DAM-Ausstellung zur Region: Andrea Jürges zieht positive Bilanz

Veranstaltungen

  • 09.11.2018

„Das Thema FrankfurtRheinMain ist für viele Menschen relevant“

„RHEIN-MAIN – DIE REGION LEBEN" hatten die Ausstellungsmacher die von der Wirtschaftsinitiative unterstützte Schau genannt, die vier Monate lang im Deutschen Architekturmuseum (DAM) zu sehen war, zahlreiche Besucher anzog und vor kurzem zu Ende gegangen ist. Wie sie den regionalen Diskurs bewegt hat und welche Impulse und Spuren sie hinterlässt, berichtet Andrea Jürges, stellvertretende Direktorin des DAM, im Interview.

Frau Jürges, wie fällt Ihr Fazit zur Ausstellung aus? Welche Rückmeldungen haben Sie erhalten?

Was mich vor allem positiv beeindruckt hat, sind die Kommentare unserer Besucher. Die Ausstellung „RHEIN-MAIN – DIE REGION LEBEN" regte bei Führungen und auf den Kommentarwänden immer zu interessanten Diskussionen an. Diese Diskursivität war von den drei Kuratoren Christian Holl, Felix Nowak und Kai Vöckler beabsichtigt. Die Ausstellungsgestaltung mit „Arbeitscharakter", für die Nikolaus Brückmann und Yuriy Matveev verantwortlich zeichneten, setzte dies gut um – und wurde zum Teil durchaus kontrovers besprochen.

Es ging uns darum, die Region greifbarer zu machen, das heißt den aktuellen Stand darzustellen und gleichzeitig mit guten Referenzprojekten auch Impulse für die weitere regionale Entwicklung zu setzen. Die Ergebnisse zweier Workshops – „DAM Labs" – waren ebenfalls essentieller Bestandteil der Ausstellung, mit dem Ziel, neue Sichtweisen zu zeigen und zu eröffnen. Und in der Tat dienten diese bewusst freien Entwürfe als Ausgangspunkt für viele lebendige Diskussionen.

Der Dialog mit den Besuchern zeigte deutlich: Das Thema „Region FrankfurtRheinMain" ist für viele Menschen relevant. Wir alle wünschen uns ein schönes Zuhause, eine gute Infrastruktur, zuverlässige Verkehrsmittel und Naherholungsgebiete für unsere Freizeit. Doch wie funktioniert das in einem dicht besiedelten Raum, der dynamisch wächst? Die Ausstellung arbeitete heraus, dass wir die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen nur gemeinsam lösen können und als Region angehen sollten. Dabei ist es wichtig, zentrale Themen wie Wohnen und Mobilität – zwei Schwerpunkte auch in der Ausstellung – aktiv und positiv zu gestalten.

Wichtige Ergänzungen zur Ausstellung und für unsere Besucher waren zudem die vielfältigen Veranstaltungen, die nicht nur vom DAM oder den Kuratoren initiiert wurden, sondern auch dank des Engagements regionaler „Player" – von der Wirtschaftsinitiative über den Regionalverband bis zum Verein FrankfurtRheinMain – zustande kamen. Wir hoffen sehr, dass wir diese begonnene Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen können.

Was konnte das DAM mit der Ausstellung im regionalen Diskurs bewirken?

Eine zentrale These der Ausstellung war: „Gestaltung matters". Wenn wir von vornherein, ganz früh in Planungen, auch die Gestaltung berücksichtigen und eine gute Gestaltung anstreben, dann haben wir alle etwas davon. Wie können wir beispielsweise die notwendige Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs umsetzen, sodass gleichzeitig die Umgebung davon profitiert? Wie ist Wohnen neben Bahntrassen mit guter Gestaltung möglich? Wie können wir guten Wohnraum schaffen? Die Ausstellung zeigte hier bewusst positive Beispiele.

Unser Eindruck ist, dass wir den oftmals abstrakten Begriff der Region in konkrete, fassbare Themen umsetzen und Gestaltungswillen in alle Richtungen wecken konnten. Wir freuen uns, dass wir auch viele Personen, die sich teilweise schon lange in unterschiedlichen Organisationen und Gremien für die regionale Entwicklung engagieren, für die Ausstellung begeistern konnten. Und wir hoffen natürlich, die Ausstellung hat alle ihre Besucher dazu angeregt, sich in der Region, für die Region und für ein gutes Zusammenleben einzusetzen.

Wie wird das DAM das Thema „Metropolregion FrankfurtRheinMain" weiter begleiten?

Wir planen, den Diskussionen rund um die Region auch weiterhin Raum im DAM – und an anderen Orten in der Region – zu geben. Derzeit stellen wir eine Veranstaltungsreihe zusammen, zu der wir regionale Akteure und Vertreter aus anderen Regionen einladen wollen. Des Weiteren wollen wir die Reihe „DAM Lab" fortsetzen. Und idealerweise können wir in ein paar Jahren abermals eine Ausstellung zur Region eröffnen.

Ganz konkret wird alles, was unsere Besucher auf den Kommentarwänden in der Ausstellung hinterlassen haben, veröffentlicht werden. Wir freuen uns, dass die Möglichkeit, die Themen zu kommentieren, so zahlreich genutzt wurde und möchten diese guten Beiträge zur Region mit einem noch größeren Publikum teilen.

Der Ausstellungskatalog „Living the Region", der die Inhalte sogar noch vertiefend und sehr gut aufbereitet darlegt, ist natürlich auch weiterhin bei uns und im Buchhandel erhältlich.

Was steht jetzt auf dem Programm, was erwartet die DAM-Besucher in den nächsten Monaten?

Ein ganz anderes lokales Thema hat im Moment im Erdgeschoss unseres Hauses seinen Platz: „DIE IMMER NEUE ALTSTADT", kuratiert von Philipp Sturm, präsentiert die Vielzahl von Planungen und Bauten, die auf dem Gebiet der neuen Frankfurter Altstadt in den letzten 100 Jahren stattgefunden haben. Die Ausstellung zeigt, dass für dieses Areal immer wieder neue Ideen entwickelt wurden und stellt natürlich auch das aktuelle Ergebnis mit Hintergrundinformationen vor.

Im dritten Obergeschoss machen wir mit „HYBRID TBILISI" die unterschiedlichen Architekturen in Tiflis, Georgien, sichtbar. Georgien war das diesjährige Gastland bei der Buchmesse. Das gab uns den Anlass, uns mit der Architektur dort auseinanderzusetzen. DAM-Direktor Peter Cachola Schmal stellte, gemeinsam mit der georgischen Kuratorin Irina Kurtishvili, die Vielseitigkeit der Gebäude in Tiflis zusammen – die Ausstellung gibt spannende Einblicke in das Land.

Und: Anfang November öffnete die Ausstellung zum Internationalen Hochhauspreis. Das DAM lobt den Award zusammen mit der Stadt Frankfurt und der DekaBank alle zwei Jahre aus und prämiert hier die besten Wolkenkratzer der Welt.

Mehr unter:
www.dam-online.de

Fotos © DAM / Hoffotografen, Moritz Bernoully