Wirtschaftsgespräche am Main mit adidas-CEO Kasper Rorsted

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  • 05.04.2019

„adidas könnte nicht nach München oder Frankfurt ziehen“

Er trifft Lionel Messi, reist alle sechs Wochen nach China, fährt mit dem Rad ins Büro und hat, wie er sagt, „den besten Job der Welt": Kasper Rorsted, seit Herbst 2016 CEO von adidas und Anfang April Gast der 102. Wirtschaftsgespräche am Main. Seit er das Ruder übernommen hat, eilt das erfolgreiche internationale Unternehmen von Rekord zu Rekord. Wie die Herzogenauracher den Spagat zwischen globaler Mega-Marke und fränkischen Wurzeln, zwischen Digitalisierung und analogen Produkten, zwischen Sportartikel- und Lifestylemarkt meistern, berichtete der gebürtige Däne den rund 100 geladenen Gästen im obersten Stock des Frankfurter Hotels InterContinental. Stilecht in Sneakers und Sportjacke.

97 Prozent der Europäer kennen die Marke mit den drei Streifen, hierzulande hat wohl so gut wie jeder ein solches Produkt im Schrank. Doch Fakt ist: Der deutsche Markt macht mit sechs Prozent nur noch einen geringen Anteil aus. Die Musik spielt für adidas woanders. China boomt nach wie vor mit zuletzt rund 23 Prozent Wachstum, im „Nike"-Land und weltweit größten Sportmarkt USA läuft die Aufholjagd auf Hochtouren und das Online-Geschäft hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. So war 2018 das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte – und 2019 schickt sich an, noch besser zu werden. „Wir sind ein klarer Gewinner der Globalisierung, das kann man nicht anders sagen", bekannte Rorsted beim Business Luncheon in FranfurtRheinMain. Global sei das Unternehmen jedoch nicht nur im Geschäftlichen, sondern auch mit Blick auf die Mitarbeiter. „Allein an unserem Hauptsitz Herzogenaurach arbeiten Mitarbeiter aus 100 Nationen. Ich behaupte mal, wir sind der internationalste DAX-Konzern, in jedem Fall aber der jüngste." Und ein begehrter Arbeitgeber – rund 1,4 Millionen Bewerbungen gingen im letzten Jahr bei adidas ein.

Global und digital

Junge und innovative Mitarbeiter sucht und braucht adidas laut Rorsted auch unbedingt, denn alles dreht sich um die Digitalisierung – in der Kommunikation und Kundeninteraktion genauso wie im Produktbereich. In der Schuhherstellung hat der 3-D-Drucker Einzug gehalten. 90 Prozent der rund drei Milliarden Euro Marketingkosten setzte adidas im letzten Jahr digital ein. Und der Chef postet regelmäßig auch höchstpersönlich in den Sozialen Medien. „In Sachen Digitalisierung ist China Vorreiter. Das bietet uns enorme Möglichkeiten." So hat adidas sein Digitalisierungscenter in Fernost platziert, experimentiert mit Techniken zur Gesichtserkennung und mobilen Bezahlsystemen. „Das würde in Europa so nicht gehen."

Natürlich wollte das Publikum auch den Menschen hinter dem Top-Manager und „Börsenstar", der den Aktienkurs seines Unternehmens enorm gesteigert hat, kennenlernen. „Ich bin gebürtiger Däne und im Herzen Bayer", hatte er sich nach der Einführung durch den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Wirtschaftsinitiative Prof. Dr. Mathias Müller vorgestellt. Bereits seit 1991 lebt und arbeitet Rorsted in Deutschland, seine vier Kinder sind in München geboren. Vor seinem Wechsel zu adidas wirkte er elf Jahre lang als Vorstand und CEO des Konsumgüterkonzerns Henkel. „Sport ist ein emotionales Geschäft und ich habe eine echte Leidenschaft für unsere Produkte. Henkel, das ist auch ein tolles Unternehmen. Doch ich muss zugegeben, dass ich jetzt tatsächlich den besten und coolsten Job der Welt machen darf." In Frankfurt sei er übrigens gerne, auch verfolge er natürlich den aktuellen Höhenflug der Eintracht. „Der Verein macht das gut, kann aber natürlich nur Meister werden, wenn er den Ausrüster wechselt", sorgte er für einen Lacher. adidas konzentriert sich auf Top-Teams wie Bayern München, Real Madrid, Manchester United und Juventus Turin und stattete bei der vergangenen Fußballweltmeisterschaft zudem zwölf Nationalmannschaften aus.

Regionale Wurzeln

Bevor es in eine lebhafte Fragerunde mit den Gästen ging, wie gewohnt von F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka moderiert, war es Rorsted wichtig, noch eine Sache zu betonen: „Ja, wir brauchen als Weltmarke eine starke globale Positionierung und Strahlkraft. Doch wir sind nach wie vor stolz auf unsere Herkunft, auf unsere außergewöhnliche Entstehungsgeschichte in einem kleinen Ort im Fränkischen." Derzeit expandiert das Unternehmen am Campus in Herzogenaurach massiv, der Ausbau der „World of Sports" läuft. „adidas könnte mit seinem Headquarter nicht nach München oder Frankfurt ziehen. Das wäre einfach nicht authentisch ."

Fotos: Kirsten Bucher

„Wirtschaftsgespräche am Main" ist ein exklusives Veranstaltungs- und Kooperationsformat, das die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain gemeinsam mit der Messe Frankfurt, dem Hotel InterContinental Frankfurt und der F.A.Z. ausrichtet.

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