Interview mit Dr. Gunnar Wöbke, FRAPORT SKYLINERS

Mitglieder im Fokus

  • 05.04.2017

„Sport steigert die (Er-)Lebensqualität unserer Region“

Im Gespräch mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter und Sportdirektor des Frankfurter Basketballbundesligisten – über die wichtige gesellschaftliche Rolle des Sports, die geplante Multifunktionshalle am Kaiserlei und die Sportregion FrankfurtRheinMain.

Herr Dr. Wöbke, wie geht's den FRAPORT SKYLINERS? Wo steht das Team in der sportlichen Entwicklung?

Die Play-offs sind aktuell nicht in unmittelbarer Schlagdistanz. Doch das macht uns nicht nervös, das ist alles erklärlich. Wir bleiben motiviert, wir wollen immer gewinnen, wir beißen und geben nicht auf. Im letzten Sommer mussten wir einen relativ großen Aderlass verkraften und haben einen Neuaufbau mit vielsprechenden jungen Talenten gestartet. Unsere Mannschaft ist aktuell die jüngste in der Basketballbundesliga. Größere Leistungsschwankungen sind da völlig normal. Mit zunehmender Erfahrung wird das weniger werden – da bin ich mir sicher. Unser oberstes Ziel ist es, junge Spieler zu entwickeln und attraktiven Basketball zu bieten. Dann erst kommen die sportlichen Ziele. Wir gehen davon aus, dass die begonnene positive Entwicklung im nächsten Jahr so weitergeht.

Wie „basketballverrückt" ist FrankfurtRheinMain? Was braucht es, um Profi-Basketball mit internationalem Anspruch zu spielen und zu organisieren?

5.000 Menschen passen in die FRAPORT ARENA in Frankfurt-Höchst – im Schnitt kommen zu unseren Heimspielen über 4.600 Zuschauer. Das ist eine Auslastung von ca. 92 Prozent. Eine tolle Quote! Ich sehe hier ein großes Entwicklungspotenzial, unabhängig von der Hallenkapazität. Es gibt viele sportbegeisterte Menschen in FrankfurtRheinMain, die sich den Eintritt zu einem Sport-Event leisten wollen und können. Aber was uns schon seit Jahren Kopfschmerzen macht, sind die deutlichen Nachteile unseres aktuellen Standorts. Das betrifft vor allem die nicht mehr zeitgemäße Infrastruktur und die schlechte Erreichbarkeit. Bekanntermaßen sind wir ein großer Verfechter eines modernen Hallenneubaus. Nicht nur wir brauchen ihn, um international wettbewerbsfähig zu sein!

Stichwort „Multifunktionshalle" am Kaiserlei. Nach einigem Hin und Her haben Frankfurt und Offenbach nun dafür den Weg freigemacht. Welche Erwartungen haben Sie an den weiteren Prozess und an das neue „Wohnzimmer" der FRAPORT SKYLINERS?

Sport-Events sind Teil der Unterhaltungsindustrie. Wir konkurrieren hier mit zahlreichen anderen Freizeitmöglichkeiten, nicht nur mit anderen Sportarten. Am Beispiel Fußball lässt sich sehr schön ablesen, dass die tolle Entwicklung des Sports auch mit den modernen Arenen zu tun hat. Wir spielen international, haben im letzten Jahr den FIBA Europe Cup gewonnen – das ist der dritthöchste Wettbewerb. Aber wenn wir künftig in der Top-Liga, der EuroLeague, mithalten wollen, brauchen wir eine Halle mit mindestens 10.000 Plätzen. Und: Wir müssen Zuschauern und Sponsoren drumherum etwas bieten. Neben einer guten ÖPNV-Anbindung und Parkplätzen meine ich hier vor allem attraktive Logen und Businessbereiche sowie Cateringangebote. Es ist sehr erfreulich, dass Frankfurt und Offenbach dieses für die Region so wichtige Projekt nun endlich angehen und Hand in Hand umsetzen wollen. Immerhin steht das Thema schon seit sieben Jahren auf der Agenda. Und private Investoren wollen einen mehrstelligen Millionenbetrag investieren. In anderen Regionen hätte man hier womöglich schon den roten Teppich ausgerollt. Meine Hoffnung und Erwartung ist, dass Investorenauswahl, Planung und Bau der neuen Halle jetzt richtig Fahrt aufnehmen. Binnen dreieinhalb Jahren könnte die Arena fertig sein und mit Leben gefüllt werden. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass eine neue Multifunktionshalle den Veranstaltungsmarkt in FrankfurtRheinMain insgesamt deutlich beleben wird und dass davon auch andere Locations profitieren. Das hat nicht zuletzt Berlin mit dem Bau der Mercedes-Benz Arena gezeigt.

„Alles dreht sich nur noch um Fußball" – diese Klage ist von vielen Akteuren in verschiedenen Sportarten zu hören. Wie sieht die Unterstützung in Politik und Wirtschaft für den Basketball aus?

Fußball ist und bleibt die Nummer eins – mit weitem Abstand. Den riesigen TV-Einnahmequellen können wir nichts entgegensetzen. Da spielen wir mit Basketball in Europa tatsächlichin einer anderen Liga. Wenngleich wir mit der neuen, attraktiven Multifunktionshalle natürlich auf eine Erhöhung unseres Budgets setzen – ganz klar. FrankfurtRheinMain ist groß genug und verfügt über eine enorme Wirtschaftskraft, hier ist Platz für viele Sportarten, Sponsoren und Werbepartner sind breit aufgestellt, Erfolge befruchten sich gegenseitig. Ich würde mir aber wünschen, dass der Sport in unserer Region auf der politischen Ebene noch höher gewichtet wird. Da gibt es Nachholbedarf.

Wo steht FrankfurtRheinMain denn aus Ihrer Sicht als Sportregion? Wird der Spitzensport in der Vermarktung der Region bislang schlicht unterbewertet?

In FrankfurtRheinMain lässt es sich nicht nur gut arbeiten, sondern auch gut leben. Warum? Weil wir mit Natur, Kultur und vielen Freizeitangeboten gleichermaßen punkten können. Sport spielt in diesem Mix eine tragende Rolle und hätte aus meiner Sicht noch mehr politische Unterstützung verdient. Da lassen wir aktuell Chancen liegen. Sport weckt spielend Emotionen, schafft Integration und Identifikation und steigert die (Er-)Lebensqualität unserer Region. Wir müssen als echte Sportregion einen Anspruch formulieren, wo wir hinwollen, und unsere Kräfte bündeln. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Sport hat hier noch Luft nach oben.

Wie kann FrankfurtRheinMain es insgesamt schaffen, sich bestmöglich zukunftsfähig aufzustellen und eine starke, attraktive, erfolgreiche Region zu sein und zu bleiben?

Wer heute noch nicht erkannt hat, warum es FrankfurtRheinMain so gut geht: Das hat natürlich viel mit dem Flughafen zu tun. Frankfurt ist für mich wie eine moderne „Hafenstadt". Hier liegt die Power. Unserem Drehkreuz sollten wir daher heute und in Zukunft keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Wir sind die internationalste Region in Deutschland, Integration und ein friedliches Zusammenleben funktionieren relativ gut bei uns. Das zieht junge Leute an. Wir sollten die Region aber insgesamt noch attraktiver für Talente machen. Da geht noch mehr.

Wie engagieren sich die FRAPORT SKYLINERS in der Region, etwa in der Jugendarbeit?

Wir haben, gemeinsam mit renommierten Partnern, die Initiative „Basketball macht Schule" ins Leben gerufen – eine Sache, die mir auch persönlich sehr am Herzen liegt. Im Rahmen von zahlreichen Basketball-Schul-AGs werden Kinder im Alter von 6 bis 12 mit Hilfe des Basketballsports an wichtige Themen wie Bewegung und Ernährung, Integration und Teamgeist spielerisch herangeführt. Inzwischen gibt es rund 140 Schul-AGs in FrankfurtRheinMain, in denen insgesamt ca. 3.500 Kinder der 1. bis 6. Klassen wöchentlich mit qualifizierte Übungsleitern trainieren. Mit unserer Ernährungs-, Integrations- und Bewegungsinitiative haben wir tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal. Das leistet bundesweit kein anderer Verein! Zudem kann sich aber auch unsere Nachwuchsarbeit im Leistungsbereich sehen lassen.

Wo sehen Sie die Metropolregion FrankfurtRheinMain in 20 Jahren – und wo die FRAPORT SKYLINERS?

Vorweg: In beiden Fällen bin ich optimistisch. Die Voraussetzungen für FrankfurtRheinMain sind positiv und ich bin überzeugt, dass sich die Region hervorragend weiterentwickeln wird. Die FRAPORT SKYLINERS spielen in meiner Zukunftsvision natürlich in der höchsten Klasse– in einer Top-Location vor 12.000 feiernden Zuschauern.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für die Metropolregion FrankfurtRheinMain und in der Wirtschaftsinitiative einzubringen?

Ich lebe seit rund 18 Jahren hier – und das einfach unglaublich gerne. FrankfurtRheinMain hat so viel zu bieten. Internationalität, Naherholung, Flughafen, Wirtschaft und Jobs. Es gibt noch ein Riesenpotenzial zu heben. Wo ich kann, möchte ich dazu etwas beitragen – insbesondere wenn es darum geht, Wirtschaft, Politik und Sport zusammenzubringen. Die Wirtschaftsinitiative ist dafür ein sehr guter Ort.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person:
Sport, Ernährung, Gesundheit: Auf diesen Gebieten – und vor allem in ihrer Kombination – ist Dr. Gunnar Wöbke ausgewiesener Experte. Seit 1999 führt er als Gesellschafter-Geschäftsführer die Geschäfte der FRAPORT SKYLINERS und hat die Entwicklung des Basketballbundesligisten maßgeblich geprägt. Der promovierte Oecotrophologe ist selbst ehemaliger Basketballbundesligaspieler. Seit 2015 studiert Dr. Wöbke, bekennender Fan des Rheingaus, zusätzlich Weinbau an der Hochschule in Geisenheim.

http://www.fraport-skyliners.de

http://www.basketballmachtschule.de

Fotos © FRAPORT SKYLINERS, Stefan Freund

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