Wirtschaftsinitiative inside 07.05.2026

Mitgliederversammlung 2026: 30 Jahre regionale Zusammenarbeit

Bundesbank-Vizepräsidentin Dr. Sabine Mauderer plädiert für ein souveränes und zugleich offenes Europa

Eine Keynote auf den Punkt, signifikantes Mitgliederwachstum, Kontinuität im Vorstand, eine Menge Austausch – und ein runder Geburtstag: Das waren die Zutaten zur diesjährigen Mitgliederversammlung der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain. In den Räumlichkeiten der Hauptverwaltung Hessen der Deutschen Bundesbank trafen sich die Mitglieder zum jährlichen Check-up: Was war, was ist, was kommt? Bundesbank-Vizepräsidentin Dr. Sabine Mauderer nahm in ihrem Gastvortrag Europas Souveränität, Resilienz und Energiesicherheit in den Blick. Und der Vorstand machte zum 30. Jubiläum unseres Business-Netzwerks deutlich: „Die Wirtschaftsinitiative wird sich weiterhin für eine zukunftsfähige Metropolregion FrankfurtRheinMain einsetzen – als Stimme für diejenigen, die etwas verändern wollen.“

Drei Jahrzehnte „WIR für FRM“

Auch vor 30 Jahren waren die Zeiten herausfordernd: Steigende Arbeitslosenzahlen, ein schwaches Wirtschaftswachstum, die Vorbereitungen zur Einführung des Euros, das Aufkommen des Internets und vieles mehr prägten die Diskussion. In dieser Zeit erarbeitete die Europäische Union (EU) die Lissabon-Strategie, die die Produktivität und Innovationsgeschwindigkeit EU-weit erhöhen sollte. Damit rückten erstmals die Metropolregionen als Motoren dieser Entwicklung ins Blickfeld. In Deutschland bildeten sich elf „Europäische Metropolregionen, darunter FrankfurtRheinMain.

Am 6. Mai 1996 unterzeichneten 40 Unternehmen die Gründungsurkunde der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain, genau 30 Jahre später ist sie ein fest verankerter und etablierter Teil der regionalen Landschaft mit rund 150 Mitgliedern. „Was zum Gründungszeitpunkt galt, hat heute umso mehr Bestand: FrankfurtRheinMain braucht ein lebendiges Business-Netzwerk, das unternehmerische Interessen in den gesellschaftlichen Dialog einbringt, dabei über Kommunal- und Bundesländergrenzen, Parteipolitik und Brancheninteressen hinwegdenkt und die Ebene der Metropolregion in den Mittelpunkt stellt“, so der Vorstandsvorsitzende Michael Müller auf der aktuellen Mitgliederversammlung.

Wesentliche Akzente hat die Wirtschaftsinitiative in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich der Branchen-Cluster und der „Houses of“-Strategie setzen können, ebenso als Gesellschafter des gemeinsamen internationalen Standortmarketings im Rahmen der FRM GmbH. Seit rund neun Jahren unterstützt sie die Entwicklung des Start-up-Ökosystems. Aktuell treibt sie den Aufbau einer „Souveränen AI Factory FrankfurtRheinMain“ voran. Mit den „Wirtschaftsgesprächen am Main“, die seit 1996 123-mal stattgefunden haben, veranstaltet die Wirtschafts­initiative den etabliertesten Top-Level-Business-Lunch der Region, jährlich hat sie bis zu 30 Eigenveranstaltungen sowie Partner-Events mit mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Programm. „In Sachen schlagkräftige Zusammenarbeit steht die Metropolregion FrankfurtRheinMain an vielen Stellen immer noch am Anfang. Doch die Wirtschaftsinitiative bleibt dran. WIR für FRM, die Wirtschaft für FrankfurtRheinMain – das ist unsere Mission und unser Versprechen“, betonte Müller.

Bewährtes Vorstandsteam

Auf der Agenda der Mitgliederversammlung 2026 stand auch die Verlängerung der Vorstandsmandate von Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, und Banu Özcan, CEO / Managing Director der First Commercial Bank. Beide wurden einstimmig für drei weitere Jahre gewählt. Michael Müller: „Ich freue mich sehr, dass wir die vertrauensvolle Zusammenarbeit in unserem fünfköpfigen Gremium fortsetzen und so für Kontinuität und Stabilität sorgen können. Vielen Dank an Axel Hellmann und Banu Özcan für ihr Commitment.“

Das Netzwerk wächst

In ihrem Bericht gab die Geschäftsführung auf der Mitgliederversammlung auch einen Überblick zur Entwicklung der Mitgliederzahlen. Zum Jahresende 2025 waren 152 Mitstreiter Teil des Netzwerks. „Mit 19 Neuzugängen haben wir im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit 15 Jahren erzielt.“ Allein seit 2020 habe es ein Mitglieder-Plus von rund 20 Prozent gegeben. „Das spricht dafür, dass wir in bewegten Zeiten mit unseren Netzwerkangeboten und Beteiligungsmöglichkeiten den Nerv der Unternehmen treffen, auch wenn gerade vielerorts der Rotstift angesetzt wird“, fasste Annegret Reinhardt-Lehmann zusammen. „Interessierte Unternehmen aller Größen und Branchen sind bei uns jederzeit herzlich willkommen. Ihre Themen sind unsere Themen“, so Jörg Schaub.

Dr. Sabine Mauderer: Realismus und Mut statt Schwarzmalerei

Der Präsident der Hauptverwaltung Hessen Dr. Ulf Slopek hatte für die Deutsche Bundesbank die Rolle des Gastgebers übernommen. „Ohne die Wirtschaftsinitiative wäre die Region ärmer, sie bietet seit 30 Jahren tolle Möglichkeiten zur Vernetzung“, befand er. Im Nachgang zur Mitgliederversammlung setzte dann noch Bundesbank-Vizepräsidentin Dr. Sabine Mauderer mit ihrer Keynote einen hochaktuellen Impuls. „Wir erleben gerade tiefgreifende Veränderungen. In dieser Realität rücken die Begriffe Souveränität, Resilienz und Diversifizierung in den Vordergrund.“ Darauf solle Europa als zweitgrößter Markt der Welt sich mit Nachdruck ausrichten – und dabei zugleich offenbleiben. Gerade mit Blick auf Energiesicherheit gelte es, alte Abhängigkeiten zu reduzieren und neue im Blick zu behalten, Infrastruktur- und Speicherlösungen zu schaffen und vor allem die Ruhe zu bewahren. „Entscheidend wird sein, ob wir in Deutschland und Europa disruptive Innovation entwickeln, skalieren und mutig finanzieren können – als Basis für künftige Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.“ FrankfurtRheinMain und der neu eröffnete Terminal 3 des Flughafens zeigten: „Es geht viel, auch unter schwierigen Bedingungen. Deutschland hat alles, was es braucht, um wieder ein führender Wirtschaftsstandort zu werden. Wir müssen nur endlich ins Tun kommen.“

Fotos: Kirsten Bucher

 

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