10. Deutsches Wirtschaftsforum: Auf dem Weg zu einem wettbewerbsfähigen Digitalstandort Europa

Veranstaltungen

  • 19.11.2018

„Europe, we have a problem!“

Was braucht es, um mit 15 Jahren – und damit als jüngster Mensch – alleine rund um die Welt zu segeln? Auf die eigenen Stärken vertrauen, in schwierigen Situationen ruhig bleiben und vor allem: mutig sein. Ein gutes Rezept und inspirierendes Beispiel, das sich auf Vieles übertragen lässt, sogar auf die großen Herausforderungen in Wirtschaft und Politik. Das dachten sich auch die Veranstalter des Deutschen Wirtschaftsforums und luden die heute 23-jährige Laura Dekker nach Frankfurt ein. Doch nicht nur sie hatte eine beeindruckende Geschichte zu erzählen. Zahlreiche internationale Experten und außergewöhnliche Persönlichkeiten, erfahrene Top-Manager und erfolgreiche Start-up-Gründer fanden sich zum inzwischen zehnten Mal auf dem Paulskirchen-Podium ein, um Sichtweisen, Ideen und Impulse auszutauschen. Diesmal dabei: Dr. Markus Braun, CEO des DAX-Newcomers Wirecard, Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa, Anna Alex, Gründerin von OUTFITTERY, und viele weitere Gäste. Im Mittelpunkt der Diskussion: die Digitalisierung und Europa.

„Europe, we have a problem", brachte es Christoph Bornschein, umtriebiger Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG), in der Auftakt-Keynote auf den Punkt und warnte die rund 800 Teilnehmer des Deutschen Wirtschaftsforums eindringlich. „Unter den Top 15 der weltweit größten Digitalunternehmen sind keine europäischen! Wir sitzen nicht mit am Tisch, wenn über die Regeln der digitalen Welt abgestimmt wird. Und wenn wir jetzt nichts ändern, bleibt das auch so." In der anschließenden Session empfahl Bornschein, nicht in die USA oder nach China zu schielen, sondern mit gemeinsamen europäischen Werten die Digitalisierung voranzutreiben. „Wer heute den Code schreibt, den Millionen benutzen, siehe Facebook und WhatsApp, bestimmt die Werte, die darin verankert sind." Unterstützung erhielt er hier von seiner Mitdiskutantin Simone Menne, Aufsichtsratsmitglied bei BMW und der Deutschen Post. „Raus aus dem reaktiven Modus, rein ins Forward Thinking. Warum bauen wir keine eigenen Plattformen?" Angesichts digitaler Inaktivitätsprotokolle bei Amazon mahnte ver.di-Chef Frank Bsirske hier derweil zum differenzierten Blick auf die neue Arbeitswelt: „Wir müssen uns auch damit auseinandersetzen, dass es möglich ist, Menschen wie Roboter zu behandeln."

Unternehmen wagen

„Ich bin gar nicht so pessimistisch, was Europa angeht", sagte wiederum Laura Rudas in einem folgenden One-on-One. „Ich weiß nicht, wie viele Tischtennisplatten man im Silicon Valley aufstellen müsste, um solch eine Loyalität bei den Mitarbeitern zu erzeugen, wie es sie hier bei uns gibt", so die ehemalige österreichische Politikerin, die heute in Kalifornien für das Data-Mining-Unternehmen Palantir Technologies tätig ist. Drei weitere interessante Frauen hatte das Deutsche Wirtschaftsforum außerdem noch zu bieten. Zum einen Anna Alex. Mit dem Männermode-Start-up OUTFITTERY hat sie eines der erfolgreichsten E-Commerce-Unternehmen Deutschlands ins Leben gerufen, ist als weibliche Gründerin in der Szene aber nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung. Zum anderen Laura Dekker, die mit ihrer Solo-Weltumseglung im Teenager-Alter das eigentlich Unmögliche wagte und über sich hinauswuchs. Ihr Motto: „Zweifel zerstören Träume – mehr als Scheitern es jemals tun wird. Keep going!", so ihre positive Botschaft. Zudem war mit Francesca Bria, Chief Technology and Digital Innovation Officer der City of Barcelona, eine internationale Vertreterin zu Gast, die den Blick auf die Rolle der Städte und Metropolregionen im Zeitalter der Digitalisierung lenkte. „In Barcelona kooperieren wir mit der Wirtschaft, um die Probleme in unserer Stadt zu lösen. Bei Fragen etwa der Mobilität oder Gestaltung des öffentlichen Raums setzen wir auf Partizipation. Urbane Zentren können und müssen Wegweiser und Laboratorien für die demokratische Idee sein – gerade in einer digitalen Zukunft."

Erfolg „made in Europe"

Den Schlusspunkt einer auch im zehnten Jahr hochspannenden und vielfältigen Veranstaltung setzten Vertreter der Finanzbranche, neben ING-DiBa-Chef Nick Jue insbesondere Dr. Markus Braun, CEO und CTO der Wirecard AG, die erst im September die Commerzbank im DAX abgelöst hatte. Der Mann, dem nachgesagt wird, den Deutschen die Liebe zum Bargeld austreiben zu wollen, erläuterte, wie sein Unternehmen es geschafft hat, mit Financial Services „made in Europe" zum Global Player zu werden.

Fazit des Tages: Die Wettbewerbsfähigkeit Europas kann nur gemeinsam gestärkt werden. Ohne Protektionismus, mit Zusammenhalt auch unter konkurrierenden Unternehmen. Und mit einer gehörigen Portion Mut.

Zum wiederholten Male fungierte die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain als Netzwerkpartner des Deutschen Wirtschaftsforums und bot ihren Mitgliedern exklusive Teilnahmemöglichkeiten. Veranstaltet wird das erfolgreiche Dialogformat von Convent Kongresse. Das in Frankfurt ansässige Unternehmen gehört zur ZEIT-Verlagsgruppe und ist seinerseits seit knapp zehn Jahren Mitglied im Unternehmernetzwerk. Dr. Mark Schiffhauer, Convent-Geschäftsführer, Verlagsleiter Business Solutions und langjährig in der Wirtschaftsinitiative engagiert, hatte die Aufgabe übernommen, das  Deutsche Wirtschaftsforum zu eröffnen.

Fotos © Andreas Henn

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