cosy.green, ENVIOTECH und ELMI Power sind dabei
Optimierte Heizungsanlagen, von denen Mieter, Vermieter und Klima profitieren. Upgrade-Kits, die Straßenlaternen smart dimmen. Batteriegestützte Schnellladesäulen, die Elektromobilität in der Stadt unabhängig von Stromnetzschwankungen machen. Gibt es alles! Die Geschäftsideen stammen von drei Startups aus FrankfurtRheinMain – mit ihren technischen und digitalen Innovationen wollen sie einen Beitrag zur Energiewende leisten. Jetzt sorgt das Startup-Mentoring-Programm von Zühlke, Wirtschaftsinitiative, STATION und Momentum dafür, dass cosy.green, ENVIOTECH und ELMI Power den „Boozt“ erhalten, den sie brauchen. Der Startschuss für Batch #9 ist kürzlich gefallen. Eine Premiere bei der Pitch Night Mitte Juni: Mit Prof. Dr. Klaus-Michael Ahrend (HEAG Holding) und Prof. Dr.-Ing. Peter Birkner (House of Energy) challengten zwei Top-Experten aus der Energiebranche die Startups.
Es geht weiter
Über 30 Startups haben sich seit 2020 bereits den Schub für ihr Geschäftsmodell abgeholt, viele haben sich inzwischen erfolgreich etabliert oder sogar einen Exit hingelegt. Auch beim neunten Durchlauf von Boozt your Business zeigt sich: FrankfurtRheinMain ist eine dynamische und facettenreiche Startup-Region und hat eine Menge Innovation zu bieten. Zum zweiten Mal konzentriert sich das regionale Mentoring-Programm für Early-Stage-Startups auf eine Branche, diesmal auf den Energiesektor. „Deutschland möchte bis 2030 80 Prozent des Energiebedarfs über Erneuerbare Energie abdecken und bis 2045 klimaneutral werden. Dafür braucht es nicht nur die physikalische Energiewende – Netze, Windräder, Solaranlagen etc. Genauso notwendig ist die digitale Energiewende, um Flexibilität und Resilienz zu schaffen. Das geht nicht ohne smarte Startups, die tolle Ideen haben und die Extrameile gehen – wie cosy.green, ENVIOTECH und ELMI Power“, so Philipp Harrschar, Energie-Spezialist beim Transformations- und Innovationsdienstleister Zühlke, in seinem Intro zur Pitch Night. „Zudem freue ich mich sehr, dass wir heute mit Klaus-Michael Ahrend und Peter Birkner zwei echte Branchen-Insider mit an Board haben, die den Boozt your Business-Startups wichtige Tipps und Einschätzungen mit auf den Weg geben können.“
Wirtschaftsinitiative und drei Mitglieder richten Mentoring-Programm aus
Bevor die Startups in den Pitch-Ring stiegen, stellten Jörg Schaub (Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain), Carolin Wagner (STATION), Philipp Weber (Momentum) und Stefan Grasmann (Zühlke) kurz das Konzept des Mentoring-Programms vor. Während die Wirtschaftsinitiative die Vernetzung zu Corporates und in die Region gewährleistet, fungiert STATION als Stimme der Startup-Community. Momentum bietet juristisches Know-how im Wachstums- und Finanzierungsbereich. Und Zühlke stellt Mitarbeitende zu Verfügung, die einen Mix aus
Tech-, KI-, UX- und Business-Know-how einbringen.
Die Tech-Ausrichtung ist denn auch das besondere Asset des Mentoring-Programms. In den kommenden Monaten werden Mentorinnen und Mentoren von Zühlke den Startups dabei helfen, die eine oder andere harte Nuss zu knacken, Road Blocker aus dem Weg zu räumen, Produkte zu schärfen, Klarheit zu gewinnen. Vor rund 50 Gästen pitchten die drei Mentees darum, die passenden Zühlke-Mentoren von sich zu überzeugen.
Die Protagonisten von Batch #9
- cosy.green: Alexander Hirsch, Co-Founder & CEO, machte den Anfang. Sein Startup adressiert die Wohnungswirtschaft mit einer ganzheitlichen Form der Heizungsoptimierung. „Die Vollsanierung eines Gebäudes ist teuer und langwierig. Deshalb schauen wir auf das, was da ist, und packen viele kleine Stellschrauben in eine Lösung“, berichtete er. Der Ansatz von cosy.green verknüpft den tatsächlichen Wärmebedarf der Bewohner mit der Steuerung der Heizungsanlage und reduziert so den Heizenergieverbrauch um bis zu 40 Prozent. Das Ass im Ärmel: Das cosy.green-Angebot ist für den Vermieter umlegbar. Ein „Win-win-win“ für Vermieter, Mieter und den Klimaschutz. Erste Gebäude sind bereits angebunden, mehrere tausend weitere Wohneinheiten sind kontrahiert. Im Mentoring soll es um Team-Wachstum, Produktion und Kommunikation mit den Mietern gehen.
- ENVIOTECH: Vor wenigen Tagen hat Co-Founderin Linh Pham das hessische Halbfinale des Female Founders Contests gewonnen und fährt im September zum Finale nach Potsdam. Auch bei der Boozt your Business-Pitch Night wusste sie gemeinsam mit Kollege Peter Kletsko zu überzeugen. „Ein Freund von uns hat sich bei ausgeschalteter Straßenbeleuchtung schwer verletzt“, erläuterten sie den Anstoß zur Gründung. „ENVIOTECH bietet Nachrüstmodule für bestehende Straßenlaternen, die auf Bewegung reagieren und automatisch dimmen. Wenn niemand da ist, läuft die Straßenbeleuchtung auf 10 bis 20 Prozent. Die Installation dauert nur wenige Minuten. Unser Produkt spart den Kommunen bis zu 80 Prozent Energie und ist ein Grundelement von Smart-City-Lösungen.“ Wie bauen wir das beste und langlebigste Produkt? Wie schaffen wir Skalierung? Und wie gestaltet man eine Benutzeroberfläche, die begeistert? Diese Fragen will das ENVIOTECH-Team im Mentoring bearbeiten.
- ELMI Power: Die Transformation von der zentralen zur dezentralen Energieversorgung bildet den Kern der Energiewende. Das sorgt für Volatilität, für die die Netzte nicht ausgelegt sind. „Damit E-Autos gerade im urbanen Raum schnell, bezahlbar und unkompliziert geladen werden können, hat ELMI Power batterieunterstützte Schnellladesäulen entwickelt, die unabhängig von Stromnetzschwankungen arbeiten, indem sie die gelieferte und benötigte Energie zeitlich entkoppeln. Momentan werden viele Elektroautos zugelassen, die Nachfrage wird immer größer“, so CEO & Founder Xin Xu, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jonas Meyer den Pitch bestritt. 35 Projekte verfolgt das umtriebige Startup derzeit. Mentoring-Bedarf gibt es vor allem im Bereich Software-Entwicklung und KI.
Das Feedback der Energie-Experten
„Wenn Ihr das alles erfolgreich auf den Markt bringt, werden wir eine bessere Zukunft haben“, fasste Philipp Harrschar zusammen und bat die Experten, ihre Eindrücke zu den drei Newcomern zu teilen. Der einhellige Tenor: sehr beeindruckende Geschäftsmodelle mit klaren Potenzialideen. HEAG-Vorstand Prof. Dr. Klaus-Michael Ahrend riet dazu, genau hinzuschauen, ob man als neuer Akteur tatsächlich eine eigene Hardware bauen oder eher als Orchestrator Komponenten zukaufen sollte. Im Falle von ENVIOTECH empfahl er, sich intensiv mit dem Vergaberecht der Kommunen zu befassen und im Mentoring auch juristische Fragen einzubeziehen. Prof. Dr.-Ing. Peter Birkner plädierte dafür, die Energiesituation in Deutschland nicht zu generalisieren und die EU-Marktperspektive immer mitzudenken. Zudem erinnerte der House of Energy-Geschäftsführer daran, auch neue Energiegewinnungsmethoden wir die laserbasierte Kernfusion im Blick zu behalten – ein Vorreiter ist hier ja das Darmstädter Unternehmen Focused Energy. „Ich hoffe sehr, dass alle drei Startups skalieren werden – mit möglichst vielen deutschen Investoren“, schloss Prof. Dr. Ahrend.