Interview mit Kai Ostermann, Deutsche Leasing

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  • 28.07.2016

„FrankfurtRheinMain sollte Innovationen stärker fördern“

Im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Leasing Gruppe Kai Ostermann – über Investitionsvorhaben im Mittelstand, die Herausforderungen des Finanzplatzes und die Zukunft der Metropolregion.

Die Deutsche Leasing Gruppe versteht sich als Asset-Finance-Partner für den deutschen Mittelstand und fungiert als Leasing-Kompetenzzentrum der Sparkassen. Was haben Sie dem Mittelstand konkret zu bieten?

Asset-Finance-Partner zu sein, das bedeutet, Finanzierungslösungen für ein breites Spektrum an Investitionsvorhaben anzubieten und dazu ergänzende Dienstleistungen bereitzuhalten. Und es bedeutet, den Kunden bei seiner Investition von A bis Z zu begleiten – also den „Dienstleister" im Wort Finanzdienstleister wirklich ernst zu nehmen. Wir kennen jegliche Investitionsobjekte, deren Wertverläufe und die jeweiligen Gebrauchtgütermärkte. Davon profitieren unsere mittelständischen Kunden –egal, ob es um Maschinen, Fahrzeuge oder ganze Fahrzeugflotten, Informations- und Kommunikationstechnologie oder Immobilien geht. Unser Leistungsportfolio bieten wir dem Mittelstand direkt oder über unsere Verbundpartner, die Sparkassen, an. Derzeit bündeln wir die Kräfte der Sparkassen-Finanzgruppe in Sachen „Factoring".

Was treibt den Asset-Finance-Markt aktuell um? Wo sehen Sie die größten Entwicklungspotenziale für Ihr Unternehmen?

Ein Produkt mit viel Potenzial habe ich gerade schon genannt: Factoring, das insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen interessant ist. Darunter versteht man den Kauf von Geldforderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Factoring darf meines Erachtens im Finanzierungsmix nicht mehr fehlen. Was auch immer wichtiger wird, sind begleitende Dienstleistungen zum Investitionsobjekt. Der Klassiker ist hier sicher das Flottenmanagement. Auch bei IT-Investitionen nimmt die Nachfrage nach Services zu. In diesem Zusammenhang sind insbesondere „Rundum-sorglos-Pakete"gefragt. Was von unseren Kunden zudem gut angenommen wird: Wir bieten an, Fördermittel in Leasing- und Finanzierungsprodukte mit einzubeziehen. Dabei übernehmen wir die gesamte Beratung und komplette Fördermittelabwicklung für unsere Kunden.

Sie begleiten den deutschen Mittelstand auch im internationalen Exportgeschäft. Ist FrankfurtRheinMain ein gutes Pflaster für den Mittelstand?

Aktuell erkennen wir, dass Sonderfaktoren wie Niedrigzinsen, geringer Ölpreis und niedriger Euro-Kurs zwar die Konjunktur unterstützen. Aber auf der anderen Seite prüft der Mittelstand langfristige Investitionsentscheidungen sehr intensiv. Das hat natürlich auch mit den zahlreichengeopolitischen Unsicherheitsfaktoren zu tun. Eine aktive regionale Wirtschaftspolitik, die eine gute Basis für Internationalität bildet, ist hier von großer Bedeutung. FrankfurtRheinMain halte ich daher mit Blick auf den Mittelstand grundsätzlich für einen interessanten Standort. Mehr als fünf Millionen Menschen leben hier. Und gerade von Arbeitnehmern wird die Metropolregion geschätzt.

Die Deutsche Leasing ist Teil der Sparkassen-Finanzgruppe. Wie wird die Zukunft des Finanzplatzes FrankfurtRheinMain aussehen?

Für die Finanzindustrie gibt es aktuell große und zudem vielfältige Herausforderungen. Drei Themen stechen dabei ganz besonders hervor: die Regulatorik, die Zinssituation und die Digitalisierung. Die Regulatorik beeinflusst Geschäftsmodelle und Prozesse in jedem Unternehmen, auch im Finanzsektor. Ein permanenter Austausch dazu ist notwendig. Die Niedrigzinsen haben die Aufgabe, insbesondere Investitionsimpulse zu setzen. Doch sie erweisen am Ende wedermittelständischen Unternehmern noch dem Finanzsektor gute Dienste. Stattdessen verführt die Zinsentwicklung zu einer sorglosen Risikopolitik; belohnt werden diejenigen, die sich Geld leihen. Großen Diskussionsbedarf gibt es zudem rund um die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Produktion und Arbeitswelt. Das betrifft mittelständische Unternehmen ebenso wie Finanzdienstleister. Hier gilt es, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten und zukunftsorientiert zu handeln. Unsere Finanzdienstleister-Rolle sehen wir auch darin ausgefüllt, digitale Investitionen bei unseren Kunden zu begleiten. Als Finanzplatz wird die Metropolregion FrankfurtRheinMain bei all diesen Themen eine wesentliche Rolle spielen.

Eine äußerst interessante Entwicklung ergibt sich auf jeden Fall auch aus dem Brexit. Wenn Geschäft von London auf andere Finanzplätze in der EU verlagert wird, könnte Frankfurt bis zu 20.000 Stellen zusätzlich bekommen. Büroraum gäbe es genug. Außerdem ist keine andere Stadt Europas verkehrstechnisch so gut erschlossen. Und: Frankfurt kann es bei der Verarbeitung digitaler Daten mit jedem Standort in der Welt aufnehmen. Das Einzige, was fehlt, ist Wohnraum.

Auf welchem Gebiet sollte sich FrankfurtRheinMain verbessern? Wo sind uns andere Regionen voraus?

FrankfurtRheinMain bietet bereits viele Vorteile gegenüber anderen Regionen. Beispielsweise können Kunden und Lieferanten dank der sehr guten Verkehrsinfrastruktur schnell zueinanderfinden. Denkt man allerdings an Deutschland als „Land der Erfinder und Unternehmer", kommt einem FrankfurtRheinMain eher nicht in den Sinn. Forschung, technologische Entwicklungen und Innovationen könnten und sollten wir noch deutlich stärker fördern – die Voraussetzungen für einen Innovationsstandort FrankfurtRheinMain sind gegeben. Einige Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht und sogenannte „Labs" gegründet. Allein: Wir müssen aus den vorhandenen Voraussetzungen mehr machen – vielleicht auch einfach mehr darüber sprechen.

Wo sehen Sie die Metropolregion FrankfurtRheinMain in 20 Jahren?

Das ist eine schwierige Frage. Sagen kann man jedoch sicherlich: FrankfurtRheinMain wird als Metropolregion immer attraktiver werden und mehr– hauptsächlich ältere – Einwohner haben. Eine Studie der Goethe-Universität aus dem vergangenen Jahr ergab, dass Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet schon heute 19 Prozent der freien Arbeitsplätze nicht mehr besetzen können. Qualifizierte Arbeitnehmer zu finden, wird in 20 Jahren wohl eine der zentralen Herausforderungen sein. Ziel muss es daher sein, einen noch attraktiveren und vielfältigeren Arbeitsmarkt zu bieten, auch über die Finanzwirtschaft hinaus. Vielleicht wird der Brexit hier tatsächlich zur Chance.

Eine weitere wichtige Veränderung mit entsprechenden Auswirkungen: Für junge Arbeitnehmer gelten heute andere Werte als „Leistung bringen, um möglichst viel Geld zu verdienen". Sie wollen sich persönlich entwickeln, attraktive Arbeitsaufgaben übernehmen und Wertschätzung erleben. Das ist sicherlich keine große Neuigkeit, aber für Unternehmen eine echte Aufgabe. Dazu kommen Veränderungen durch die Digitalisierung und neue Mobilitätskonzepte, über die wir heute noch nicht einmal nachdenken. Mit dieser Schnelllebigkeit müssen die Metropolregion FrankfurtRheinMain, die ansässigen Unternehmen und damit auch die Deutsche Leasing zurechtkommen lernen.

Ich hoffe zudem auf eine Metropolregion FrankfurtRheinMain, die mit noch mehr Leben gefüllt ist – idealerweise durch wechselseitige Kooperationen, die die Region stärker zusammenwachsen lassen.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für die Metropolregion FrankfurtRheinMain und in der Wirtschaftsinitiative zu engagieren?

Die Deutsche Leasing ist seit 1997, also fast seit der ersten Stunde, Mitglied der Wirtschaftsinitiative. Für uns als Unternehmen aus der Rhein-Main-Region – wir wurden 1962 in Frankfurt gegründet – sind die Ziele klar: Wir wollen FrankfurtRheinMain als wichtigen Finanzplatz unterstützen und die Region gemeinsam mit anderen Unternehmen als Wirtschaftsstandort gestalten und weiterentwickeln. Das ist Grund genug, mich auch persönlich zu engagieren.

Zur Person:

Kai Ostermann ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing Gruppe. Seit 2006 gehört er dem Leitungsgremium des Unternehmens an, seit 2010 hat er den Vorsitz des Vorstands inne. Zuvor war Ostermann Vorsitzender der Geschäftsführung der DAL Deutsche Anlagen-Leasing. Seine Berufslaufbahn startete der Diplom-Kaufmann in der Landesbank Schleswig-Holstein in Kiel.

www.deutsche-leasing.com

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