Metropol 2030: Wie unternehmerischer Erfolg und regionales Engagement zusammenhängen

Veranstaltungen

  • 27.03.2019

Auf gute Nachbarschaft!

Wirtschaftlicher Erfolg ist das natürliche Gebot von Unternehmen. Doch reicht es in einer globalisierten und digitalisierten Welt aus, sich lediglich ums Geldverdienen zu kümmern? Wie viel gesellschaftliche Verantwortung kann und soll Wirtschaft übernehmen – insbesondere regional? Und wie sieht das nachbarschaftliche Engagement eigentlich in FrankfurtRheinMain aus? Diese Fragen stellten die Macher der Veranstaltung „Metropol 2030" in den Raum. Auch bei der dritten Ausgabe hatten der F.A.Z.-Fachverlag und die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain zum Diskurs in luftige Höhen eingeladen, denn Wirtschaftsinitiative-Mitglied PwC stellte wieder seine repräsentative 50. Etage samt spektakulärem Ausblick zur Verfügung. Große Unternehmen und kleine Start-ups kamen – und gingen auf dem Podium und in der „Fishbowl" in die Verantwortung.

Michael Burkhart, Managing Partner Region Mitte bei PwC, gab den Startschuss – jedoch nicht, ohne einige spannende Impulse zu setzen. „Wer wird im Jahr 2050 die Mehrzahl der Operationen in Krankenhäusern durchführen?" Das hatte PwC in einer weltweiten Studie gefragt. Die überraschende Antwort: In USA, China und den Golfstaaten tippte die Mehrheit auf die Künstliche Intelligenz, in Europa und Australien wählte sie den Arzt. Es lasse sich hier gut erkennen, dass Mehrwert, Risiko und Nutzen neuer Entwicklungen sehr unterschiedlich wahrgenommen würden, so Burkhart. „Gerade im Bereich der Digitalisierung beobachten wir ein großes Delta zwischen dem, was Unternehmen vorhaben und dem, was Menschen durch den Kopf geht. Wir müssen stärker ganzheitlich denken und vor Ort Brücken bauen."

Vom Geschäft mit dem Fernweh und der Verantwortung vor der eigenen Haustür

Daran knüpfte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der in Oberursel ansässigen Thomas Cook GmbH, direkt an. In ihrem Vortrag machte sie sehr deutlich, dass es gerade für einen führenden internationalen Tourismusanbieter verschiedene Ebenen der Verantwortung gibt: „At home", also rund um den Heimatstandort und die Lebenswirklichkeit der Mitarbeiter. „During the Journey", unterwegs, etwa mit Blick auf treibstoffeffizientes Fliegen. Und „On Holiday", am Urlaubsort, an dem womöglich viele Menschen vom Tourismus leben oder auch mit „Overtourism" konfrontiert sind. Mit Nachhaltigkeitsprojekten will der Reisekonzern bis 2020 rund 100.000 Menschen erreichen – ein ambitioniertes Ziel.

Weiter ging es mit einem Perspektivwechsel: Drei Vertreter der regionalen Start-up-Szene berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Thema „Social Entrepreneurship" – darunter Dr. Alexandra Partale, Gründerin und Geschäftsführerin von place2help Rhein-Main. Die Crowdfunding-Plattform, die auch von der Wirtschaftsinitiative unterstützt wird, hat sich zum Ziel gesetzt, neue Wege bei der Finanzierung regionaler Projekte zu gehen. Besonderes Aufsehen erregte zudem Carsten Waldeck. Entspannt beschrieb der Gründer und Geschäftsführer der SHIFT GmbH, wie er es wagte, ein Unternehmen zu gründen, das modulare und nachhaltige Mobiltelefone baut, seinen Gewinn in soziale lokale Projekte investiert und am Ende sogar ein bisschen mit Apple konkurriert.

Regionales Sponsoring: Zwischen Eintracht Frankfurt, Arche und moderner Kunst

Die „Fishbowl" ist inzwischen fester Bestandteil des „Metropol 2030"-Programms. In diesem Jahr nahmen vier Vertreter im Halbkreis Platz, die als Leiter Kommunikation & Marketing in ihren Großunternehmen ganz operativ mit Fragen des Sponsorings und der Corporate Social Responsibility (CSR) befasst sind. „Welche unterstützenswerten Projekte wählen Sie in der Region aus und warum?", fragte F.A.Z.-Redakteurin und Moderatorin Inga Janovic. Jürgen Harrer (Fraport AG), Nicole Orgnon (Division Chassis & Safety, Continental AG), Ingrid Haas (Deutsche Börse AG) und Ferdinand Huhle (Mainova AG) fanden sehr differenzierte Antworten und waren sich doch in vielerlei Hinsicht einig: Es braucht eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit dem Unternehmensauftrag, eine klare CSR-Strategie und eine konsequente Ein- und Anbindung der Mitarbeiter, damit regionales soziales Engagement nachhaltig wirkt und nicht als Feigenblatt wahrgenommen wird. Der freie Platz, der Teil des „Fishbowl"-Formats ist, wurde rege genutzt. Ein Gast aus dem Publikum wollte wissen, wie die Zukunft der CSR aussieht. „Wir können als Unternehmen noch viel mehr gemeinsam tun", regte Nicole Orgnon an.

Den Abschluss des Abends bildete ein Kamingespräch mit Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und „Grandseigneur" der Frankfurter Stiftungslandschaft. F.A.Z.-Redakteur und Gesprächspartner Manfred Köhler ließ es sich nicht nehmen, dafür extra ein Kaminfeuer auf den vorhandenen Bildschirmen zu „entfachen". Stiftungen, ein Spezialfall des sozialen Engagements, seien typisch für Frankfurt, so Prof. Kaehlbrandt, der in seiner Organisation rund 400 Millionen Euro aus dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse verwalten darf. „Dass Bürger und Unternehmer Verantwortung für ihre Stadt und Region übernehmen, ist hier tief verankert."

Mehr unter:
www.marktundmittelstand.de/events/metropol-2030

Fotos © Andreas Varnhorn

Das könnte Sie auch interessieren: