Wirtschaftsgespräche am Main mit Jörg Asmussen

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  • 13.02.2015

Wirtschaftsgespräche am Main mit Staatssekretär Jörg Asmussen „Europa, quo vadis?":

Er ist auf dem Parkett der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik zu Hause und gilt als einer der profiliertesten Kenner der Euro-Krise. So hätte Jörg Asmussens Vortragsthema bei den 88. Wirtschaftsgesprächen am Main nicht passender und kaum aktueller gewählt sein können. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und ehemalige EZB-Direktor sprach über die Zukunft Europas: „Wovon wollen wir künftig leben?"

Seit Beginn der Finanzkrise ringt Europa um den richtigen Weg - um die richtige Abfolge von Sparen, Investieren, Wachsen. Im Brennpunkt immer wieder: Griechenland. Prof. Wilhelm Bender, der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain, erinnerte denn auch direkt zu Beginn des Executive Luncheon an die europäische Kultur- und Wertegemeinschaft: „Ohne Griechenland gäbe es das Wort Europa gar nicht."

Wo stehen wir in Europa? Wo wollen wir hin? Und vor allem: Wie kommen wir dort hin? Mit dieser klar strukturierten Dreiteilung gelang es Asmussen, die Zuhörer im obersten Stockwerk des Frankfurter Hotels InterConti durch die Komplexität des Europa-Themas zu navigieren. Er vertrete heute jedoch nicht die Meinung der Bundesregierung, sondern schildere seine persönliche Sicht der Dinge, betonte der prominente Gastredner, der die Metropolregion FrankfurtRheinMain nicht nur aus seiner Zeit im EZB-Direktorium bestens kennt und schätzt.

Vorweg bescheinigte Asmussen Deutschland zwar eine gute Aufstellung, wies aber auf die omnipräsenten geopolitischen Unsicherheiten hin und machte darüber hinaus zwei große Herausforderungen für Deutschland und Europa aus: die zwei „Ds" - Demografie und Digitalisierung. „Die wichtigste Frage, die es hier zu beantworten gilt: Wo liegt unser Wachstumspotenzial in der Zukunft?", so der Staatssekretär. Schon SPD-Parteikollege Franz Müntefering habe vor Jahren den Satz geprägt: „Wir können nicht davon leben, uns alle wechselseitig die Haare zu schneiden."

Arbeit, Kapital, Technologie und Produktivität seien die entscheidenden politischen Stellschrauben für Potenzialwachstum. Europa brauche, von Griechenland bis Deutschland, künftig mehr wettbewerbsfähige Jobs durch mehr
Investitionen - öffentliche wie private. Dafür müssten alle Politikbereiche ineinandergreifen: die Geldpolitik der EZB, die Fiskalpolitik der einzelnen Staaten und unterschiedlichste Strukturreformen - allen Koordinationsproblemen zum Trotz. „Für eine gesamteuropäische Perspektive wird jeder ein Stück geben müssen."

Gefragt, ob die „Euro-Krise" vorbei sei, fiel Asmussens Antwort ambivalent aus: „Ja und Nein. Wir sind heute weniger verwundbar, aber nicht unverwundbar."

„Wirtschaftsgespräche am Main“ ist ein exklusives Veranstaltungs- und Kooperationsformat, das die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain gemeinsam mit der Messe Frankfurt, dem Hotel InterContinental Frankfurt und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausrichtet.

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