Experten-Panel diskutiert auf der AMBITION4Frankfurt und Automechanika
Die Automechanika ist nicht nur eines der wichtigsten Ereignisse im Frankfurter Messekalender, sondern Weltleitmesse für den Automotive Aftermarket und als Messemarke sogar ein internationaler Exportschlager. Wo sonst sollte die Metropolregion FrankfurtRheinMain also die Zukunft ihrer Mobilität beleuchten? Im Zukunftsformat AMBITION4Frankfurt hat die Wirtschaftsinitiative bei der diesjährigen Messeausgabe ein brandaktuelles Thema für ihre Mitglieder und Gäste unter die Lupe genommen: das Zusammenspiel von Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, neuen Technologien und intelligenten Mobilitätskonzepten für unsere Region. Auf dem Panel im Blauen Saal der Festhalle: Vertreter von Mainova, Mercedes-Benz sowie ELMI Power. Das Motto: „Gemeinsam unter Strom“.
Lademöglichkeiten als Standortfaktor
„Bei der E-Mobilität ist es wie mit der Ketchup-Flasche. Man schüttelt, erstmal tut sich nichts und dann kommt alles auf einen Schlag“, machte Marc Boderke, Head of the Management Board im Rhine-Main Branch Network bei Mercedes-Benz, mit einem sehr eindrücklichen Bild die Diskussion auf. „Wir erleben derzeit ein explosives Nachfragewachstum bei Elektroautos.“ Die Gründe dafür sind aus seiner Sicht vielfältig: Es gebe vorteilhafte Regelungen für Dienstwagen, die Plattformen seien im Markt, die Fahrzeuge kämen gut bei den Kunden an, die Befürchtungen zur Reichweite hätten sich verflüchtigt. Und: Die durch den Irankrieg getriebenen Energiepreise wirkten als zusätzlicher Brandbeschleuniger. „Vor diesem Hintergrund werden Lademöglichkeiten zum Standortfaktor.“
Die richtige Ladetechnik am richtigen Platz
Lothar Stanka, Management Director von ABGnova und Bereichsleiter bei Mainova, ergänzte seine Perspektive: „Wir bauen bis 250 Kilometer um Frankfurt herum Ladestellen aus und hoffen, dass jetzt mehr Fahrzeuge kommen. Denn wir sind hier in den letzten Jahren ganz bewusst in die Investition gegangen. In der Frankfurter Innenstadt gibt es bereits viele Ladepunkte in Parkhäusern, auch auf REWE-Parkplätzen sind wir präsent.“ Es gehe darum, an jedem Standort zu schauen, was die richtige Ladetechnik und Ladeleistung sei.
Dazu hatte Xin Xu, CEO & Founder des Wirtschaftsinitiative-Neumitglieds ELMI Power, einiges zu sagen. Mit seinem Startup entwickelt er batterieunterstützte Schnellladesäulen, die unabhängig von Stromnetzschwankungen arbeiten, indem sie die gelieferte und benötigte Energie zeitlich entkoppeln. Damit E-Autos gerade im urbanen Raum schnell, bezahlbar und unkompliziert geladen werden können. „Unsere Ladelösungen funktionieren gut zum Nebenbei-Laden, wenn der Kunde etwas erledigen muss, also in einem Zeitrahmen von 15 bis 45 Minuten. Wir sind zum Beispiel bereits in München, Starnberg, Berlin, Hamburg, aber auch hier in Frankfurt mit Projekten aktiv.“ Für den Einsatz brauche es keine Baugenehmigung, sondern nur eine Netzzusage. „Wir nutzen Batterien, um Trafo-Stationen zu ersetzen“, so Xu.
Start in die „All electric”-Ära
Von Beginn an lud Moderator Daniel Schleidt, F.A.Z.-Wirtschaftskoordinator für Rhein-Main & verantwortlicher Redakteur für das Magazin Metropol, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu ein, sich direkt in die Diskussion einzumischen. Und es mangelte nicht an Fragen. „Haben wir genug Strom?“, lautete eine. Darauf musste natürlich Mainova-Mann Lothar Stanka antworten. „Ja, wir bauen das Netz innerhalb Frankfurts aus, nehmen Netzverstärkungsmaßnahmen vor. Aber der Strom muss auch nach Frankfurt kommen. Das benötigt ebenso Finanzierung und Zeit.“ Was die Gäste zudem interessierte: Wie soll das E-Auto-Laden für Mehrparteienhäuser oder Altbaumieter künftig funktionieren? Mainova biete Vorinstallationen im Mehrparteienhaus an, so Stanka. Doch leider sei Deutschland bei vielen Themen langsamer als andere Länder, etwas beim Smart-Meter-Rollout. Marc Boderke sieht hier auch die Kommunen in der Pflicht. „Wo sollen die Leute auf der Straße laden? Wir brauchen Lösungen, die der Elektromobilität mehr Relevanz verschaffen.“
Natürlich durfte auch die Frage nach der Zukunft der Elektromobilität nicht fehlen. „Wir gehen in eine neue ‚All electric‘-Ära. Die Konkurrenz um die Netzkapazität wird in der Zukunft eine große Rolle spielen“, ist sich Xin Xu sicher. Auch Lothar Stanka erkennt ein bleibendes Spannungsfeld. „Das Ökosystem, das wir in Deutschland und Europa umsetzen wollen, ist eine Wette in die Zukunft. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten.“ Marc Boderke wünscht sich für die Zukunft verlässliche Rahmenbedingungen.
Apropos Wünsche: Zum Schluss läutete Daniel Schleidt noch eine „Wünsch Dir was“-Runde in Bezug auf Elektromobilität ein. Für Xin Xu wären es schnellere Netzanschlusszusagen, für Lothar Stanka schnellere Genehmigungsprozesse und für Marc Boderke „Ladepunkte, Ladepunkte, Ladepunkte – an der entsprechenden Location“.
Das Panel „Gemeinsam unter Strom“ war Teil des Automechanika-Specials AMBITION4Frankfurt, das noch weitere Veranstaltungen zu bieten hatte – unter anderem den F.A.Z.-Live-Podcast „Software statt Schraubenschlüssel“. Ebenso gehörte die vom Marketing Club Frankfurt organisierte Diskussionsrunde „MARKE FRANKFURT Mobility“ dazu. Die Mitglieder und Gäste der Wirtschaftsinitiative hatten die Möglichkeit, am Veranstaltungstag das komplette Messeprogramm zu besuchen.