Gründerhub-Meetup: Wo Startups sind, ist regionale Zukunft

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  • 22.11.2019

Wirtschaftsinitiative-Förderprojekt STATION gehört zum Experten-Panel

FrankfurtRheinMain ist nicht Berlin. Oder London. Oder Tel-Aviv. Und das ist auch gut so. Schließlich hat die Metropolregion ihre eigenen Stärken und das Potenzial, als Startup-Standort ganz vorne mitzuspielen. Was aber braucht es, um jetzt so richtig durchzustarten? Darüber diskutierten Akteure aus der Region und dem Ökosystem einen ganzen Tag lang im Güterbahnhof Bad Homburg. Auf dem Podium des Gründerhub-Meetups nahmen neben dem hessischen Wirtschaftsminister sowie dem Chef der Staatskanzlei auch der Darmstädter IHK-Präsident und drei „Praktiker" aus der Gründerszene Platz – darunter einer der Co-Founder der Startup-Plattform STATION, die die Wirtschaftsinitiative seit mehreren Jahren nachhaltig unterstützt. Eingeladen hatte das länderübergreifende Strategieforum FrankfurtRheinMain. Deutlich wurde dadurch auch: Die Startup-Förderung genießt mittlerweile eine hohe Aufmerksamkeit in der Landespolitik – von Hessen über Bayern bis Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. In Zeiten des Umbruchs hat sich die Erkenntnis verfestigt, dass es nur mit innovativen Startups gelingen wird, Wirtschaft und Wohlstand des 21. Jahrhunderts zu gestalten – und dass der Schlüssel zum Erfolg in der regionalen Perspektive liegt.

286 Milliarden Euro – so hoch ist das Bruttoinlandsprodukt in FrankfurtRheinMain. Wäre die Metropolregion ein eigener Staat, läge sie auf einem veritablen 11. Rang der wirtschaftsstärksten EU-Staaten. „Hier schlägt das ökonomische Herz Deutschlands, hier wird gegründet, hier ist immer Bewegung", so der Chef der Wiesbadener Staatskanzlei und Vorsitzende des Strategieforums FrankfurtRheinMain Axel Wintermeyer zum Veranstaltungsstart. Rund 70 Gründerzentren gebe es, die aber praktisch kaum zusammenarbeiteten. „Wir brauchen in der Wirtschaft beides – etablierte Flaggschiffe und Innovation durch Startups. Und vor allem müssen wir die Region länderübergreifend sehen." Das Strategieforum FrankfurtRheinMain, Anfang 2018 ins Leben gerufen, begreift sich als Thinktank und will Impulse für die regionale Zusammenarbeit über Bundesländergrenzen hinweg setzen. Zum Strategieforum gehören die Hausspitzen der hessischen, bayerischen, rheinland-pfälzischen und baden-württembergischen Staatskanzleien, ebenso ausgewählte Vertreter aus Kommunen, Landkreisen sowie Wirtschafts- und Handwerkskammern. Die Wirtschaftsinitiative ist hier in den Fachgruppen Mobilität und Gründerregion aktiv.

Der Darmstädter IHK-Präsident Matthias Martiné, dessen Kammer-Bezirk bis zum Rhein-Neckar-Raum reicht, brachte es anschließend auf den Punkt: „Für die Menschen spielen Bundesländergrenzen keine Rolle, das gilt auch für Gründer und Startups. Es ist jetzt an uns allen, der wachsenden Startup-Szene in der Region noch mehr Kraft zu geben." Auch Bürokratieabbau spiele dabei eine Rolle.

Gründer und Startups sind nicht dasselbe

Im Automotive-Bereich werde sich in den kommenden fünf Jahren mehr verändern als in den 50 Jahren zuvor, beschrieb der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir beispielhaft den Wandel, in dem sich zahlreiche Branchen derzeit befinden. Bestehende Geschäftsmodelle stünden unter Druck, die Wirtschaft sei auf neue Unternehmen und neue Ideen angewiesen. „Innovative Startups können die Wirtschaft nachhaltig verändern. Und sie benötigen mehr und manchmal auch etwas anderes als kleine lokale Gründer." Das Potenzial für den Startup-Standort FrankfurtRheinMain sei da, man müsse nun die notwendigen Knoten knüpfen und das Netz stärken. Die hessische Landesregierung habe sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die Schaffung eines ambitionierten Wachstumsfonds verständigt, mit einem Volumen von 200 Millionen Euro, ergänzte Wintermeyer. „Ziel muss es aber sein, auf eine grenzenlose Förderstruktur hinzuarbeiten. Davon profieren am Ende alle beteiligten Bundesländer." Ein gemeinsamer Fonds zwischen Hessen und Baden-Württemberg existiere bereits.

Direkt von der Startup-Front berichteten anschließend Dr. Sebastian Schäfer, Paul Herwarth von Bittenfeld und Daniel Nowack. Schäfer, Co-Geschäftsführer des TechQuartiers, zitierte den jüngsten Global Startup Ecosystem Report. Hier rangiert FrankfurtRheinMain unter den „Top 25 Ecosystems to watch" in den Bereichen FinTech und Cybersecurity. Auch wenn es bisher nur 400 Startups in der Region gibt, etwa im Vergleich zu 6.000 in und um Tel-Aviv, sieht Schäfer beste Voraussetzungen und eine gute Entwicklung. Das gelte es jetzt auf die Straße zu bringen – from Round Table to Market. STATION-Co-Founder Herwarth von Bittenfeld, der zu den Pionieren der regionalen Startup-Szene gehört, formulierte klare Forderungen „an uns alle hier im Raum". „Wir müssen globaler denken, denn der Startup-Wettbewerb ist international. Wir müssen jungen Leuten das Unternehmertum schmackhaft machen. Wir müssen Dezentralität als Chance begreifen. Und wir müssen gemeinsam unsere eigene Story schreiben." Mit STATION hat die Region endlich eine zentrale digitale Anlaufstelle für Startups und Innovation. Seit Ende 2018 versorgt sie die Szene mit allen relevanten News, bietet Verzeichnisse, Job Offers und Events. Neben der Wirtschaftsinitiative engagiert sich auch Mitglied PwC in hohem Maße für STATION.

Bevor es in eine offene Diskussionsrunde und die nachmittäglichen Barcamp-Sessions ging, stellte Daniel Nowack, Managing Director von Yunus Social Business, schließlich die Werte-Frage: „Welche Art von Startups wollen wir fördern?" Unter den zehn erfolgreichsten deutschen Startups sei mit Sonnen nur ein Unternehmen, dass sich einem sozialen oder nachhaltigem Thema verschrieben habe. „Als Region können wir hier Maßstäbe setzen – wenn wir es wollen."

Mehr unter:
www.strategieforum-frankfurtrheinmain.de
www.station-frankfurt.de

Fotos © Hessische Staatskanzlei / Salome Roessler

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