TechQuartier launcht Finanz-Sandbox in Kooperation mit AI Factory FrankfurtRheinMain
Die geopolitische Situation treibt sie, die meisten Branchen brauchen sie: Eine souveräne und sichere Infrastruktur für den Betrieb von KI-Modellen entsteht derzeit in vielen Regionen Europas und weltweit. FrankfurtRheinMain hat beste Voraussetzungen – und eine souveräne AI Factory „in the making“. Jetzt bekommt das von der Wirtschaftsinitiative unterstützte Vorhaben durch den Startschuss für das Tech & Data Lab Frankfurt samt Financial Sandbox weiteren Schub. Bei einer Veranstaltung sprachen die Partner TechQuartier, Polarise, NVIDIA und AI Factory FrankfurtRheinMain über Bedarfe, Potenziale und den Wettbewerb der Standorte – und schalteten am Schluss gemeinsam mit den rund 80 Gästen noch per Live-Stream beim „Woodstock der KI“ ein.
Der frisch aufgelegte Finanzplatzbericht 2026 macht es sehr deutlich: Künstliche Intelligenz (KI) gehört neben Quanten-Computing und Blockchain zu den Zukunftstechnologien für die Finanzindustrie und die Region FrankfurtRheinMain. „Wettbewerbsfähigkeit ist zunehmend an technologische Leistungsfähigkeit gebunden“, schreiben die Verfasser des Berichts von Frankfurt Main Finance. Das vor wenigen Tagen vom TechQuartier gelaunchte Tech & Data Lab Frankfurt soll dazu beitragen, Frankfurt als Finanzplatz mit souveräner, lokal verfügbarer Technologieinfrastruktur zu stärken. Hierauf zahlt auch die Entwicklung der Sovereign AI Factory FrankfurtRheinMain ein, die durch Wirtschaftsinitiativemitglied und NVIDIA Cloud Partner Polarise vorangetrieben wird.
Was ist eine Sandbox?
„Das Tech & Data Lab ist das erste Real-Labor für Finanzinnovation“, berichtete Sören Eversmeier, Head of Business Development & Partnerships im TechQuartier, in einer Talk-Runde zum Thema „AI made in FrankfurtRheinMain“. In einer zweistufigen Sandbox-Architektur können Banken, FinTechs und Regulierungsbehörden künftig neue Finanztechnologien und KI-Systeme testen. Was eine Sandbox ist, schob Eversmeier direkt hinterher. „Wenn wir Innovation ernst nehmen, brauchen wir Testumgebungen, Sandkästen eben, in denen geschäftliche und regulatorische Anforderungen simuliert werden können – sicher, schnell, örtlich verfügbar, mit GPU-Rechen-Power und ohne, dass etwas kaputt geht.“
Die Sovereign AI Factory FrankfurtRheinMain wird in den nächsten Monaten Hochleistungs-KI-Rechenkapazitäten bereitstellen und im Zentrum des Sandbox-Konzepts stehen. „Alle reden über Rechenzentren, echte KI-Rechenzentren gibt es noch wenige, aber viele Regionen haben Projekte gestartet. Wir sind als Region im Wettbewerb und müssen jetzt loslegen, um unseren Wohlstand zu sichern. Es gibt ja nur eine gewisse Menge Energie und Accelerator-Chips“, unterstrich Dr. Jochen Papenbrock, EMEA Head of Financial Technology bei NVIDIA, die Notwendigkeit einer lokalen AI Factory.
Ohne Souveränität geht’s nicht
„Auch Amazon, Google & Co. investieren derzeit eine Menge in Europa und beschwören die Souveränität ihrer Angebote. Was ist der Unterschied?“, fragte Moderatorin Angelika Neumann von der Wirtschaftsinitiative. „Hinter Google steckt nun mal Google“, so Felix Höbel, Senior Product Designer von Polarise. „Als deutsche und europäische Unternehmen mit deutschen und europäischen Nutzern brauchen wir eine eigenständige Identität. Um wirklich souverän zu sein, müssen wir es selbst machen.“ Es sei für die Zukunft wichtig, KI-Modelle in einer souveränen Umgebung selbst zu hosten und zu trainieren. Dazu stünden Open Source-Modelle wie Llama oder Mistral zur Verfügung – versus Frontier-Modelle wie ChatGPT oder Claude. „So sichern sich Unternehmen die Eigentümerschaft über Daten und Modelle – der Schlüssel zu einem tiefen Ökosystem“, ergänzte Papenbrock.
Gebäude im Gebäude
Polarise hat vor wenigen Monaten ein Industrial AI Factory-Projekt in München vorgestellt – mit einem Milliarden-Investment von Deutscher Telekom, Siemens und weiteren Partnern. „So etwas wollen wir jetzt auch für FrankfurtRheinMain“, betonte Höbel. Die Sovereign AI Factory FrankfurtRheinMain nimmt als Startpunkt zunächst die Finanzbranche in den Fokus, aber auch Healthcare & Pharma, Logistik oder der Mittelstand sollen folgen. Polarise nutzt dabei einen „Brownfield“-Ansatz, der schnell ist und Kosten spart. Die Suche nach dem passenden bestehenden Objekt läuft laut Andreas Lukic, Geschäftsführer der AI Factory FrankfurtRheinMain. „Wir errichten ein Gebäude im Gebäude. In diesem abgeschotteten Bereich wird die Hardware als Nukleus installiert und bei Bedarf mit anderen Standorten vernetzt“, erläuterte Höbel. In wenigen Monaten soll es so weit sein. „Interessierte Unternehme, können sich jederzeit melden, um gemeinsam Investments, Partnerschaften und Nutzer-Modelle zu konkretisieren“, so Lukic.
Ein Blick in die Zukunft der KI
Das Finale der Veranstaltung bildete eine kleine Watch Party. Denn zeitgleich eröffnete in San José, Kalifornien, die GTC 2026 – die Tech- und Entwickler-Konferenz von NVIDIA und das „Woodstock“ der KI-Branche. Gespannt verfolgten die Gäste per Live-Stream die Keynote von NVIDIA-CEO Jensen Huang, der einen exklusiven Blick in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz bot und die Eckpfeiler der „AI Tokenomics“ umriss. Denn Token werden das Maß der Dinge bei der Nutzungsabrechnung von KI sein.