ZEIT für Deine Stadt: Neue Konferenzreihe feiert Premiere in FrankfurtRheinMain

Veranstaltungen

  • 12.06.2018

In welcher Stadt wollen wir morgen leben?

Wichtige Zukunftsthemen, besondere Gäste, ungewöhnliche Location, überraschendes Programm: Das vom ZEIT-Verlag ins Leben gerufene neue Veranstaltungsformat zog alle Register, damit sich möglichst viele Menschen in FrankfurtRheinMain Zeit für ihre Stadt(region) nahmen. Die Wirtschaftsinitiative war als Netzwerkpartner mit von der Partie. Diskutiert wurde in der Frankfurter Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter mit ausgewiesenen Experten und bekannten Persönlichkeiten über Wohnen und Arbeiten, Migration und Integration, urbane Mobilität und nicht zuletzt über „Heimat" – den alten neuen Begriff der Stunde. Highlights: ein mitreißender Vortrag des Tinyhouse-Aktivisten Van Bo Le-Mentzel, ein entspanntes Gespräch mit dem Rödelheimer Rap-Urgestein Moses Pelham und eine „Highspeed-Sprechstunde" mit dem Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef.

„Kultur für alle" – dafür kämpfte der vor wenigen Tagen verstorbene ehemalige Frankfurter Kulturstadtrat und „Vater des Museumsufers" Hilmar Hoffmann. Naheliegend also, dass sich die erste Frage des Tages an sein Credo anlehnte: Wie können wir in Zeiten der Gentrifizierung Räume und Plätze für alle schaffen? Und das, obwohl Frankfurt „keine Plätze kann", wie es Anselm Weber, der Intendant des Schauspiels Frankfurt, kolportierte. Gemeinsam mit weiteren Kulturschaffenden versuchte er sich hier an Antworten.

Ganz konkret und bürgernah wurde es bei der anschließenden Runde mit Mike Josef, der als einziger politischer Akteur geladen war. „Wir sind eine Regionalstadt, die sich nicht isoliert betrachten lässt", brach der Frankfurter Stadtrat und Dezernent für Planen und Wohnen eine Lanze für eine konsequent regionale Entwicklungsperspektive. Mit 20 schnellen Fragen „grillten" ihn Moderator und Publikum. Natürlich dabei besonders im Vordergrund: die rasant steigenden Mieten.

Heimat entsteht da, wo man sich zu Hause fühlt

Die Session über Migration, Integration und Identität eröffnete Till Behnke, Gründer und Geschäftsführer des Nachbarschaftsnetzwerks nebenan.de. Anna Scheuermann, Kuratorin am Deutschen Architekturmuseum, ließ zudem das Projekt „Making Heimat" nochmals aufleben, das sie für den deutschen Pavillon bei der Architekturbiennale 2016 maßgeblich mitgestaltet hatte. Es basiert auf den Ideen des kanadischen Autors Doug Saunders, der die Bedeutung von „Ankunftsstädten und -regionen" für die Integration von Migranten weltweit untersucht und dabei auch FrankfurtRheinMain unter die Lupe genommen hatte – die Wirtschaftsinitiative unterstützte seine Analyse 2015 gemeinsam mit vielen anderen Partnern aus der Region. Dann kam Moses Pelham. Der Sohn eines amerikanischen Blues-Musikers thematisiert in seinen Rap-Songs immer wieder seine Herkunft aus einem Rödelheimer Hochhausviertel.

„Lassen Sie uns gemeinsam Wohnen neu denken", forderte Van Bo Le-Mentzel das Publikum in seinem Vortrag im Stil eines „Lightning Talks" auf. Der Architekt, der in der Tinyhouse-Bewegung sehr aktiv ist, beschäftigt sich mit der Schaffung von bezahlbarem – und räumlich reduziertem – städtischen Wohnraum. Sein aktuelles Projekt, für das er in FrankfurtRheinMain noch Unterstützer sucht, ist ein „Co-Being-House". Die Session zur Architektur in der Stadt rundete Ben van Berkel ab. Der international renommierte Architekt aus Amsterdam zeichnet für „FOUR" verantwortlich, das aktuell größte und ambitionierteste Hochhausprojekt Frankfurts.

Wichtig war den Machern der Konferenz vor allem auch die Bürgerperspektive auf „ihre Stadt". Ein im Vorfeld gestarteter Ideenwettbewerb zeigte, was den Menschen in FrankfurtRheinMain wichtig ist: urbane Lebensqualität. Zum Gewinner wählten die Konferenzteilnehmer die Projektidee zweier Stadtplanerinnen, den verwaisten Grünstreifen entlang des Frankfurter Alleenrings zum „Alleenpark" umzugestalten. Ihr Motto „Grün für alle" zeigt: Der Geist von Hilmar Hoffmann lebt!

Mehr unter:
www.convent.de/de/archiv/zeit-events/zeit-fuer-deine-stadt

Fotos © Andreas Henn  

Die Konferenz „ZEIT für Deine Stadt" soll in der Folge auch in anderen deutschen Städten stattfinden. Organisiert wird das Format von Convent Kongresse, einem Mitglied der Wirtschaftsinitiative. Zum Gesamtkonzept gehört eine Sonderausgabe des ZEITmagazins mit dem entsprechenden regionalen Fokus.

Andreas Henn

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