100. Wirtschaftsgespräche am Main: Deutsche Bank-Chef Christian Sewing zu Gast bei der Jubiläumsausgabe

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  • 21.06.2018

„Ein starker Finanzplatz Frankfurt braucht eine starke Deutsche Bank“

Seit dem 8. April führt Christian Sewing den Vorstand des größten deutschen Finanzinstituts – unbestritten einer der aktuell anspruchsvollsten Manager-Jobs hierzulande. Bei der jüngsten Jubiläumsausgabe der Wirtschaftsgespräche am Main versprach er nicht nur eine weitere Stabilisierung und strategische Kurskorrektur der Bank in einer bewegten Zeit, sondern überbrachte auch ein klares Commitment seines Unternehmens zum Standort FrankfurtRheinMain. Damit machte er die 100 voll und reihte sich ein in eine lange Liste hochkarätiger Redner. Eine Ehre für ihn, wie er bekannte, und ein Anlass zum Feiern für die Initiatoren und Gäste des erfolgreichen Veranstaltungsformats.

Von A wie Paul Achleitner bis Z wie Dieter Zetsche reicht das Spektrum der nunmehr einhundert prominenten Keynote-Speaker aus Wirtschaft und Politik, die die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain gemeinsam mit der Messe Frankfurt, dem Hotel InterContinental Frankfurt und der F.A.Z. seit den 1990er Jahren für den außergewöhnlichen Business Luncheon gewinnen konnte. Auch wenn die Deutsche Bank sich qua Gründung des Unternehmernetzwerks stark in der Wirtschaftsinitiative engagiert, so war dies doch der erste Besuch ihres CEOs bei den Wirtschaftsgesprächen am Main. „Wir wollen uns wieder stärker am öffentlichen Dialog beteiligen, gerade auch in unserem Heimatmarkt, um relevant für unsere Kunden zu sein", eröffnete Sewing seinen Vortrag. Nachdem sein Vorgänger John Cryan die Bank „hervorragend aufgeräumt" habe, werde er nun weiter an der eingeleiteten Stabilisierung und Strategieanpassung arbeiten – mit dem Ziel, die Bank wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen. „Wir wollen eine führende internationale Bank mit Wurzeln in Deutschland bleiben", so der 48-Jährige, der bereits seine Ausbildung bei der Deutschen Bank absolviert und fast sein ganzes Berufsleben im Konzern verbracht hat, darunter auch zahlreiche Auslandsstationen.

Keine leichte Aufgabe

Wie das in Zeiten weltwirtschaftlicher, geopolitischer und technologischer Umwälzungen gelingen soll, blätterte der neue Vorstandschef direkt auf. Ein wichtiger Schritt sei durch die Verschmelzung der Postbank-Tochter mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank getan, ein anderer mit dem Börsengang der Fondsgesellschaft DWS erfolgt. „Die Bank wird in zwei Jahren 150. Unser Gründungszweck war es einmal, deutsche und europäische Unternehmen international zu begleiten. Das ist es, was wir richtig gut können. Und darauf müssen wir uns auch in Zukunft konzentrieren." Dazu gehöre insbesondere das Transaktionsbanking, das einen erheblich Anteil am Ertrag ausmache. Ebenso stünden natürlich Kostensenkungen nach wie vor auf der Agenda – unweigerlich verbunden mit dem Thema Arbeitsplatzabbau. Auch mit Blick auf den in Verruf geratenen Begriff des Investment-Bankings äußerte sich der CEO: „Wir werden es nicht aufgeben." Die Kunden bräuchten den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt zwingend. Allerdings wolle die Bank sich hier stärker als bisher fokussieren.

Brexit-Gewinner FrankfurtRheinMain

„Die Deutsche Bank muss wieder in die Spur kommen – und das ist auch für den Finanzplatz und FrankfurtRheinMain wichtig", leitete Sewing auf die regionale Perspektive über. Der Brexit, den die Deutsche Bank im Übrigen sehr bedauere, habe die Region erfreulicherweise aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. London werde das unangefochtene Finanzzentrum bleiben, aber FrankfurtRheinMain werde zu den Brexit-Gewinnern zählen. Und: „Der Standort Frankfurt wird für die Deutsche Bank definitiv an Bedeutung gewinnen." Er wünsche sich, dass Deutschland die Skepsis gegenüber dem Finanzsektor abbauen möge und räumte natürlich auch ein, dass sein eigenes Haus an diesen Vorbehalten durchaus einen entsprechenden Anteil habe. „Wir schöpfen das Potenzial des Kapitalmarkts nicht aus. Wir brauchen in Europa eine Kapitalmarktunion – gerade im Wettbewerb mit den USA", so seine zentrale politische Forderung. Auch sei der Brexit ein entscheidendes Signal für die europäischen Geldhäuser, mit Blick auf eine mögliche Kräftebündelung über die Grenzen hinweg zu schauen. Europa habe zu wenige starke Banken. „Ein starker europäischer Finanzplatz braucht einen starken Finanzplatz Frankfurt. Und ein starker Finanzplatz Frankfurt braucht eine starke Deutsche Bank. Dafür werde ich mich persönlich einsetzen."

Format mit Weitsicht und Zukunft

Bevor es in die obligatorische, von F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka moderierte Fragerunde ging, servierte das gastgebende Hotel InterContinental eine Jubiläumsüberraschung – in Tortenform. Für alle vier Veranstaltungspartner ist klar: Die Wirtschaftsgespräche am Main gehen weiter und bieten auch in Zukunft vor allem den Wirtschaftsinitiative-Mitgliedern etwa viermal pro Jahr besondere Einblicke. Der Vorsitzende des Unternehmernetzwerks Prof. Dr. Wilhelm Bender dankte Christian Sewing schließlich sehr herzlich für sein Kommen und sein klares Bekenntnis zur Metropolregion FrankfurtRheinMain – allerdings nicht ohne an die vorherige Begegnung der beiden zu erinnern. Die fand nämlich vor wenigen Wochen beim DFB-Pokalfinale in Berlin statt. „Die Frankfurter haben verdient gewonnen", so der bekennende Bayern München-Supporter Sewing zähneknirschend. Doch der kämpferische Auftritt der Eintracht habe ihm imponiert und gebe ihm Zuversicht, dass man alles erreichen könne, wenn man es nur genug wolle.

Fotos: Kirsten Bucher

„Wirtschaftsgespräche am Main" ist ein exklusives Veranstaltungs- und Kooperationsformat, das die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain gemeinsam mit der Messe Frankfurt, dem Hotel InterContinental Frankfurt und der F.A.Z. ausrichtet.