Angemerkt von Prof. Dr. Wilhelm Bender

Meinung

  • 05.10.2017

Luft nach oben

Es kommt Bewegung in die Diskussion um den Luftverkehrsstandort Deutschland – dafür dürfte nicht zuletzt die Air Berlin-Insolvenz gesorgt haben. Sogar die umstrittene Luftverkehrssteuer steht neuerdings parteiübergreifend in Frage. Eine gute Nachricht für die Metropolregion FrankfurtRheinMain, deren Herzstück der Frankfurter Flughafen ist. Vorausgesetzt, die Bundespolitik misst der Luftverkehrswirtschaft in der neuen Legislatur endlich die Bedeutung bei, die sie verdient: als strategische Zukunftsbranche.

Beim Luftverkehrswachstum hält Deutschland in Europa gemeinsam mit Österreich die rote Laterne in der Hand – trotz Top-Platzierung beim Wirtschaftswachstum. Die deutschen Drehkreuzflughäfen wachsen gerade einmal halb so stark wie ihre Wettbewerber im europäischen Ausland. Und: Die deutschen Fluggesellschaften haben merklich Marktanteile verloren – sechs Prozentpunkte seit 2011, um genau zu sein. Das sind die Fakten, die unter anderem die Luftverkehrssteuer, auch „Ticketsteuer" genannt, geschaffen hat. Sie wird beim Abflug eines Fluggastes von einem inländischen Startort erhoben und richtet sich nach der Flugstrecke. 2010 in einer angespannten Haushaltslage beschlossen, bringt diese für deutsche Fluggesellschaften einseitig nachteilige Abgabe dem Fiskus jedes Jahr rund eine Milliarde Euro ein. Eine Summe, die die Luftverkehrswirtschaft besser in die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft investieren sollte, etwa mit Blick auf modernere und leisere Flugzeuge. In FrankfurtRheinMain können wir eine Entwicklung in diese Richtung nur begrüßen und unterstützen, ist doch das Prosperieren unserer Region in hohem Maße mit dem Flughafen, unserer Lebensader, verbunden.

Die Würfel auf bundespolitischer Ebene sind erst einmal gefallen, wenngleich in gänzlich neuer Konstellation und mit noch ungewissem Ausgang. Wie sich Deutschland in Sachen Luftverkehr künftig aufstellen wird, welche neuen Rahmenbedingungen konkret geschaffen werden, bleibt also abzuwarten. Unstrittig dabei: Der Markt ist im Umbruch. Das wirft neue Fragen auf und braucht neue Antworten – gerade auch für unsere Region. Sicher ist nur eines: Nachfragewachstum, Investitionsvolumen und Infrastrukturausbau müssen noch viel besser miteinander korrespondieren.