Wirtschaftsgespräche am Main mit Dr. Katrin Suder

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  • 27.06.2016

„Die Bundeswehr braucht das Know-how aus der Wirtschaft"

Exotin, Ausnahmeerscheinung, Multitalent: Dr. Katrin Suder ist 44 Jahre alt, promovierte Physikerin, Bachelor-Absolventin der Literatur- und Theaterwissenschaften, erfahrene Strategieberaterin, ehemalige Leiterin des Berlin-Büros von McKinsey, bald Mutter von drei Kindern, ohne jeglichen militärischen Background – und seit 22 Monaten Hauptverantwortliche von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, wenn es um die Modernisierung der Bundeswehr geht. Bei den 93. Wirtschaftsgesprächen am Main stellte die Staatssekretärin die „Agenda Rüstung" vor und beeindruckte durch das, was sie auch von ihren Mitarbeitern vehement einfordert: Dinge beim Namen nennen.

Berufliches Neuland
Jahrelang hatte sie von außen auf verkrustete Verwaltungsstrukturen geblickt und als Beratungsexpertin Reformprojekte etwa für die Bundesagentur für Arbeit oder das Land Berlin geleitet. Jetzt ist Dr. Katrin Suder mittendrin im komplexen Kosmos Bundeswehr und Dreh- und Angelpunkt eines Transformationsprozesses, der das Rüstungsmanagement nachhaltig auf neue Füße stellen soll. Als Ministerin von der Leyen 2014 anklopfte, „habe ich 24 Stunden überlegt und schnell Ja gesagt. Eine solche Gestaltungschance erhält man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Und am Ende ist es schlicht eine große Ehre, sich für das Gemeinwohl einsetzen zu dürfen", so die beamtete Staatssekretärin zu ihrem eher ungewöhnlichen Wechsel aus der Wirtschaft in die Hausspitze eines Ministeriums.

Agenda für ein modernes Rüstungsmanagement
Zum militärischen Begriffsrepertoire gehört zuvorderst die „Lagebeurteilung". Kein Wunder also, dass Dr. Suder auch ihren Vortrag damit begann. Der sicherheitspolitische Kontext habe sich für Deutschland und Europa in den letzten Jahren drastisch verändert. Die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland, die zunehmende Terrorbedrohung und wachsende Fluchtbewegungen – all das sorge für eine Vielzahl von Aufgaben und veränderte Rollenanforderungen an die Bundeswehr. Bei einer in der Vergangenheit kontinuierlich gesunkenen Finanzlinie. „Gleichgültigkeit ist für ein Land wie Deutschland hier keine Option. Es ist klar, dass wir uns anders aufstellen müssen." Nach innen bedeutet das neue Steuerungs- und Ausschreibungsprozesse, mehr Transparenz und eine offenere Kultur – nach außen ein neues Verhältnis zur Rüstungsindustrie. Der strategische Ansatz: ein externes Gutachten als Basis, die Definition nationaler Schlüsseltechnologien und eine stärkere Wettbewerbsorientierung. „Die Bundeswehr muss künftig das beschaffen, was sie braucht, nicht das, was ihr angeboten wird", machte Dr. Suder denn auch sehr deutlich.

Eine Großorganisation in Bewegung
Wo steht das „Agenda Rüstung" getaufte und auf Nachhaltigkeit angelegte Transformationsprogramm nach knapp zwei Jahren? Das Ministerium habe seither rund 900 Millionen Euro umgesteuert und 26 Rüstungsprojekte neu aufgesetzt, zudem das Engagement im IT- und Cyber-Bereich verstärkt. „Wir sind gut unterwegs, aber es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns", lautet das Zwischenfazit der Staatssekretärin. Und klar ist: Einfach ist anders. Schließlich handelt es sich bei der Bundeswehr um eine Großorganisation, vergleichbar mit einem riesigen Mischkonzern – mit 250.000 Mitarbeitern, großen Schiffs-, Flugzeug- und Fahrzeugflotten, Kliniken, Forschungsabteilungen, 100 Ausbildungsberufen, zwei Universitäten.

Vernetzung Partnerschaft
Die Bundeswehr versteht sich heute als Sicherheitsprovider, der sich für Frieden, Freiheit und Menschenrechte einsetzt und das Leben von Bürgern wie Soldaten schützt. „Wir haben schwierige Randbedingungen, begrenzte finanzielle Mittel und viele unterschiedliche Stakeholder – vom Parlament über die Bündnispartner bis hin zur breiten Öffentlichkeit. Um die Bundeswehr nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern und unsere Personalressourcen künftig gut besetzen und managen zu können, brauchen wir Sie – und das Know-how aus der Wirtschaft", so der Appell von Dr. Suder an die Gäste des Business Luncheons. Dem pflichtete auch Prof. Dr. Wilhelm Bender bei. Der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain hatte bereits eingangs auf die wichtige Rolle hingewiesen, die der enge Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung spielt – gerade auch für die Entwicklung von Metropolregionen. „Reden hilft", so der Schlusssatz der gebürtigen Mainzerin, die ihr Heimspiel in FrankfurtRheinMain sichtlich genoss und sich – gemäß ihres Credos – viel Zeit für Fragen und Gespräche nahm.

„Wirtschaftsgespräche am Main" ist ein exklusives Veranstaltungs- und Kooperationsformat, das die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain gemeinsam mit der Messe Frankfurt, dem Hotel InterContinental Frankfurt und der F.A.Z. ausrichtet.

Wirtschaftsgespräche am Main mit Dr. Katrin Suder

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