. Bei einer anderen Veranstaltung wollten wir mit Großkunden von BMW und Unternehmen aus den Bereichen Energieversorgung und Finanzdienstleistung die Elektrifizierung einer Flotte durchspielen.

Das Gute an diesem Raum ist: Man kann hier mit 10 oder 20 Leuten sitzen, genauso mit 50 oder 100. Knapp 200 passen hinein. Man könnte fast denken, wir ahnten es schon, dass Corona kommt. Die Sitzmöbel lassen sich nämlich hervorragend flexibel nutzen – auch die derzeit geltenden Abstandsregeln können gut umgesetzt werden. Wir haben zunächst mit einigen internen Veranstaltungen begonnen, quasi als Testlauf. Langsam gehen wir nun dazu über, öffentliche Veranstaltungen zu planen. Wie sich die pandemiebedingten Vorgaben und Anforderungen entwickeln, müssen wir alle abwarten. Wir können uns aber vorstellen, relativ bald eine Hybrid-Veranstaltung umzusetzen, also live und digital gemixt. Darüber hinaus stellen wir die Räumlichkeiten in Kürze für ein Filmprojekt zur Verfügung und im September steht dann hoffentlich eine erste größere Veranstaltung mit dem Marketing Club Frankfurt an. Der Raum ist prädestiniert für Talkformate. Darüber hinaus schweben uns Wechselausstellungen vor, die Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sehr grundsätzlich ausleuchten, dazu sind wir auch schon in Gesprächen mit Partnern.

Was empfehlen Sie Ihren Co-Mitgliedern in der Wirtschaftsinitiative, die sich für eine Nutzung der Räumlichkeiten interessieren?

Juhre: Jeder, der Frankfurt Mobilé nutzen möchte, kann das gerne tun – zum Selbstkostenpreis. Wir nehmen keine Miete, wir wollen die Begegnung. Es wäre schön, wenn das inhaltliche Konzept etwas mit Mobilität und Nachhaltigkeit zu tun hätte, damit dies weiter auf die Idee des Raums einzahlt. Ansonsten fungieren wir als Host und stellen Pauschalen zur Verfügung, über die sich das Drumherum buchen lässt. Trotz Corona haben wir eine gute Resonanz und schon zahlreiche Anfragen erhalten. Die Mitglieder der Wirtschaftsinitiative sind herzlich eingeladen, uns jederzeit anzusprechen.

Was hat Sie bei der Gestaltung des neuen Forums geleitet?

Fischer: Leitmotiv war ganz klar der Dialog. Es galt, eine Fläche mit hoher Begegnungsqualität zu schaffen. Dafür gibt es drei Faktoren: der Raum als solcher, die Geschichte, die ich mit dem Raum erzähle, und die Menschen, die sich in dem Raum begegnen. Das hat ganz viel mit Haltung zu tun. Es wird für Unternehmen in der Zukunft noch wichtiger werden, Haltung zu zeigen, denn darüber entsteht heute die Loyalität der Kunden zur Marke.

Wie geht BMW das Thema Nachhaltigkeit an?

Juhre: Der Nachhaltigkeitsbericht von BMW wird ab dem nächsten Jahr Teil des Geschäftsberichts sein und Nachhaltigkeit somit zum integralen Bestandteil des BMW-Geschäftsmodells. Die Elektrifizierung unserer Flotte liegt europaweit bei 13,4 Prozent. Wir rechnen damit, bis 2030 bis zu 50 Prozent zu schaffen. 100 Prozent der BMW-Werke werden mit erneuerbaren Energien betrieben. Unsere Autos sind zu 95 Prozent recyclebar. Unser Ziel ist es zudem, die komplette Wertschöpfungskette nachhaltig zu gestalten. Wir wissen, dass ein Unternehmen nur dann eine Zukunft hat, wenn es Umwelt und Mitmenschen auf jeder Ebene respektiert. Ein Unternehmen, das das vergisst, wird keinen langfristigen Erfolg haben können – davon bin ich fest überzeugt.

Welche Erfahrungen und Kompetenzen bringt VOSS+FISCHER mit?

Fischer: VOSS+FISCHER ist seit 24 Jahren am Markt aktiv, mit Niederlassungen in Frankfurt und Hamburg. Strategische Veranstaltungen und markenkonforme Gestaltungslösungen sind unser Fokus. Immer, wenn man sich mit Kommunikation beschäftigt, hat man die großen Trends auf den Tisch. Dazu gehört natürlich auch die Mobilität. Mit den Aufgaben, die wir annehmen, gehen wir maximal verantwortungsvoll um und versuchen, uns in unsere Kunden hineinzudenken und die beste Lösung zu entwickeln. Wir wollen Veranstaltungen mit Haltung machen, die im besten Fall Sinn stiften und sich für die Teilnehmer lohnen. Wir sagen immer: Wir verwalten die Zeit unserer Gäste und gehen hoffentlich verantwortungsbewusst damit um. Zu unserem Kundenkreis gehören viele renommierte Unternehmen aus den verschiedensten Branchen.

Hier arbeiten zwei engagierte Wirtschaftsinitiative-Mitglieder eng zusammen. Was schätzen Sie an unserer Business-Community in FrankfurtRheinMain?

Juhre: Trotz aller Digitalisierung, die wir in Corona-Zeiten noch mehr gelernt haben: Nichts ersetzt die persönliche Begegnung. Man kann viele Dinge nicht miteinander tun, wenn man nicht „live" miteinander redet. Die Wirtschaftsinitiative macht diese Begegnungen möglich und leistet einen sehr wertvollen Beitrag für die Region. Als einer der Kernnetzwerker in FrankfurtRheinMain ist sie ganz wichtig für unsere tägliche Arbeit.

Vielen Dank.

Mehr unter:
www.bmw-frankfurt.de 
www.voss-fischer.de

Fotos © BMW Niederlassung Frankfurt / Patrick Liste

Zur Person:

  • Axel Juhre ist Leiter des BMW Niederlassungsverbunds Mitte, zum dem die BMW- und MINI-Niederlassungen in Frankfurt, Offenbach, Dreieich, Darmstadt und Kassel gehören. Zuvor war er Finanzgeschäftsführer von BMW Italia sowie BMW Nordeuropa. Neben seinen internationalen Positionen bekleidete er verschiedene weitere Fach- und Führungsfunktionen in der BMW AG in München und Frankfurt. Bereits den Berufseinstieg hatte der Diplom-Kaufmann im BMW-Konzern über das Nachwuchsförderungsprogramm absolviert.
  • Claus Fischer ist Gründer und Geschäftsführer der Agentur VOSS+FISCHER mit Sitz in Frankfurt und Hamburg. Zuvor war er in verschieden Agenturen als Creative Director tätig. Seit vielen Jahren ist er Mitglied im Präsidium des Art Directors Club Deutschland und im Executive Board der Art Directors Club Europe. Im Rahmen der Nachwuchsförderung hält er immer wieder an verschieden Hochschulen Vorträge zum Thema Kommunikation im Raum und Markenerlebnisse.

Das könnte Sie auch interessieren: