Angemerkt von Prof. Dr. Wilhelm Bender

Meinung

  • 27.03.2020

Ohne Gesundheit ist alles nichts!

Im Zeichen der aktuellen Corona-Pandemie relativiert sich vieles. Dass unser globales, freiheitlich-demokratisches Wirtschaftssystem zunehmend von steigender Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Uneindeutigkeit begleitet werden würde, sahen bereits viele Ökonomen in den vergangenen Jahren auf uns zukommen. Das englische Akronym „VUCA" bringt dies zum Ausdruck und wirkt angesichts der Entwicklungen der vergangenen Tage und Wochen fast wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn sogar die in ihren Formulierungen stets bedachte Deutsche Bundesbank von „bisher unbekannten Herausforderungen" spricht, lässt dies völlig neue Dimensionen erahnen. Die Metropolregion FrankfurtRheinMain und ihre Wirtschaft stehen vor ungewissen Zeiten. Das Gebot der Stunde lautet: Vorsicht, Fürsorge, Zusammenhalt. Netzwerke erhalten dabei eine besondere Bedeutung.

Der größte hessische Arbeitgeber Lufthansa fährt seinen Flugplan auf den Stand des Jahres 1955 (!) zurück, Fraport meldet erstmals in seiner Unternehmensgeschichte Kurzarbeit an, Opel schließt die Werkshallen. Dazu der Ausfall zahlreicher Messen, Hotel- und Ladenschließungen und der Kehraus in fast allen Gaststätten und Kultureinrichtungen. Mit voller Härte trifft die Pandemie FrankfurtRheinMain und die hier ansässigen Unternehmen.

Ist unsere Region wirtschaftlich stärker betroffen als andere? In der Tendenz wohl ja – denn gerade FrankfurtRheinMain lebt von den zahlreichen internationalen Verbindungen, dem vielfältigen Austausch von Waren und Dienstleistungen, den Begegnungen zwischen Menschen. Geschlossene Grenzen oder Bewegungseinschränkungen passen nicht zu unserer regionalen DNA. Dass zudem die Banken von der Krisensituation gleichermaßen hart getroffen sind, wird sich wohl ebenfalls bald in den kommunalen Haushalten bemerkbar machen.

Der Bundestag hat mit seinem Nachtragshaushalt 2020 ein wichtiges Zeichen gesetzt. Jetzt gilt es, den durch die außergewöhnliche Krise in Not geratenen Unternehmen finanziell unbürokratisch unter die Arme zu greifen und eine reibungslose Wiederaufnahme der Betriebe zum Zeitpunkt X zu gewährleisten. Es liegt in unser aller Interesse, Arbeitsplätze maximal zu schützen, um möglichst schnell wieder in den Wachstumsmodus schalten zu können.

Zeit der Netzwerke

Was kann die Region jetzt noch tun, außer auf die so wichtigen Hilfen zu zählen? Zusammenhalten und zusammenarbeiten, durchhalten und den Mut nicht verlieren. Jetzt schlägt die Stunde der Netzwerke. Die Wirtschaftsinitiative versteht sich dabei als Anlaufpunkt für ihre Mitglieder, als Verteiler von wichtigen Informationen, als Bindeglied zwischen den verschiedensten Akteuren und Partnern in der Region. Unsere Botschaft kann nur sein: Wir sind füreinander da – gerade jetzt! Die Region sieht sich vor einer beispiellosen Aufgabe und muss beweisen, dass sie in dieser schwierigen Zeit ihre Kräfte bündeln und Unterstützung mobilisieren kann, dass sie es im Zweifel schafft, sich an vielen Stellen neu zu denken. Netzwerke funktionieren heute auch virtuell und digital – das ist ein unschlagbarer Vorteil. Lassen Sie uns nah beieinanderbleiben, ohne uns dafür physisch nah sein zu müssen.

Denn in diesem Moment ist es am wichtigsten, dass wir alle gesund bleiben. Meine große Anerkennung gilt insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, die die Menschen der Region bestmöglich umsorgen. Gesundheit „first"!

Prof. Dr. Wilhelm Bender, ehemals CEO von Fraport, ist Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain.

Das könnte Sie auch interessieren: