Interview mit Dr. Klaus Vornhusen, Deutsche Bahn AG

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  • 01.12.2014

„Wir müssen aus der Vielheit eine Einheit machen“

Gespräch mit Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für das Land Hessen– über den notwendigen Infrastrukturausbau in FrankfurtRheinMain und „Deutschland im Kleinen“

Mobilität gilt als Aushängeschild unserer Region und ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Herr Dr. Vornhusen, wo steht der Schienenverkehr in FrankfurtRheinMain? Und: Quo vadis?

Die Deutsche Bahn fährt täglich rund 4.200 Personenzüge und S-Bahnen durch Hessen. Zweifellos: FrankfurtRheinMain ist da. Verkehrsdrehkreuz in Deutschland. Die Infrastruktur schafft es aber gerade so, diese Vielfalt von Verkehren möglich zu machen. Wichtig ist, dass wir hinreichende Infrastrukturkapazitäten dazu bekommen. Land und Deutsche Bahn haben daher zusammen mit der Stadt Frankfurt, der Region und dem Verbund das Programm „Frankfurt.RheinMain plus“ initiiert, um abgestimmt die Infrastruktur auszubauen. Dazu gehören so wichtige Nahverkehrsprojekte wie die Nordmainische S-Bahn von Frankfurt über Maintal nach Hanau, der Ausbau der S-Bahn zwischen Frankfurt und Friedberg über Bad Vilbel und nicht zuletzt die Verlegung der S-Bahn-Strecke Stadion – Flughafen, um den neuen Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens anzuschließen.

Frankfurt wächst, die Metropolregion wächst. Immer mehr Menschen müssen in, von und nach FrankfurtRheinMain bewegt werden. Wie begegnet die Deutsche Bahn diesem steigenden Bedarf im ÖPNV – über den Streckenausbau hinaus?

Dass die DB ein guter Partner im Nahverkehr ist, zeigt nicht zuletzt der Gewinn aller drei Lose bei der jüngsten S-Bahn-Ausschreibung des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Mit dem aktuellen Fahrplanwechsel ist ein deutlich umfangreicheres Verkehrsangebot auf die Schiene gegangen. Dafür hat DB Regio übrigens 500 Mio. Euro in neue Triebzüge gesteckt. Zudem treiben wir die Modernisierung der S-Bahn-Stationen in Rhein-Main stark voran. Allein für fünf Stationen in Frankfurt wurden und werden aktuell gemeinsam mit der Stadt insgesamt rund 50 Mio. Euro investiert. Darüber hinaus beginnt in den nächsten Tagen eines der größten Modernisierungsvorhaben in der Geschichte der S-Bahn Rhein-Main: der Bau des neuen Elektronischen Stellwerks in Frankfurt. Die DB nimmt hier rund 90 Mio. Euro in die Hand, um den Betrieb der S-Bahn für die nächsten Jahrzehnte zuverlässig zu gewährleisten. Und nicht zu vergessen: das Projekt zur Neugestaltung des Frankfurter Hauptbahnhofs. Hier wollen wir gemeinsam mit der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen mit umfangreichen Maßnahmen – versehen mit einem Gesamtvolumen von rund 135 Mio. Euro – ein attraktives Entree zur Stadt und zum System Bahn schaffen.

Wagen Sie bitte einen Blick in die Glaskugel: Wie wird Mobilität in FrankfurtRheinMain in 20 Jahren aussehen?

Die Züge der Zukunft kennen wir schon – denn sie sind bereits bestellt! Riesige Potenziale sehe ich bei der Digitalisierung. Der ÖPNV wird sich individualisieren – hier erwarte ich schon in den kommenden fünf Jahren gravierende Auswirkungen. Smartphone oder Smartwatch werden zum selbstverständlichen „Reisebegleiter“, zeigen lückenlos Reisemöglichkeiten von Tür zu Tür auf. Bereits heute bietet die DB Anschlussangebote an, gesteuert über entsprechende Apps. Und was die gerade im Bau befindliche „Eisenbahn-Hardware“ betrifft: In 20 Jahren werden die Infrastrukturmaßnahmen ausstrahlen – gerade auch mit Blick auf die Stadtentwicklung etwa in Frankfurts Norden bis Bad Vilbel und darüber hinaus, in Frankfurts Osten, in Maintal oder Hanau. Ich freue mich auch auf die Quartiersentwicklung zum Beispiel in Höchst und im Frankfurter Bahnhofsviertel, wenn die dort gemeinsam mit der Stadt angegangenen Bahnhofsprojekte ihre Wirkung entfalten.

Und zum Schluss: Was macht die Arbeit in und für FrankfurtRheinMain attraktiv – für Sie persönlich?

Alle Städte in Rhein-Main haben eine starke und ganz eigene Geschichte und Kultur. Frankfurt liegt im Mittelpunkt einer polyzentrischen Struktur, die wie „Deutschland im Kleinen“ ist. Ungeheuer faszinierend! Jetzt geht es darum, aus dieser Vielheit eine Einheit zu machen. Gemäß dem Leitspruch: E pluribus unum. In der Wirtschaft gelingt das schon ganz gut, die Politik arbeitet daran. Unser Weg kann nur sein: Eigenständigkeiten respektieren, Besonderheiten nutzen, Gemeinsamkeiten bündeln. Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.

Dr. Klaus Vornhusen
Dr. Klaus Vornhusen ist Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für das Land Hessen. Seit fast zehn Jahren vertritt er in dieser Funktion den Konzernvorstand gegenüber den Gebietskörperschaften und führt die Aktivitäten der Konzernsäulen in der Region zusammen; gleichzeitig spiegelt er die hessischen Mobilitätsinteressen in den Deutsche Bahn-Konzern hinein.

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