Neumitglied ILLUTHERM: Welcome-Interview mit Dr. Lukas Porz
„Wir sind wie eine Mikrowelle für die Industrie“
Wissenschaftsstadt Darmstadt statt Silicon Valley? Dr. Lukas Porz und seine Co-Gründer haben sich sehr bewusst für die Region FrankfurtRheinMain als Startup-Standort entschieden – und das bisher nicht bereut. Bei dem jungen Unternehmen dreht sich alles um blaues Licht und LED-Öfen. Das Ergebnis: ein schnelleres, präziseres und flexibleres Verfahren zur industriellen Erhitzung. Im Interview spricht der CEO des Wirtschaftsinitiative-Neumitglieds über die Elektrifizierung der Industrie, die Pluspunkte von FrankfurtRheinMain und den Mut, neue Wege zu gehen. Welcome!
Was sollte man über ILLUTHERM wissen?
ILLUTHERM denkt industrielle Hitze neu. Mit unserer disruptiven Technologie können verschiedenste Materialien wie Stahl mithilfe von blauem Licht in wenigen Sekunden auf über 1.000 Grad Celsius erhitzt werden. Während klassische Industrieöfen Stunden für das Erhitzen oder Brennen benötigen und dafür indirekt die Luft erwärmen müssen, schafft die ILLUTHERM-Technologie, dass Materialien die Energie direkt absorbieren. Wir sind somit wie eine Mikrowelle für die Industrie!
Durch unsere LED-Öfen ermöglichen wir es Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen, Prozesse zu optimieren, zu flexibilisieren und nachhaltiger zu gestalten. Das gelingt unter anderem durch das flexible Ein- und Ausschalten unserer LED-Öfen, die deutlich schnellere Erhitzung und die Verwendung von Strom als Energiequelle.
Welche Zukunftsthemen treiben Ihr Geschäftsmodell?
Unsere Technologie bietet eine Lösung für drei wichtige Themen unserer Zeit: Elektrifizierung der Industrie, zu hohe CO2-Emissionen, Wettbewerbsfähigkeit.
Mit der Geschwindigkeit sowohl in der Produktion als auch in der Entwicklung ermöglichen wir eine völlig neue Dynamik. Bei den vielfältigen Herausforderungen Europas wie Rohstoffknappheit ist eine schnelle Anpassung der Industrieprozesse wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben – genau hier setzen wir an.
Ein LED-Ofen hat das Potenzial, Prozesse und Industrien, die von fossilen Energieträgern komplett abhängig waren, zumindest teilweise zu elektrifizieren. Das sorgt bei einer Energieversorgung durch erneuerbare Energien für eine CO2-freie Produktion in der Industrie. Gleichzeitig werden Unternehmen dadurch unabhängiger von Öl und Gas.
Zusätzlich können durch unsere Technologie industrielle Heizprozesse völlig neu gedacht werden: schneller, flexibler und präziser.
Welche Rolle spielt die Metropolregion FrankfurtRheinMain für Ihr Unternehmen – und für Sie persönlich?
Die Rhein-Main-Region, insbesondere unser Standort Darmstadt, ist für uns aus mehreren Gründen ideal. Zum einen ist Hessen als Bundesland sehr zentral gelegen, was die Anfahrten zu Kunden und Partnern deutlich erleichtert. Insbesondere Darmstadt ist als Wissenschaftsstadt ein hervorragender Ort für fachlichen Austausch und das Finden passender neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch das Netzwerk für Startups bietet zahlreiche Anlaufstellen für den Austausch. Wir sitzen zum Beispiel im Hub31 und arbeiten somit am gleichen Ort wie viele andere Startups – der perfekte Ort, um voneinander zu lernen.
Und auch aus persönlichen Gründen ist es schön, in seiner Heimat gründen zu können und dafür nicht ins Silicon Valley ziehen zu müssen. Danke an die SPRIND (Bundesagentur für Sprunginnovationen) für den Impuls und die Rahmenbedingungen, die Firma in Deutschland zu gründen.
Welche Pluspunkte sehen Sie in unserer Region – und wo gibt es Nachholbedarf?
Die Stärken der Rhein-Main-Region sind für uns ganz klar die zentrale Lage, die vielen Universitäts- und Forschungseinrichtungen sowie die Netzwerke zur Förderung junger Unternehmen. Hier kommen viele gute Voraussetzungen auf engem Raum zusammen.
Verbesserungspotenzial sehen wir in teilweise noch bürokratischeren Prozessen im Vergleich zu anderen Ländern. Dadurch werden Ressourcen gebunden, die sonst in die Unternehmensentwicklung investiert werden könnten.
Was erwarten Sie als neues Mitglied von einem regionalen Business-Netzwerk wie der Wirtschaftsinitiative?
Wir erhoffen uns, neue Kontakte, auch aus anderen Branchen, kennenzulernen. Durch Meinungen aus verschiedenen Schwerpunkten lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen. Gleichzeit möchten wir auch gerne unsere Erfahrungen auf dem Weg zum Unternehmen mit anderen teilen.
Zur Person:
Dr. Lukas Porz ist CEO, Co-Gründer und unermüdlicher Innovator von ILLUTHERM. Mit seiner Eigenschaft, immer den Status quo herauszufordern, wollte er nach seiner erfolgreichen Karriere in der Wissenschaft mehr: eine echte Veränderung vorantreiben. Für seine Idee, Materialien mit Hilfe blauer LEDs in wenigen Sekunden auf über 1.000 Grad Celsius zu erhitzen, wurde er bereits mehrfach national und international ausgezeichnet.
Fotos © ILLUTHERM / Mattia Balsamini, Mirco Lilge