Mitglied HOLM: Fünf Fragen an Michael Kadow
„Logistik und Mobilität stehen in FrankfurtRheinMain vor einem tiefgreifenden Wandel“
Wie sieht die Zukunft der mobilen Gesellschaft aus? Das ergründet, gestaltet und entwickelt das House of Logistics and Mobility – kurz HOLM – im Business-Quartier Gateway Gardens in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Flughafen. Gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Für den Wirtschaftsstandort Hessen und FrankfurtRheinMain. Als Vernetzungsplattform und Impulsgeber. Mittendrin ist seit über zehn Jahren Geschäftsführer Michael Kadow. In unserem aktuellen Mitglieder-Interview lässt er hinter die HOLM-Kulissen blicken, beschreibt zentrale Themenfelder, Projekte und Benefits, empfiehlt spannende Events für 2026 und beantwortet vor allem die Frage: Wo geht die Reise in der Logistik und Mobilität hin?
Herr Kadow, wofür steht das HOLM genau? Was sind die Kernaufgaben und wichtigsten Handlungsfelder?
Das House of Logistics and Mobility (HOLM) ist eine unabhängige, neutrale Entwicklungs- und Vernetzungsplattform zur gemeinsamen Gestaltung von Chancen und Herausforderungen in der Logistik und Mobilität. Unsere Kernaufgabe ist es, Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammenzubringen und tragfähige Lösungen für zentrale Fragestellungen in diesen Bereichen anzustoßen und zu entwickeln.
Die Vernetzung erfolgt bei uns in drei Geschäftsfeldern: Unser Innovations- und Netzwerkmanagement betreibt Clusterarbeit und Netzwerke, fördert Start-ups und Innovationsprojekte und ist selbst in Projektkonsortien aktiv. Die inhaltliche Arbeit orientiert sich entlang zentraler Handlungsfelder wie digitale Transformation, Energie und Klimawandel, intelligente Verkehrssysteme, Logistik und Mobilität in Stadt und Land, Aviation Next Generation sowie neue Wertschöpfungsmodelle.
Das HOLM ist zweitens ein Event-Hotspot der Branchen. Auf unseren 30 Veranstaltungsflächen finden jährlich über 700 Fachveranstaltungen mit rund 36.000 Teilnehmenden statt.
Und drittens ist das HOLM Arbeitsstandort von über 40 Unternehmen sowie von 15 Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Rund 500 Köpfe aus der Logistik und Mobilität arbeiten dort täglich unter einem gemeinsamen Dach.
Kurz gesagt: Das HOLM ist Treiber, Impulsgeber und Brückenbauer für zukunftsfähige Logistik- und Mobilitätslösungen – mit Nutzen für den Wirtschaftsstandort Hessen und Mehrwert für die mobile Gesellschaft.
Was hat das HOLM der Start-up-Community zu bieten?
Start-ups und Scale-ups sind für uns zentrale Innovationstreiber. Deshalb bietet das HOLM ein gezielt auf junge Unternehmen zugeschnittenes Förder- und Vernetzungsangebot. Herzstück ist die Start-up-Förderung@HOLM, mit der wir seit 2017 ausgewählte Start-ups zwei Jahre lang intensiv begleiten. Erst zu Jahresbeginn 2026 sind fünf vielversprechende Start-ups neu in unserem Start-up-Lab aufgenommen worden.
Ergänzend dazu haben wir eine offene Start-up-Community aufgebaut. Sie bietet Sichtbarkeit, Zugang zu starken Netzwerken aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie konkrete Unterstützung bei Partnerschaften, Projekten und Kooperationen. Hinzu kommen exklusive Workshops und Veranstaltungen wie der HOLM Start-up-Tag mit seiner Prototypensafari.
Wir stellen Start-ups also die inhaltliche Plattform, die Kontakte und den Rückenwind, den sie für Wachstum und Markterfolg brauchen.
Welche Vorteile bringt es Unternehmen, eine Partnerschaft mit dem HOLM einzugehen?
Eine Partnerschaft mit dem HOLM eröffnet Unternehmen den Zugang zu einem einzigartigen, interdisziplinären Netzwerk rund um Logistik und Mobilität – von Start-ups und Mittelstand bis hin zu Konzernen, Wissenschaft und Politik. Unsere Partner profitieren vom intensiven fachlichen Austausch, aus dem konkrete Projekte, Kooperationen und Innovationen entstehen.
Über unsere drei Cluster Hessen Logistics, Hessen Mobility und Hessen Aviation sind Unternehmen direkt in den Wissenstransfer zu Forschung, Technologien und Markttrends eingebunden. Gleichzeitig stärken sie ihre Sichtbarkeit, bringen sich in die Nachwuchsförderung ein und treten in den Dialog mit Politik und Gesellschaft.
Ganz neu ist unser Netzwerk Faktor Mensch, in dem die Themen resilientes Personalmanagement sowie Talentförderung und -bindung im Fokus stehen – das ideale HOLM-Angebot für HR-Verantwortliche und alle, die sich mit Personalfragen oder dem Fachkräftemangel in der Logistik- und Mobilitätsbranche beschäftigen.
Eine HOLM- oder Clusterpartnerschaft verschafft Unternehmen frühzeitigen Zugang zu Wissen, starken Partnern und Innovationsprojekten – und damit einen echten Vorsprung bei der Gestaltung der Logistik und Mobilität von morgen.
Welche spannenden Veranstaltungen kann man im HOLM erleben?
Im HOLM spielt Vernetzung eine zentrale Rolle – dafür steht auch unser eigenes vielfältiges Veranstaltungsprogramm von großen Fachkonferenzen über innovative Workshops bis hin zu speziellen Vernetzungsformaten für Clusterpartner oder die Start-up- und Gründerszene.
Auf zwei Anlässe in diesem Jahr möchte ich besonders hinweisen: Für den Sommer planen wir derzeit mit dem Automotive Transformation Summit 2026 eine neue jährliche Konferenzreihe zur Zukunft der Automobilindustrie. Interessierte, die daran nicht nur teilnehmen, sondern auch aktiv an der Veranstaltung am 26. August mitwirken möchten, sind herzlich eingeladen und können sich jederzeit bei mir melden.
Später im Jahr, in der Woche vom 30. November bis zum 4. Dezember, findet die 3. Deutsche Logistik- und Mobilitätswoche statt. In diesem zweijährigen Format steht jeder Wochentag unter einem Fokusthema. 2026 zählen dazu unter anderem „C-ITS auf der digitalen Straße“, „Potenziale von Quantencomputing für Logistik und Mobilität“ und „Wege zu einer nachhaltigen Luftfahrt“.
Welche Trends bewegen die Logistik- und Mobilitätsbranche in FrankfurtRheinMain?
In der Region FrankfurtRheinMain stehen Logistik und Mobilität vor einem tiefgreifenden Wandel. Ein zentrales Beispiel ist die Eröffnung des Terminals 3 am Flughafen Frankfurt. Sie wird die Passagierströme deutlich verändern und neue Anforderungen an die An- und Abreise mit sich bringen. Intermodale Reiseketten – also das nahtlose Zusammenspiel von Flug, Schiene, Straße und künftig auch neuen Mobilitätsangeboten – gewinnen rund um den Flughafen weiter an Bedeutung.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Ausbau der Schieneninfrastruktur in der Region, etwa mit der Regionaltangente West (RTW). Sie verbessert die Erreichbarkeit zentraler Wirtschafts- und Logistikstandorte und entlastet bestehende Knotenpunkte. Das Team um Horst Amann macht beim aktuellen Ausbau der RTW einen herausragenden Job. Langfristig wird auch der geplante Fernbahntunnel Frankfurt eine Schlüsselrolle spielen, um Kapazitäten zu erhöhen und den Bahnknoten Frankfurt zukunftsfest zu machen.
Gleichzeitig entwickelt sich der öffentliche Personennahverkehr weiter. Autonome Shuttles können das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen – insbesondere auf der „letzten Meile“ oder in Randzeiten. Sie sind zudem eine wichtige Vorstufe für teleoperiertes und perspektivisch vollautonomes Fahren und eröffnen neue Spielräume für flexible, bedarfsgerechte Mobilitätslösungen.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem ländlichen Raum. Hier müssen Güter- und Mobilitätsangebote neu gedacht werden. Innovative ÖPNV- und ÖGNV-Ansätze, die Personen- und Güterverkehre kombinieren, können dazu beitragen, Versorgungssicherheit, Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu verbessern.
Auch in den Städten steht ein Umbruch bevor: Die Citylogistik wird sich neu organisieren. Mikrodepots, neue Umschlagpunkte und innovative Verkehrsträger – etwa elektrische oder autonome Lieferfahrzeuge – helfen, Lieferverkehre zu bündeln, Emissionen zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten zu erhöhen.
All diese Entwicklungen finden allerdings nicht im luftleeren Raum statt. Umfangreiche Baumaßnahmen an der Infrastruktur führen aktuell zu spürbaren Beeinträchtigungen für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen. Wir beobachten in dieser Phase teilweise eine Verlagerung von der Schiene auf die Straße. Langfristig werden die Region und ihre Menschen jedoch von diesen Investitionen profitieren. Entscheidend wird künftig sein, nicht nur auszubauen, sondern die bestehende Infrastruktur besser als in der Vergangenheit zu erhalten – etwa durch intelligente, vorausschauende Instandhaltung im Sinne von Predictive Maintenance. Das Start-up PreserviTec, gerade neu im HOLM angekommen, ist hierfür übrigens eine spannende Adresse mit Know-how und einer innovativen Lösung.
Zur Person:
Michael Kadow ist seit März 2015 Geschäftsführer der House of Logistics and Mobility (HOLM) GmbH. Vor seinem Wechsel zur HOLM GmbH war der Betriebswirt in verschiedenen Führungspositionen bei der Deutschen Bahn AG, unter anderem bei der DB Mobility Logistics AG und der DB Netz AG, und bei DB Schenker als Vice President und Leiter der Abteilung Business Excellence Strategy tätig.
Fotos © HOLM