Events 13.02.2026

Gemeinsamer Empfang mit Mitglied M.M.Warburg & Co: Wie wird das Kapitalmarktjahr 2026?

Europa muss sich auf seine eigenen Probleme konzentrieren

Konjunktur, Aktien, Inflation, Dollarkurs, Bitcoin: Auch 2026 dreht sich alles um die tiefgreifenden geopolitischen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft und Kapitalmarkt. Beim gemeinsamen Empfang mit Wirtschaftsinitiative-Mitglied M.M.Warburg & CO warf Chief Investment Officer Dr. Christian Jasperneite einen Blick in die Glaskugel. Zwischen Rekorden und Risiken ordnete er für die rund 80 Gäste Fundamentaldaten ein, gab Prognosen ab und bot eine Menge spannender Insights. Sein Fazit: „Politisch ist vieles verrückt, aber die Märkte sind nicht mehr so nervös und emotional wie noch vor 20 Jahren.“

Seit 43 Jahren ist M.M.Warburg & CO am Finanzplatz Frankfurt präsent und aktiv. „Und das wird auch in Zukunft so sein“, untermauerte Vorstand Stephan Schrameier, übrigens selbst Frankfurter, das Commitment des Hamburger Bankhaueses zum Standort. M.M.Warburg & CO mache sich gerade fit für die Zukunft, so Schrameier bei der Begrüßung der Gäste im Restaurant Opéra in der Alten Oper. So fokussiert sich das Bankhaus auf das Kundengeschäft in den Bereichen Private Banking und Finanzierung, betreibt keinen Eigenhandel mehr und implementiert eine neue IT-Plattform. Bei den „Oscars der Vermögensverwaltung“ wurde dieser Kurs erst kürzlich mit Spitzenpositionen in drei von vier Kategorien honoriert, wie der Vorstand berichtete. Wichtig sei es für das Bankhaus zudem, den Kunden ein gutes Netzwerk zu bieten – das zentrale Stichwort für den gemeinsamen Abend mit den Mitgliedern der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain.

Der Markt antizipiert extrem

„Es wird nicht langweilig. Es kommen immer wieder Dinge, die noch nicht da waren“, bekannte Dr. Christian Jasperneite, der bereits seit 25 Jahren in der Warburg-Gruppe tätig ist, zum Start seines Experten-Inputs. „Die Imperien sind zurück. Die Zeit, in der gemeinsame Entscheidungen zum allgemeinen Vorteil das Ziel waren, ist vorbei. Oder vielleicht gab es sie auch nie wirklich“, so der Chief Investment Officer. Man müsse grundsätzlich betrachten, was in der Welt los sei, aber dürfe sich nicht so sehr von den „politisch verrückten“ Nachrichten beeinflussen lassen.

Die Märkte seien längst nicht mehr so nervös und emotional wie früher. „Heute ist die Korrelation zwischen Fundamentaldaten und Markt sechs bis sieben Monate verschoben. Der Markt antizipiert extrem.“ In den letzten drei Jahren hätten sich BIP, Wachstum und Arbeitsmarkt relativ gleichförmig entwickelt, ohne große Verwerfungen im Konjunkturzyklus. Die Inflation habe sich in Europa wieder beruhigt, in den USA sei das noch nicht ganz erreicht. „Die Notenbanken haben einen guten Job gemacht.“ Ob er sich angesichts des bevorstehenden Führungswechsels Sorgen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed mache? „Wir sind da relativ entspannt, der künftige Fed-Chef wird keine Marionette sein.“

Auch wenn der Dollarkurs im letzten Jahr ein Problem gewesen sei, solle man sich von Donald Trumps Politik nicht von einem Engagement in den USA abbringen lassen. „Die Aktien haben nach wie vor Performance-Potenzial“. Ebenso müsse man keine Angst haben, dass es am Rentenmarkt einen Crash gebe. Der Trend pro Gold oder Bitcoin versus klassische Währungen werde derweil weitergehen.

Sorgen um Europa – Rückstand bei KI

„Es bringt nichts, sich über die USA aufzuregen, das ergibt keinen Erkenntnisgewinn. Wir müssen uns mehr auf unsere eigenen Probleme konzentrieren – und davon gibt es genug.“ Beispiel Künstliche Intelligenz (KI). „KI ist disruptiv und es wird auch viel Geld verschwendet. Aber die USA sind in diesem Thema um den Faktor 20 oder 30 aktiver als Europa. USA und China werden in fünf Jahren Fähigkeiten haben, an die wir nicht mehr herankommen. Wir tun uns so schwer, unsere wissenschaftlichen Fähigkeiten zu monetarisieren und in erfolgreiche Unternehmensgeschichten zu transferieren“, beklagte Dr. Jasperneite.

Apropos China: Was China liefere und in den letzten 20 Jahren geliefert habe, sei phänomenal. „China ist heute in vielen Bereichen Weltmarktführer und hat einen großen strategischen Willen“, so Dr. Jasperneite. Dennoch bleibe M.M.Warburg & CO aufgrund der politischen Voraussetzungen zurückhaltend. „Geschäftsmodelle können dort über Nacht enteignet werden. Man muss nicht überall mitlaufen.“

Zwei Jahrzehnte in Folge hätten sich die Indizes gut entwickelt – dominiert durch wenige Werte. „Unternehmen, die in den letzten 20 Jahren global produziert und verkauft haben, hatten eine durchschnittliche Jahresrendite von rund acht Prozent.“ Hier sieht der Experte von M.M.Warburg & CO eine Entwicklung zu mehr Resilienz und Lokalisierung. „Vielleicht geraten lokalere Unternehmen künftig mehr in den Fokus.“

 

Mehr unter:

Das könnte Sie auch interessieren: