Metropol 2030: Gründer als Zünder für FrankfurtRheinMain?!

Veranstaltungen

  • 15.03.2018

Wie Start-ups etablierte Unternehmen fordern und die Region vorantreiben

Ob sich das Silicon Valley warm anziehen muss, sei dahingestellt. Aber sicher ist: Das Gründerland Deutschland kommt ins Rollen! Nicht nur in Berlin boomt die Start-up-Szene, auch in der Metropolregion FrankfurtRheinMain wächst und gedeiht ein Ökosystem für junge Unternehmen. Getrieben durch die Digitalisierung, stehen vor allem in den vier Cluster-Branchen Finanzen, Health, IT und Logistik die Zeichen auf Wandel. Die großen Fragen dabei: Wie reagieren die etablierten Unternehmen? Kooperieren oder konkurrieren sie mit den Start-ups? Profitiert die Region FrankfurtRheinMain von der Kraft des Neuen – oder sind über Jahrzehnte gewachsene Strukturen in Gefahr? Zündende Antworten lassen sich nur gemeinsam finden. Den Raum dafür bot zum zweiten Mal das Zukunftsforum „Metropol 2030", das die Wirtschaftsinitiative zusammen mit dem F.A.Z.-Fachverlag im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hatte. Vier Start-ups stellten sich dem „Elevator-Pitch", vier Corporates begaben sich in die „Fishbowl" und zwei Impulsvorträge sorgten für Überraschungen.

Auch gestandene FrankfurtRheinMainer lassen sich immer wieder gerne vom Fernblick in die Region und auf das urbane Häusermeer gefangen nehmen – das bewiesen die rund 150 Gäste, die Hausherr Dr. Ulrich Störk im 50. Stock des pwc-Towers begrüßen durfte. Der Frankfurter Standortleiter und frisch gebackene Deutschland-Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, zumal langjähriges Mitglied im Beirat der Wirtschaftsinitiative, eröffnete die Veranstaltung mit guten Nachrichten aus einer pwc-eigenen Studie. 72 Prozent der Start-ups in der Region nehmen ein gutes Gründerklima wahr, 90 Prozent glauben, dass FrankfurtRheinMain als Start-up-Hub an Bedeutung gewinnen wird.

Doch was halten die sogenannten Corporates, also die etablierten Großkonzerne und Mittelständler, vom Start-up-Hype? Und: Wie und wo interagieren die neuen und alten Player eigentlich miteinander? Für tiefere Einblicke sorgte hier ein pwc-Experte der besonderen Art: Thomas P. Offner. „Start-ups und Corporates wollen miteinander arbeiten, verhalten sich aber zueinander wie Öl und Wasser. Das mischt sich kurz, separiert sich aber schnell wieder. Deshalb braucht es einen Emulgator, einen Brückenbauer, jemanden, der die Bälle verteilt", so Offner, der diese Rolle selbst ausfüllt und von langjährigen Erfahrungen berichteten konnte. Der Österreicher ist passionierter Schauspieler und Winzer, vor allem aber Entrepreneur, Accelerator- und Inkubator-Profi – und führt auf seiner Visitenkarte tatsächlich den Begriff „Quarterback".

Start-ups meet Corporates

Im Anschluss ging es gemeinsam mit vier Gründern aus der Region in die Welt der digitalen Geschäftsmodelle. Ralf Heim von Fincite, Dr.-Ing. Ulrich Jerichow von Pro4Senses, Pascal Lauria von Cogia und Rachid Touzani von CargoSteps präsentierten ihre Unternehmen und vermittelten sehr beeindruckend ihre intrinsische Gründungsmotivation. „Ich bin Lokalpatriot. Uns geht es aktuell gut in FrankfurtRheinMain. Damit das auch künftig so ist, brauchen wir die Start-ups", machte Pascal Lauria deutlich, dessen Geschäft auf neuartigen News- und Social Media-Monitoring-Tools basiert. Korrespondierend mit den Branchen der Start-ups stellten sich mit Christiane Beimel, Max Schrecklinger, Niels Tomm und Ulrich Wolf dann Leitungspersönlichkeiten von DHL, Boehringer Ingelheim, Deutscher Börse und IBM Deutschland der Diskussion über innovative Newcomer, vermeintlich verstaubte Etablierte und die Chancen der Zusammenarbeit. Die vier Großkonzerne, die sich allesamt im Bereich Start-up-Förderung engagieren, repräsentierten zusammengenommen rund eine Million Mitarbeiter.

Das Besondere am gewählten Fishbowl-Dialogformat: Ein freier Platz in der Runde bietet den Veranstaltungsteilnehmern die Möglichkeit, sich spontan in die Diskussion einzumischen. Selbstredend blieb der Stuhl nie lange leer. „Ideen und Konzepte werden in Deutschland nicht finanziert, es gibt kein ‚Trial and Error'-Budget. Vielleicht brauchen wir ein paar verrückte Milliardäre mehr", wusste ein Start-up-Gründer aus dem Publikum die Unternehmensvertreter zu „challengen", die denn auch fest versprachen, alles Gehörte mit in ihre Organisationen zu nehmen und Kooperationen mit Start-ups weiter auszubauen.

B2B-Paradies mit Potenzial

Das Ausrufezeichen setzte am Schluss Bianca Praetorius. Die gebürtige Frankfurterin– und wie der erste Keynote-Speaker des Abends vom Schauspielfach –arbeitet als Public Speaking-Trainerin in Berlin und coacht insbesondere Start-ups. Ihre Aufgabe an diesen Abend: die Start-up-Region FrankfurtRheinMain zu pitchen. Die Quintessenz ihrer plakativen und merkfähigen Präsentation: „FRM steht für mich für ‚Freie Radikale Metropolregion'. Wir haben auf Ebene der deutschen Städte die Vielfalt erfunden – die Grundvoraussetzung für Innovation. Hier wird nicht nur geredet, sondern gemacht. FrankfurtRheinMain ist ein B2B-Paradies. Beste Voraussetzungen, dass das mit den Start-ups und der Region eine Love-Story wird!"

Fotos © Andreas Varnhorn