„Für Euch entdeckt“ – Kolumne Nr. 3 von Jürgen Schmitt
Denke ich an Recycling, denke ich an Wertstoffe, die in ein zweites Leben geführt werden. Wertstoffe, die ihr erstes Leben hinter sich haben, aussortiert wurden und dennoch viel zu schade sind, um final entsorgt zu werden. Wo landet Abfall? Oft leider in der Verbrennungsanlage. Wäre es nicht machbar, Wertstoffe öfter wiederzuverwerten? Denn wir wissen es alle: Ressourcen sind begrenzt. Und auch wenn Neuware derzeit günstig offeriert wird: Wie lange kann ich mich darauf verlassen? Was, wenn ich eine zweite Linie aufbaue und Prozesse durchdenke und Altware wieder in den Kreislauf bringen kann? Und gelingt sogar ein „Besser als neu“? Lasst uns das gemeinsam herausfinden. Hier geht’s zu Kolumne Nr. 3 und zwei neuen Entdecker-Videos.
Ich war wieder unterwegs und habe mir angeschaut, was machbar ist. Die Besonderheit bei meiner Erkundung: Es geht um Plastik. Kunststoffe. Sie erfordern eine andere Herangehensweise als klassische Metalle, die nahezu unbegrenzt recycelt werden könnten.
Plastik oder allgemein Kunststoffe? Industrieabfälle, aus denen neue Werkstoffe werden. Material, das im Kreislauf gehalten werden kann. Wie sieht es aus, dieses Recycling auf Augenhöhe? Kann das recycelte Material wirklich mit Neuware mithalten? Und was muss dafür getan werden? In den letzten 40 Jahren hat sich in diesem Sektor viel getan. Bei der Qualität, aber auch bei der Wahrnehmung. Was früher als eher minderwertig betrachtet wurde, hat heute nicht nur eine andere Akzeptanz, sondern bildet einen eigenen Markt. Früher „Schmuddelkind“, sagt mein Protagonist im Film. Aber seht selbst, was sich getan hat. Auch ich hatte eine „Schublade“ im Kopf, als ich das Thema angegangen bin. Und wurde überrascht.
Herausforderungen beim Recycling von Kunststoffen gibt es viele. Ist es überhaupt wirtschaftlich, die „Reste“ aufzuarbeiten? Denken wir wieder daran, dass auch die Ressourcen für Kunststoffe endlich sind. Und was, wenn demnächst „Recycling-Quoten“ kommen? Und wie bemisst sich der CO2-Fußabdruck? Wieso kann Neuware so günstig angeboten werden? Wo kommt das Material her und wie abhängig machen wir uns damit?
Bei Recycling denke ich sofort: Wie sieht es überhaupt mit der Qualität aus? Ich habe es mir angeschaut. Vor Ort. In einem Recyclingbetrieb. Das beginnt dort schon beim angelieferten Material der entsorgten Wertstoffe. Was durchaus auch eine aufwendigere Sortierung und Aufarbeitung erfordert. Wer sich fragt, ob sich der Aufwand lohnt, wird sich auch fragen müssen, wieso wir keine Alternative zur Neuware aufbauen. Primärrohstoffe, die heute preiswert sind, können morgen teuer werden. Und nochmals: Eine Unabhängigkeit in der Lieferkette fängt schon früher an. Sind wir in der Lage, Produkte herzustellen, auch wenn Rohstoffneuware nicht verfügbar ist?
Kommt mit und entdeckt den Ablauf bei einem Kunststoff-Recycler. Von der Logistik und individuellen Herausforderungen bis zur Entstehung der verschiedenen Compounds. Compounds? Ich musste selbst nachfragen. Das sind aufbereitete Kunststoffwerkstoffe, die für die weitere Verarbeitung optimiert werden. So genannte Rezyklate, die mit weiteren Komponenten vermischt werden können, um ein Granulat herzustellen, das bestimmte Verwendungszwecke im „zweiten Leben“ erfüllt. Compounds, die definierte technische Eigenschaften besitzen und wieder in den Produktkreislauf kommen. Gestern Armaturenbrett im Auto, heute Werkzeugkoffer? Oder Airbag-Garne, die zu Gehäusen für Elektrogeräten werden. Oder vielleicht sogar zu einem neuen Rucksack oder einer Tasche? Wisst ihr, was ihr auf eurer Schulter tragt und was es früher vielleicht einmal war?
Heute habe ich nicht nur einen Beitrag für euch zu diesem Thema, sondern gleich zwei. Wenn ich auf „Entdeckung“ bin, dann schaue ich gerne genauer hin. Im ersten Beitrag seht ihr, wie das Unternehmen Enneatech aus Ostfriesland Kunststoff-Recycling neu denkt. Denn dort liegt es auch am Verfahren, dass die Compounds „besser als neu“ werden können. Und im zweiten Beitrag reden wir über den „Closed Loop“: wenn Wertstoffe in ihrem Kreislauf bleiben und immer wieder neu entstehen. Hättet ihr gedacht, dass die Kunststoffelemente in einem Fenster theoretisch 280 Jahre alt werden können? Schlicht, weil die Lebenszeit eines Fensters in etwa 40 Jahre beträgt und die Kunststoffbauteile bis zu sieben Mal recycelt werden könnten? Ein Haufen Schrott, den ihr im zweiten Beitrag seht, der früher Teil eines Fensters war. Unvorstellbar: aber wieder eines werden könnte!
Ebenso interessant zu wissen: Ab 2030 greifen EU-Direktiven zur Erfüllung von Recycling-Quoten. Wir reißen es in den Beiträgen an. Auch das führt zu einem Umdenken. Denn es schont nicht nur Ressourcen. Es verringert Abfälle und ihr ahnt es: Es könnte zu einer höheren Nachfrage nach Sekundärrohstoffen führen. Rezyklate, die spätestens dann helfen, nicht nur den CO2-Fußabdruck zu verringern. Würde ich heute schon recycelte Waren kaufen? Ich achte vermehrt darauf. Denn durch meine Expedition ist mir vieles bewusster geworden. Vielleicht war auch mein Rucksack früher Teil eines Airbags? Wäre schon spannend zu wissen, oder?
Filme ab. Es lohnt sich!
Euer Jürgen