Interview mit Judith Noll, Rhein-Main TV

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  • 01.08.2014

„Wir wollen der Spiegel dieser einmaligen Region sein“

Interview mit Judith Noll, Geschäftsführerin der Rhein-Main TV GmbH & Co. KG, über die Zukunft des Regionalfernsehens und die Region FrankfurtRheinMain

Frau Noll, Sie sind seit Frühjahr Geschäftsführerin von Rhein-Main TV. Neu im Amt und neu in der Region: Wie kommt‘s?

Warum bin ich hier? Das ist im Grunde ein Zufallsprodukt! Vor zehn Jahren habe ich einen Fernsehsender in Erfurt gegründet – heute ist Salve TV der größte Regionalsender Thüringens. Durch mein Engagement im Bundesverband Lokal TV entstand die Verbindung zu RheinMain TV. Seit dem Frühjahr bin ich nun in der Doppelfunktion – als Geschäftsführerin hier und dort – tätig. So kommen, 25 Jahre nach dem Mauerfall, auch im Bereich Regional-TV zwei wunderbare Bundesländer zueinander, die sich ohnehin eng verbunden sind. Meine Aufgabe ist es, Rhein-Main TV auf Zukunftskurs zu bringen – und vor allem schwarze Zahlen zu schreiben. Das habe ich den Gesellschaftern versprochen und das werde ich auch halten. Denn ich bin Unternehmerin aus Leidenschaft.

Wie sehen Sie die Zukunft des Regionalfernsehens? Und wo steht Rhein-Main TV?

In Deutschland gibt es 140 Regionalsender. Vor einigen Jahren hat jedoch ein großes Sendersterben begonnen. Ein Grund: Es gibt immer mehr Filialbetriebe und damit immer weniger Werbekunden „vor Ort“. Wir waren und sind im Bundesverband Lokal TV der Meinung, dass Rhein-Main der wichtigste Standort für Regionalfernsehen ist. Was sich hier tut, strahlt auf ganz Deutschland aus. Auch politisch. Als wir im vergangenen Jahr mit den Kollegen von Rhein-Main TV den Austausch suchten, merkten wir schnell: Die Kollegen stecken fest, wollen – und brauchen – eine neue Ausrichtung. Nach einer gründlichen Analyse sind die Weichen jetzt technisch und personell neu gestellt. Unser Kernstück am neuen Standort Mörfelden-Walldorf ist ein hochmodernes virtuelles Green Box-Studio. Es ist schön zu sehen, dass die Mitarbeiter sich gut in die neue Situation einfinden. Unser gemeinsames Ziel: Groß denken, in schlanken Budgets arbeiten und den Sender konsequent zu einem Multi-Channel-System entwickeln, das auf Internet, Handy, iPhone, iPad, Smart TV und klassisches Fernsehen baut.

Wo geht die Reise bei Rhein-Main TV denn jetzt konkret hin?

Rhein-Main TV muss künftig auf mehreren Säulen stehen. Die erste Säule: Wirtschaft und Unternehmer. Das wird ein ganz starkes Thema sein – und ist es schon. Beispiel: Unsere InterviewSerie mit Unternehmern aus der Region. Hier durfte ich als Moderatorin ja bereits einige Mitglieder der Wirtschaftsinitiative begrüßen – und freue mich auf weitere. Die zweite wichtige Säule Internationalität. So haben wir etwa einen sehr engen Kontakt mit einem chinesischen Sender aufgebaut und sehen da viel Potenzial. Das spannende und neue an unserer Ausrichtung: Wir werden uns künftig in erster Linie als „Bewegtbild-Dienstleister“ positionieren, der die Frage nach dem Verbreitungskanal erst im zweiten Schritt stellt. Neben den kommerziellen Dingen, die für den Zukunftsweg des Senders essentiell sind, bleibt der journalistische Teil von Rhein-Main TV nach wie vor ein Aushängeschild. Lokale und regionale Informationen, nachrichtlich aufbereitet.

Ihr Eindruck von der Rhein-Main-Region und ihren Menschen ist noch recht frisch. Wie sieht er aus?

Ich lebe seit 20 Jahren in Thüringen. Wenn ich die Strecke von Erfurt nach Mörfelden-Walldorf fahre, spielt sich bei mir immer ein interessantes Kopfkino ab. Ganz ehrlich: Frankfurt sieht von außen viel größer aus, als es ist. Von innen betrachtet ist es überraschend überschaubar. Und total sympathisch.

Was treibt Sie an – in Ihrem Engagement für die Metropolregion FrankfurtRheinMain und in der Wirtschaftsinitiative?

Es kristallisiert sich heraus, dass es in Deutschland elf Metropolregionen mit starken Regional-TV-Sendern geben wird. Und klar ist: FrankfurtRheinMain ist das „Leading-System“. Hier sind finanzielle Ressourcen, hier ist Internationalität, hier ist Kreativität. Jetzt müssen wir nur noch eines tun – nämlich diesen Sender zum Spiegel dieser einmaligen Region machen! Das wollen wir schaffen. Die Unternehmen sind dafür die Katalysatoren. Ich muss an dieser Stelle wirklich einmal sagen: Dankeschön, dass die Wirtschaft in Rhein-Main uns schon so lange den Rücken stärkt. Jetzt liegt es an uns zu bekräftigen: Wir sind Eure Bewegtbild-Experten!

Judith Noll
Judith Noll ist Unternehmerin durch und durch. Bereits mit 17 gründete sie ihre erste eigene Firma. Vor zehn Jahren startete sie den heute größten Regional-TV-Sender Thüringens. Parallel sorgt sie derzeit als Geschäftsführerin von Rhein-Main TV dafür, den Sender fit für die Zukunft zu machen. Weitere Informationen unter: www.rheinmaintv.de.

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